Heimische Heilpflanzen
In unserer Serie „Heimische Heilpflanzen“ stellen wir Ihnen wichtige Arzneipflanzen vor. Dabei greifen wir solche heraus, die in der Apotheke bekannte Therapeutika sind und gleichzeitig sozusagen vor der Haustür wachsen. Auch wenn sich manche dieser heimischen Heilpflanzen eher unscheinbar präsentieren, hat bei genauerer Betrachtung doch jede ein paar Besonderheiten zu bieten. 
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Meerrettich – Scharfmacher gegen Infekte

Tasse mit geriebenem Meerrettich und eine angeschnittene Meerrettichwurzel auf Holzuntergrund
Der Meerrettich ist bei Atemwegskatarrhen sowie unterstützend bei Harnwegsinfekten indiziert. | Bild: 13smilie / Fotolia

Tafelspitz mit Meerrettichsoße oder ein Meerrettichschaumsüppchen sind dank ihrer aromatischen Schärfe beliebte Gerichte. Doch der Meerrettich kann noch viel mehr: Die in der Wurzel enthaltenen Senfölverbindungen wirken erwiesenermaßen gegen Atemwegs- und Harnwegsinfekte und fördern laut Volksmedizin die Verdauung.

Die gesundheitlichen Wirkungen lassen sich im Idealfall mit dem Verzehr frischen Meerrettichs erzielen. Daneben gibt es jedoch auch Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel. 

Senföle als Hauptwirkstoff des Meerrettichs

Der Meerrettich (auch „Kren“ genannt) war schon im Mittelalter als Speisenzutat begehrt, denn er zählte damals zu den wenigen (erschwinglichen) scharfen Gewürzen in Europa.  

Die lange, fleischige Wurzelrübe des Kreuzblütlergewächses Armoracia rusticana ist aber nicht nur für eine pikante Würze gut: Die scharfmachenden Inhaltsstoffe haben auch einen gesundheitlichen Wert.  

Es handelt sich um Senfölglykoside (Glucosinolate). Werden die Pflanzenzellen aufgebrochen, so bilden sich daraus durch ebenfalls im Meerrettich enthaltene Enzyme die aktiven Senföle. Dieses Aufbrechen der Zellen geschieht zum Beispiel, wenn man die Wurzel reibt, schneidet oder zerkaut.

Meerrettich: Welche Wirkung haben die enthaltenen Senföle?

Die Senföle werden im Dünndarm resorbiert und überwiegend über Nieren und Lunge ausgeschieden. Deshalb wirken sie auch bevorzugt in diesen Geweben. Als Arzneimittel ist Meerrettichwurzel (Armoraciae rusticanae radix) daher indiziert bei Atemwegskatarrhen sowie unterstützend bei Harnwegsinfekten.  

Die Kommission E hat die Wirkung bei Katarrhen der Luftwege und leichten Infekten der Harnwege voll anerkannt. Die Kombination der Meerrettichwurzel mit Kapuzinerkressenkraut ist besonders wirksam und dieses Phytotherapeutikum wird zur Behandlung von Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt.  

Es wird sogar in der offiziellen S3-Leitlinie zur Therapie von unkomplizierten Harnwegsinfektionen der Einsatz von Kapuzinerkresse und Meerrettich als pflanzliches Mittel bei Blasenentzündungen empfohlen.

Da die Schärfe der Senföle den Stoffwechsel und die Durchblutung anregt, lässt sich frischer, in Scheiben geschnittener Meerrettich auch für heiße Wickel oder Auflagen gegen Muskelverspannungen oder Gelenkschmerzen nutzen.  

Gelegentlich wird auch eine Einreibung mit zerkleinertem, in Essig eingelegtem Meerrettich zur Linderung von Gicht oder Kopfschmerzen empfohlen.  

Gut zu wissen: Wo wächst Meerrettich?

Meerrettich wird in einigen Regionen Deutschlands großflächig angebaut, vor allem im Spreewald, in Baden und in Franken.  

Er kommt aber auch wild in Unkrautfluren vor. So findet man die 50 bis 120 Zentimeter hohe, großblättrige, weiß blühende Pflanze beispielsweise am Rand feuchter Wiesen und an Bachläufen.  

Weitere Inhaltsstoffe im Meerrettich

Was der „Meerrettich“ mit dem Meer zu tun hat, ist nicht eindeutig geklärt. Auf jeden Fall nahmen Seefahrer früher die Wurzeln gerne als Proviant mit an Bord, da sie die Besatzung auf langen Fahrten vor Skorbut schützten.

Der Grund ist der hohe Vitamin-C-Gehalt: Er beträgt bei der frischen Pflanze durchschnittlich 114 Milligramm pro 100 Gramm und damit mehr als das Doppelte von Zitronen oder Orangen (je 50 Gramm).  

Daneben enthält die wertvolle Wurzel mehrere B-Vitamine, Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen sowie Flavonoide wie das Antioxidans Quercetin, das Zellen vor freien Radikalen schützt und damit Alterungsprozesse im Körper bremst.  

Meerrettich als Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel

Meerrettichwurzel wird entweder frisch oder getrocknet verwendet, als Presssaft oder in Form von Tinkturen, Kapseln oder Pulver.

Meerrettichwurzelpulver steckt zusammen mit dem ebenfalls senfölhaltigen Kapuzinerkressenkraut im apothekenpflichtigen pflanzlichen Arzneimittel Angocin Anti-Infekt N Filmtabletten von Repha, das bei akuten entzündlichen Erkrankungen der Bronchien, Nebenhöhlen und ableitenden Harnwege eingesetzt wird.  

Weiterhin gibt es Nahrungsergänzungsmittel in Kapsel-, Pulver- oder Tropfenform zur Unterstützung des Stoffwechsels, des Immunsystems und der Verdauung.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen zu Meerrettich

Meerrettich kann in rohem geriebenem Zustand in Mund und Nase brennen, auf der Haut Rötungen und Blasen hervorrufen und in sehr großen Mengen zu Durchfall oder Erbrechen führen.  

Menschen, die akut oder regelmäßig unter Sodbrennen oder Magenschleimhautentzündung leiden, sollten auf die Anwendung verzichten. Gleiches gilt für Kinder bis mindestens vier Jahre.

Bei Magen- und Darmgeschwüren sowie Nierenerkrankungen ist die Anwendung kontraindiziert.  

Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch die Einnahme von Meerrettich die Hormontherapie einer Schilddrüsenunterfunktion beeinträchtigt wird beziehungsweise sich eine leichte vorhandene Schilddrüsenunterfunktion verstärkt. Quellen (Autor ak):
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Gesunder-Meerrettich-Hilfe-bei-Erkaeltung-und-Entzuendungen,meerrettich110.html
https://flexikon.doccheck.com/de/Meerrettich
https://de.wikipedia.org/wiki/Meerrettich
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/pdf/tabelle_meerrettich.pdf
https://www.phytodoc.de/heilpflanzen/meerrettich/nebenwirkungen
 

Gut zu wissen: Heilpflanze des Jahres 2021

Der NHV Theophrastus ernannte den Meerrettich 2021 zur Heilpflanze des Jahres. In der Begründung heißt es, der Meerrettich habe „als Heilpflanze ein großes und leider bisher zu wenig ausgeschöpftes Potenzial“.

Der Naturheilverein bestimmt seit 2003 die Heilpflanze des Jahres, um Informationen zu heilenden Wirkungen von Kräutern anhand der ausgewählten Pflanze exemplarisch zu vermitteln und auf die Bedeutung der Phytotherapie in der Medizin hinzuweisen.

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