Weiße Taubnessel – bei Weißfluss und Atemwegskatarrhen

Bild: Garmon/stock.adobe.com

Die Blätter der Taubnessel sehen denen der Brennnessel zum Verwechseln ähnlich. Doch sie brennen nicht, sie sind sozusagen taub. Es handelt sich also um eine „taube Nessel“. Das klingt beinahe abwertend. Aber in der Heilkunde wurde die Pflanze früher sehr geschätzt. Einige der damaligen Anwendungen sind heute noch gültig.

Zum Verwechseln ähnlich

Wie die Brennnessel ist auch die Weiße Taubnessel (Lamium album) eine sehr häufige Pflanze. Man findet die bis zu 50 Zentimeter hohe Staude an Wegen und Waldrändern, an Zäunen und in Gräben. Da auch die Taubnessel stickstoffreiche Standorte liebt, kommt sie häufig gemeinsam mit der Brennnessel auf Viehweiden und an Dunghaufen vor. Im nichtblühenden Zustand sind die beiden Lippenblütler (Lamiaceae) nur schwer zu unterscheiden. So hat auch die Taubnessel einen vierkantigen Stängel mit gegenständigen, ei- bis herzförmigen Blättern, deren Ränder scharf gesägt sind. Blätter und Stängel sind wie die der Brennnessel behaart. Allerdings handelt es sich bei den Haaren der Taubnessel nicht um Brennhaare.

Eindeutig zu erkennen

Zur Blütezeit – von April bis Oktober – zeigt die Weiße Taubnessel dann doch ihr unverwechselbares Gesicht: In den oberen Blattachseln bilden sich Scheinquirle aus jeweils 6 bis sechzehn weißen Lippenblüten. Jede einzelne Blüte ist etwa zwei bis drei Zentimeter lang.

Für Tee und Sitzbäder

Sowohl Kraut- als auch Blütendroge (Lamii albi herba/flos) werden arzneilich genutzt. Sie enthalten vor allem Iridoide, Flavonoide, Gerb- und Schleimstoffe. Die Kommission E hat allerdings nur für die Blütendroge eine medizinische Anwendung anerkannt. Lamii albi flos sind innerlich indiziert bei Katarrhen der oberen Luftwege, zum Beispiel als Tee (1 g pro Tasse, Tagesdosis 3 g). Seit Jahrhunderten ist die Taubnessel auch ein Frauenheilmittel. Heute noch ist sie bei Fluor albus (Weißfluss) indiziert, zum Beispiel in Form von Sitzbädern (5 g pro Sitzbad). Seit Langem wird die Taubnessel außerdem zur Hautbehandlung genutzt. Heute lautet die Indikation: leichte, oberflächliche Hautentzündungen. Hierbei kann man Umschläge auf die betroffenen Hautpartien auflegen (für den Aufguss 50 g mit 500 ml heißem Wasser aufgießen).

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de