HPV-Impfung

Die HPV-Impfung wird für Mädchen ab 9 Jahren empfohlen. | Bild: Syda Productions / AdobeStock

Bestimmte Humane Papillomviren (HPV) sind in der Lage, Gebärmutterhalskrebs auszulösen. Um Frauen hiervor zu schützen, gilt seit 2007 die STIKO-Empfehlung, alle Mädchen gegen HPV zu impfen. Damit die Impfprophylaxe bestmöglich wirkt, sollte die Impfserie vor den ersten Intimkontakten abgeschlossen sein. Zur Infektion mit HPV kommt es nämlich hauptsächlich auf sexuellem Weg.

HPV-induzierte Erkrankungen

Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich irgendwann mit Humanen Papillomviren (HPV). Diese Viren können Haut- und Schleimhautzellen infizieren. In den meisten Fällen heilt eine solche Infektion folgenlos von selbst aus. In einigen Fällen bleibt sie jedoch bestehen. Dann können noch Jahre später die Zellen entarten und es kann Krebs entstehen. Diese Gefahr besteht insbesondere dann, wenn es sich um bestimmte Hochrisiko-Subtypen des Virus wie HPV 16 und 18 handelt. In selteneren Fällen lösen diese Viren noch andere Krebserkrankungen aus, von denen auch Männer betroffen sind. Dazu zählen etwa Analkarzinome sowie Tumoren im Mund- und Rachenraum. Andere HPV-Subtypen – wie die Niedrigrisiko-Subtypen HPV 6 und 11 – können nach der Infektion zu Genitalwarzen führen. Diese sind zwar gutartig, aber unangenehm und behandlungsbedürftig. Genitalwarzen können sowohl Frauen wie Männer betreffen. Rund 200 verschiedene HPV-Subtypen sind inzwischen bekannt.

Was die Impfstoffe leisten

Bis eine Frau nach einer HPV-Infektion möglicherweise Gebärmutterhalskrebs entwickelt, vergehen durchschnittlich 15 bis 20 Jahre. Für rund 70 Prozent aller Zervixkarzinome werden die beiden Hochrisiko-HPV-Subtypen 16 und 18 verantwortlich gemacht. Die HPV-Impfung richtet sich daher in erster Linie gegen diese beiden Viren. Die Impfstoffe beruhen auf sogenannten virusähnlichen Partikeln (leere Virus-Proteinhüllen) zur aktiven Immunisierung. Der bivalente Impfstoff Cervarix® immunisiert gegen die beiden Hochrisikotypen HPV 16 und 18. Der seit zwei Jahren verfügbare Neunfachimpfstoff Gardasil® 9 – die Weiterentwicklung des bisherigen Vierfachimpfstoffs Gardasil® – schützt auch gegen die Genitalwarzen-Erreger HPV 6 und 11 sowie gegen die weiteren Subtypen HPV 31, 33, 45, 52 und 58.

Impfung ab neun Jahren

Die HPV-Impfung für Mädchen gehört zu den STIKO-Standardimpfempfehlungen. Sie ist mittlerweile für Mädchen zwischen neun und 14 Jahren vorgesehen (bis 2014: zwischen zwölf und 17 Jahren). Mit dem frühen Impfzeitpunkt soll erreicht werden, dass ein Impfschutz rechtzeitig vor dem ersten Geschlechtsverkehr besteht – also vor einer möglichen Infektion. Für Mädchen dieses Alters sind zwei Impfstoffdosen erforderlich. Auch zu einem späteren Zeitpunkt kann noch geimpft werden. Dann sind allerdings drei Impfstoffgaben erforderlich. Geimpfte Frauen sollten grundsätzlich wissen: Die aktuell verfügbaren Impfstoffe schützen nicht gegen alle potenziell krebsauslösenden HPV-Typen. In seltenen Fällen kann sich daher trotz Impfung ein Gebärmutterhalskrebs bilden. Die gynäkologischen Früherkennungsuntersuchungen sind also nach wie vor wichtig.

Geringe Impfquote

Trotz der seit über zehn Jahren bestehenden HPV-Impfempfehlung liegt die Impfquote in Deutschland unter 50 Prozent. Immer wieder diskutierte Sicherheitsbedenken zur HPV-Impfung konnten inzwischen durch Studien weitgehend ausgeräumt werden. Es fanden sich keine Hinweise für schwere Nebenwirkungen wie erhöhtes Fehlgeburtenrisiko, chronisches Schmerzsyndrom oder erhöhtes MS-Risiko. Vorübergehende Symptome wie Schwindel, gastrointestinale Beschwerden, Schwäche oder Fieber können jedoch auftreten.

Impfung auch für Jungen?

Schon seit Jahren plädieren Urologen und andere Experten für eine HPV-Impfung auch für Jungen. Damit könnten nicht nur die männlichen Jugendlichen selbst vor HPV-induzierten Tumoren und Genitalwarzen geschützt werden. Auch eine HPV-Übertragung auf ihre Sexualpartnerinnen ließe sich verhindern. Einen Impf-Vorreiter in Deutschland gibt es schon: Bereits seit Jahren empfiehlt die Sächsische Impfkommission (SIKO) die HPV-Impfung für Jungen und junge Männer.

STIKO-Impfempfehlungen

Standardimpfempfehlung:

  • alle Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren (Nachholimpfungen spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr).

Impfschema und Impfstoffe

  • HPV-Impfstoffe enthalten virusähnliche Partikel und induzieren damit die Antikörperbildung.
  • Die Zweifachvakzine (Cervarix®) schützt vor den Hochrisiko-Subtypen HPV 16 und 18. Der Neunfachimpfstoff Gardasil® 9 schützt zusätzlich vor sieben weiteren HPV-Subtypen.
  • Bei Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren werden zwei Impfstoffdosen im Abstand von 5 bis 13 Monaten injiziert. Ab dem Alter von 15 Jahren sind 3 Impfstoffgaben erforderlich. 
Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de