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Schutz vor Gebärmutterhalskrebs: HPV-Impfung zeigt Wirkung – vor allem bei früher Impfung

Inbesondere Mädchen wird empfohlen, im Alter von 9 bis 14 Jahren standardmäßig eine Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) durchzuführen. Neue Studienergebnisse bestätigen nun diese Impfempfehlung des STIKO. | Bild: hunatorn / Adobe Stock

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Impfung gegen Humane Papillomaviren (HPV) standardmäßig im Alter von 9 bis 14 Jahren – und zwar für Mädchen und Jungen. Dass auch Jungen standardmäßig gegen HPV geimpft werden, hat sich erst im November 2018 geändert, zuvor galt die Empfehlung lediglich für Mädchen. Die HP-Viren sind insbesondere an der Entstehung von Zervixkarzinomen (Gebärmutterhalskrebs), anderen Erkrankungen der Zervix und Peniskarzinomen beteiligt. Weltweit erkrankten 2018 laut der International Agency for Research on Cancer 569.847 Frauen an einem Zervixkarzinom. Es ist nach Brust-, Kolorektal- (Darm) und Lungenkarzinom die vierthäufigste Krebsart bei Frauen. Für die Entdeckung dieses Zusammenhangs – Infektion mit HPV und Krebsentstehung – erhielt Prof. Dr. Harald zur Hausen 2008 den Nobelpreis für Medizin.

„Impfung gegen Krebs“?

Eine Impfung gegen HP-Viren gibt es seit einigen Jahren. Sie soll das Risiko einer Infektion mit bestimmten Virus-Subtypen verringern und in der Folge auch das Risiko für bestimmte anogenitale Tumoren (Tumoren im Anal- und Genitalbereich). Humane Papillomaviren zählen zu den sexuell am häufigsten übertragenen Infektionen. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass sich sexuell aktive Menschen mindestens einmal im Leben mit HP-Viren anstecken. Papillomaviren infizieren Haut und Schleimhäute und können dort – je nach Subtyp – zu einer ungefährlichen Warzenbildung (Niedrigrisiko-Typen) führen oder auch bösartige Veränderungen hervorrufen (Hochrisiko-Typen).

Wirksamkeit ist altersabhängig

Immer mehr Studien zeigen in den letzten Jahren die Wirksamkeit von HPV-Impfungen. Eine Cochrane-Analyse in 2018 kam zu dem Schluss, dass eine HPV-Impfung effektiv ist. Die Wissenschaftler fanden damals vor allem auch eine altersabhängige Wirksamkeit beim HPV-Schutz: Insbesondere 15- bis 26-Jährige profitierten von der Impfung.

Nun untermauert eine schottische Studie an 138.692 Frauen, veröffentlicht im renommierten British Medical Journal, diese Ergebnisse aktuell weiter. Die Wissenschaftler sprechen darin gar von einer „virtuellen Ausrottung“ der Hochrisiko-Subtypen HPV 16 und 18. Diese stehen besonders im Zusammenhang mit der Entstehung anogenitaler Tumoren. Doch verlagert sich die Krankheitslast dann auf andere HPV-Subtypen?

Cervarix-Studie an fast 140.000 Frauen

Die retrospektive (rückblickende) Bevölkerungsstudie analysierte die Daten von 138.692 Frauen, die zwischen dem 1. Januar 1988 und dem 5. Juni 1996 geboren und von denen frauenärztliche Abstriche im Alter von 20 Jahren gemacht wurden. Schottland führte 2008 ein nationales Impfprogramm mit einem bivalenten (zweifachen) HPV-Impfstoff (Cervarix®) zum Schutz vor den Humanen Papillomaviren 16 und 18 ein. Die zwölf- bis 17-jährigen Mädchen der schottischen Studie wurden folglich mit der bivalenten Vakzine geimpft. Es gab drei Gruppen: 

  • Jahrgang 1988 und 1989 – keine HPV-Impfung 
  • Jahrgang 1990 bis 1994 – bivalente HPV-Impfung im Rahmen des Aufholprogrammes im Alter von 14 bis 17 Jahren 
  • Jahrgang 1995 und 1996 – routinemäßige bivalente HPV-Impfung im Alter von zwölf und 13 Jahren 

Die Wissenschaftler untersuchten die Frauen im Lebensalter von 20 Jahren und machten gynäkologische Abstriche. Sie schauten nach Schleimhautveränderungen des Gebärmutterhalses und klassifizierten diese nach CIN (Zervikale Intraepitheliale Neoplasien).  Einen Überblick über die CIN-Einteilung finden Sie in der folgenden Info-Box.

CIN – was ist das?

Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gibt auf seiner Homepage einen Überblick über die einzelnen Stufen von zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN). CIN beschreibt Veränderungen des Gebärmutterhalses, die allerdings auf die Schleimhaut begrenzt sind und nicht auf tiefer liegende Gewebeschichten übergegriffen haben. Zu den CIN zählen leichte (CIN 1) bis mittelschwere (CIN 2) Veränderungen, die als Krebsvorstufe gelten, und oberflächliche Karzinome (CIN 3), die nicht über die Schleimhaut hinaus vorgedrungen sind – sogenannte In-situ-Karzinome. 

CIN 1: leichte Zellveränderungen, bilden sich bei 50 Prozent der Frauen allein zurück; frühe, aber kontrollbedürftige Befunde 

CIN 2: mittelschwere Zellveränderungen, spontane Heilungen sind möglich, aber seltener (etwa ein Drittel der Frauen) 

CIN 3: weit fortgeschrittene Zellveränderungen, fortgeschrittene Krebsvorstufen mit Übergang zum Karzinom, wobei die veränderten Zellen noch auf die oberen Gewebeschichten begrenzt sind; meist raten Ärzte zur Entfernung des betroffenen Gewebes, da das Risiko für invasiven Gebärmutterhalskrebs hoch ist.

Was waren die Ergebnisse?

„Die routinemäßige Impfung von Mädchen im Alter von zwölf bis 13 Jahren mit dem bivalenten HPV-Impfstoff in Schottland hat zu einer drastischen Verringerung der präinvasiven Zervixerkrankung geführt“, lautet das Fazit der Studienautoren. 

  • Bei Mädchen, die im Alter von zwölf oder 13 Jahren HPV-geimpft wurden, reduzierten sich CIN 3-Veränderungen um 89 Prozent im Vergleich zu ungeimpften Frauen.  

Je jünger die Mädchen bei der HPV-Impfung waren, desto weniger CIN entwickelten sie:

  • Mädchen, die im Alter von zwölf oder 13 Jahren geimpft wurden, zeigten eine Impfeffektivität von 86 Prozent im Vergleich zu Mädchen, die mit 17 Jahren HPV-geimpft wurden (Impfeffektivität von 51 Prozent).

Herdenimmunität durch HPV-Standardimpfung

Die Studienautoren fanden zudem positive Effekte im Sinne der Herdenimmunität. Sie verglichen hierfür die Krankheitsraten von Ungeimpften der Geburtsjahrgänge 1995 und 1996 mit Ungeimpften der Geburtsjahrgänge 1989 und 1990. Obwohl beide Gruppen nicht geimpft waren, zeigten die Frauen der späteren Geburtsjahrgänge eine Verringerung der Krankheit. Das passe zu den Daten, dass das Vorkommen (Prävalenz) von Hochrisiko-HPV-Subtypen in Schottland zurückgegangen sei, so die Wissenschaftler. Die Autoren sprechen in ihrer Publikation von einer „virtuellen Ausrottung der Infektionen, die mit den HPV-Typen 16 und 18“ assoziiert sind. Glücklicherweise scheint sich die Krankheitslast nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht auf andere Virus-Subtypen zu verlagern.

Gardasil®, Cervarix® und Gardasil ® 9 – was ist der Unterschied?

In Deutschland kam 2006 mit Gardasil® (MSD Vaccins) und Silgard® (Merck Sharp & Dohme) der erste HPV-Schutz auf den Markt. Cervarix® (GlaxoSmithKline) folgte 2007 und 2015 schließlich Gardasil® 9 (MSD Vaccins). Der „erste“ Gardasil®-Impfstoff schützte vor den beiden Hochrisiko-HPV-Subtypen 16 und 18, die für den Großteil der Fälle an Gebärmutterhalskrebs verantwortlich zeichnen, und zusätzlich vor den Niedrigrisiko-Subtypen 6 und 11. Auf diese lässt sich die Mehrheit (90 Prozent) der Fälle von Genitalwarzen zurückführen.

Der Gardasil®-Hersteller MSD Vaccins hat den vierfachen HPV-Impfstoff in Deutschland AV (außer Vertrieb) gemeldet. Teilweise bieten Importeure noch Gardasil® an (Stand Lauer-Taxe April 2019). Der Nachfolger Gardasil® 9 schützt, wie der Name besagt, vor neun HPV-Stämmen (Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58) und bietet derzeit den umfassendsten Schutz. Cervarix® schützt dagegen nur vor den Hochrisiko-Subtypen 16 und 18.

Wie wird geimpft?

Die Vakzine (Impfstoffe) – Gardasil® 9 und Cervarix® – sind beide ab einem Alter von neun Jahren zugelassen und werden intramuskulär (i.m.) verabreicht. Auch die Impfschemata sind gleich.

Lassen sich Mädchen oder Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren mit Cervarix® oder Gardasil® 9 impfen, geht dies mit einem Zwei-Dosen-Impfschema oder mit einem Drei-Dosen-Impfschema: 

  • Zwei-Dosen-Impfschema: Nach der ersten Impfung wird die zweite Dosis zwischen 5 und 13 Monate nach der ersten Dosis verabreicht. Wenn die zweite Impfdosis früher als 5 Monate nach der ersten Dosis verabreicht wird, sollte immer eine dritte Dosis verabreicht werden (0 und 6–12 Monate) 
  • Drei-Dosen-Impfschema: Nach der ersten Impfung kann die zweite Dosis frühestens einen Monat nach der ersten und die dritte frühestens 3 Monate nach der zweiten Dosis verabreicht werden (0, 2 und 6 Monate). 

In beiden Fällen sollte die Impfserie innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein.

Beginnen Personen im Alter von 15 Jahren oder älter mit der HPV-Impfung, empfehlen die Fachinformationen von Cervarix® und Gardasil® ein Drei-Dosen-Impfschema: 

  • Nach der ersten Impfung kann die zweite Dosis frühestens einen Monat nach der ersten und die dritte frühestens 3 Monate nach der zweiten Dosis verabreicht werden. Alle drei Dosen sollten innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr verabreicht werden (0, 2 und 6 Monate). 

Beide Fachinformationen empfehlen, die begonnene Impfserie mit Cervarix® beziehungsweise mit Gardasil® auch jeweils mit dem gleichen Impfstoff abzuschließen und nicht zwischen den einzelnen Präparaten zu wechseln.