COVID-19-Therapieoptionen
Was tun, wenn man an COVID-19 erkrankt ist? Die Forschung arbeitet mit Hochdruck an neuen Behandlungsmethoden und Wirkstoffen, um COVID-19-Patienten bestmöglich behandeln zu können. Erfahren Sie hier, welche neuen Therapieoptionen erfolgversprechend sind und welche neuen Arzneimittel zur Behandlung von Corona zugelassen werden.
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BC 007: Long COVID: Neue Hoffnung für Betroffene?

Frau sitzt erschöpft auf der Couch
Betroffene von Long COVID leiden häufig unter körperlicher und geistiger Erschöpfung. | Bild: leszekglasner / AdobeStock

Nach Ende einer Infektion mit SARS-CoV-2 bleiben bei manchen Menschen chronische Beschwerden zurück oder treten überhaupt erst nach der eigentlichen Infektion auf. Halten diese Symptome länger als drei Monate nach der akuten Infektion an, spricht man in der Medizin von Long COVID. Die Beschwerden können dabei stark variieren und hängen nur teilweise mit der Schwere der ursprünglichen Infektion zusammen. 

Die genaue Entstehung der Krankheit ist noch nicht verstanden und auch wirksame Medikamente stehen bisher nicht zur Verfügung. Eine Rolle im Zusammenhang mit Long COVID könnten sogenannte Autoantikörper gegen körpereigene G-Protein-gekoppelte Rezeptoren spielen. 

Als möglicher Wirkstoff gegen Long COVID käme die Substanz BC 007 infrage, die in der Lage ist, diese Autoantikörper unschädlich zu machen. Im Fachjournal „eClinical Medicine“ wurden dazu aktuell die Ergebnisse einer durchgeführten Studie veröffentlichteClinical Medicine: "Safety, tolerability and clinical effects of rovunaptabin, also known as BC007 on fatigue and quality of life in patients with Post-COVID syndrome (reCOVer): a prospective, exploratory, placebo-controlled, double-blind, randomised phase IIa clinical trial (RCT)", Stand: 08/2025 .

Was sind Autoantikörper und G-Protein-gekoppelte Rezeptoren?

Autoantikörper sind körpereigene Proteine, die sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen richten und dadurch Autoimmunerkrankungen auslösen können. Sie werden in Folge einer Fehlregulation des Immunsystems gebildet. 

Ein gesunder Körper kann zwischen körpereigenen und körperfremden Substanzen unterscheiden und verhindert damit die Produktion solcher Antikörper. Ist diese Selbsttoleranz jedoch beispielsweise durch eine Infektion gestört, können krankheitsverursachende Autoantikörper entstehen. 

Bei Long-COVID-Patienten konnten solche Antikörper gegen verschiedene G-Protein-gekoppelte Rezeptoren nachgewiesen und als mögliche Ursache für die auftretenden Beschwerden in Betracht gezogen werden. Die Rezeptoren sind im Körper an einer Vielzahl physiologischer Prozesse beteiligt. Sie dienen dabei als Empfänger von Hormonen oder Neurotransmittern und leiten die Signale der Botenstoffe an die jeweilige Zelle weiter. Mithilfe der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren werden unter anderem Funktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck oder die Immunantwort reguliert.

Zu den bekanntesten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren zählen beispielsweise die Beta-Rezeptoren, Acetylcholin-Rezeptoren sowie Angiotensin-II-Rezeptoren. Die fälschlicherweise gebildeten Autoantikörper können nun die entsprechenden Rezeptoren aktivieren oder blockieren und dadurch wichtige Prozesse im Körper beeinträchtigen.

Wie wirkt die Substanz BC 007?

Die Substanz BC 007 ist in der Lage, die gebildeten Autoantikörper zu neutralisieren, folglich funktionieren die G-Protein-gekoppelten Rezeptoren wieder normal und können ihre physiologische Funktion ausüben. 

Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein sogenanntes Einzelstrang-DNA-Oligonukleotid. Diese im Labor erzeugten DNA-Moleküle können spezifisch an bestimmte Zielstrukturen binden. BC 007 wurde vom Berliner Unternehmen Cures entwickelt und trägt auch die Bezeichnung Rovunaptabin. 

In einer bereits früher durchgeführten Untersuchung zur Behandlung von Long COVID war die Substanz gegenüber Placebo allerdings nicht überlegen. Wissenschaftler der Augenklinik der Universität Erlangen behielten Rovunaptabin trotzdem weiter im Blick. 

Unter der Leitung von Funktionsoberärztin PD Dr. Dr. Bettina Hohberger testete ein interdisziplinäres Forschungsteam die Substanz erneut bei ausgewählten Long-COVID-Betroffenen. Diesmal sind die Ergebnisse ermutigend: Nach der Applikation von Rovunaptabin kam es zu einer deutlichen Verbesserung der Symptomatik.

Studie: Vergleich von BC 007 vs. Placebo

In der sogenannten „reCOVer“-Studie wurden Patienten untersucht, die auch Monate nach der Corona-Infektion unter starker körperlicher und geistiger Erschöpfung litten. Die durchgemachte Infektion mit SARS-CoV-2 musste durch einen positiven PCR-Test nachgewiesen sein. 

Gemeinsam war den Betroffenen auch, dass im Blut Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren vorhanden waren. Diese Autoantikörper kommen nicht bei allen Long-COVID-Betroffenen vor. 

Weitere Kriterien für die Teilnahme an der Studie war ein Alter zwischen 18 und 80 Jahren sowie mindestens drei Long-COVID-Beschwerden über mindestens drei Monate mit dem Hauptsymptom Fatigue. 

Die insgesamt 30 Probanden erhielten zu Beginn intravenös entweder 1.350 mg Rovunaptabin oder Placebo, nach sechs Wochen erfolgte ein Wechsel auf die jeweils andere Behandlung.

BC 007 lindert Beschwerden bei Long COVID

Nach einer Therapie mit Rovunaptabin zeigte sich im Vergleich zu Placebo eine signifikante Verbesserung der Beschwerden, vor allem die für die meisten Betroffenen besonders belastende Erschöpfung konnte deutlich gelindert und die Lebensqualität damit entscheidend verbessert werden. Die zuvor im Blut nachgewiesenen Autoantikörper waren nicht mehr nachweisbar. 

Die erhaltenen Ergebnisse stützen damit die Annahme, dass Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bei manchen Patienten an der Entstehung von Long COVID beteiligt sind. Eine Neutralisation dieser Antikörper führt zu einer Verbesserung der klinischen Symptomatik. 

Damit wurden erstmalig positive Ergebnisse für eine ursächliche Therapie von Long COVID gefunden. Weitere Forschungen müssen nun die Ergebnisse bei einer deutlich größeren Teilnehmerzahl bestätigen. Quellen:
- https://www.fau.de/2025/08/news/wissenschaft/hoffnungsschimmer-fuer-long-covid-betroffene/
- https://www.thelancet.com/journals/eclinm/article/PIIS2589-5370(25)00290-1/fulltext
- https://www.augenklinik.uk-erlangen.de/forschung/ag-long-covid-me/cfs/glossar/autoantikoerper-und-der-gpcr/
 

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