Als PTA zur stellvertretenden Leitung der Herstellung bei EurimPharm

Melanie Prechtl von EurimPharm / Bild: Hugger / PTAheute

Mit Importarzneimitteln hat jede/-r PTA nahezu täglich im Apothekenalltag zu tun. Wie die Abläufe bei einem großen Arzneimittelimporteur aussehen, wissen hingegen die wenigsten. Melanie Prechtl arbeitet als PTA bei der EurimPharm Arzneimittel GmbH im bayerischen Saaldorf-Surheim und hat es dort inzwischen in die Position der stellvertretenden Leitung der Herstellung geschafft. Uns erzählte sie im Interview, wie sie zu ihrer neuen Aufgabe kam und wieso ihr der Job so viel Spaß macht.

Über den Tellerrand schauen und immer den Horizont erweitern

Ihre Ausbildung machte die 27-Jährige von 2006 bis 2008 an der Berufsfachschule für pharmazeutisch-technische Assistenten in München und anschließend in einer Apotheke in Freilassing. Nach fast acht Jahren Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke wollte die junge PTA ihren Horizont erweitern und etwas Neues dazulernen. Im Internet wurde sie auf eine Stellenanzeige der EurimPharm aufmerksam und entschied sich für den Wechsel in das Unternehmen, den sie selbst noch keinen Tag bereut hat. Doch was genau bewegt eine PTA aus der Apotheke heraus in die pharmazeutische Industrie zu wechseln? Im Fall von Melanie Prechtl waren es die neuen Aufgabengebiete. Die Frage, welche Türen einer PTA außerhalb der Apotheke offen stehen, wo sie ihre fachlichen Kenntnisse noch einsetzen und diese vor allem erweitern und vertiefen kann. Neue Ziele und neue Herausforderungen haben für sie Priorität.

Weiterbildung für die neue Aufgabe?

Bevor es mit dem neuen Job losging, stand zunächst ein Rundgang im Unternehmen an, in dem sie einen genaueren Einblick in alle Abteilungen erhielt. EurimPharm vertritt hier die Meinung, dass man den Job nur richtig gut machen kann, wenn man auch versteht, woher die Anfragen an die eigene Abteilung aus dem Haus kommen und wie diese entstehen. Diese Firmenphilosophie habe sie von Anfang an nachhaltig beeindruckt, so die PTA. Nach ihrer Einstellung wurde sie intern in ihrer Fachabteilung Qualitätssysteme genau eingeschult und auf ihre Tätigkeiten vorbereitet - eine besondere Weiterbildung war fürs erste nicht notwendig. Der PTA Beruf, den sie erlernt hatte, war bereits eine gute Voraussetzung und die eigentliche Qualifikation für ihren neuen Arbeitsplatz.

Beratung – aber anders

Die Apotheke und damit den direkten Kontakt zu den Kunden vermisst Melanie Prechtl nicht, was wohl auch daran liegt, dass ihr Arbeitsbereich nach wie vor sehr pharmazeutisch geprägt ist. Selbst die Beratung, die einen Großteil des Alltags in der öffentlichen Apotheke einnimmt, kommt an ihrem Arbeitsplatz bei EurimPharm nicht zu kurz. Allerdings unterscheiden sich die Beratungsinhalte. So berät sie heute nicht mehr Kunden von Angesicht zu Angesicht, sondern hat es mit Fragen verschiedenster Art zu tun. In der Qualitätssicherung bekommt sie einerseits Anfragen aus der Produktion, andererseits telefonische Anfragen von Ärzten, Apothekern, Krankenhäusern oder auch einmal von Patienten direkt.

Heute berät sie beispielsweise zu Nebenwirkungen und beantwortet Fragen wie „Hat eine Fertigspritze ein Sicherheitssystem?“ oder „Kann Übelkeit als Nebenwirkung auftreten, weil das Präparat aus Italien kommt?“. Immer wieder treten auch Fragen zur Teilbarkeit auf: „Ist das Produkt für ältere Patienten so anwendbar? Kann man es mörsern und dadurch einem pflegebedürftigem Menschen über die Magensonde implizieren?“. Bei jeder Beratung habe der Patient immer oberste Priorität, betont Melanie Prechtl. „Der Patient soll sich bei uns gut aufgehoben fühlen und muss das erhalten, was für ihn die optimale Lösung ist. Das steht bei uns an erster Stelle.“

Eine oft gestellte Frage betrifft auch die Farbe eines Produkts und lautet zum Beispiel: „Ist die Lösung blau oder ist die Lösung farblos?“. Melanie Prechtl kann hier den Apotheker auf einen eventuellen Farbunterschied der Darreichungsform zum Originalpräparat aus Deutschland hinweisen, was wiederum das Vertrauen des Kunden in das Arzneimittel stärkt.

Neben der Beratung am Telefon kommen bei Melanie Prechtl auch täglich Fragen aus dem eigenen Unternehmen an, beispielsweise zur Arzneimittel-Kennzeichnung. Interne Anfragen erhält sie digital auf ihren PC und kann sie direkt beantworten.

Karriere als PTA

Mittlerweile arbeitet Melanie Prechtl als stellvertretende Herstellungsleiterin, eine Position, in der viele wahrscheinlich einen Akademiker vermuten würden. Bis vor einigen Jahren sah das Arzneimittelgesetz dies auch so vor. Durch eine Änderung ist nun für eine solche Position kein akademischer Abschluss mehr notwendig. Für EurimPharm und vor allem für PTA eine positive Entwicklung. Für PTA ergeben sich so neue Karrieremöglichkeiten, Firmen können sich ihre Führungskräfte selbst ausbilden und an die neuen Aufgaben heranführen. Eva-Maria Fögen, Leiterin der Qualitätssicherung bei EurimPharm, ist genau davon auch überzeugt. Die besten Besetzungen für solche Positionen sind, so Fögen, Mitarbeiter, die man im Haus selbst ausgebildet habe und Stück für Stück an die Position heranführt. „Man fängt klein an, sobald die Arbeitsgebiete beherrscht werden, steigt nach und nach die Selbstständigkeit und die Verantwortung.“ Melanie Prechtl hat diesen Weg mit Bravour eingeschlagen. Sie arbeitet selbstständig, hat aber – wie in der öffentlichen Apotheke auch – immer Rückendeckung von einem Team. So kann sie jederzeit auf Hilfe zurückgreifen und sich auch nach acht Jahren Erfahrung in der öffentlichen Apotheke pharmazeutisch immer weiterentwickeln.

Meinung zum PTA-Beruf

Den PTA-Beruf findet Melanie Prechtl sehr spannend und vielseitig. Man könne sich über die Jahre ein sehr breit gefächertes medizinisch-pharmazeutisches Wissen aneignen und einsetzen. Sie würde ihren Beruf jederzeit empfehlen und wieder denselben Weg einschlagen. Wichtig, um sich weiterzuentwickeln und dauerhaft zufrieden im Beruf zu sein, sei aber, stets an sich selbst zu arbeiten und nicht an einem Punkt stehen zu bleiben. Man müsse seinen Horizont erweitern und auch einmal neue Herausforderungen suchen. Dies hat sie mit ihrem Wechsel zu einem der drei größten Arzneimittelimporteure geschafft. Eine Sackgasse, so Prechtl, ist der Beruf keineswegs. Es komme nur darauf an, was man daraus macht.

Wir bedanken uns bei Melanie Prechtl für das nette Interview und die Einblicke in ihren spannenden Arbeitsalltag. Außerdem sagen wir Danke, EurimPharm, dass wir hinter die Kulissen des Unternehmens schauen durften!

Marc Hugger
Digital Media Manager, PTAheute.de
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Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
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