Therapie der akuten Bronchitis

Handelt es sich um einen Reizhusten, wird ein Antitussivum, also ein Arzneimittel, das den Hustenreiz unterdrückt, eingesetzt. Beim produktiven Husten werden hingegen Expektoranzien bevorzugt. Aber auch eine Kombination der beiden ist denkbar. Dann sollte das Expektorans tagsüber und das Antitussivum zur Nacht angewendet werden, um einen guten und erholsamen Schlaf zu ermöglichen. Die letzte Einnahme des Expektorans erfolgt in diesem Fall am Nachmittag. Die Anwendung eines Antitussivums empfiehlt sich besonders bei nächtlicher Symptomatik und sollte nur kurzfristig erfolgen. Als Antitussivum eingesetzt werden die Arzneistoffe Codein und Noscapin. Als OTC-Arzneimittel sind außerdem Pentoxyverin- und Dextromethorphan- haltige Präparate im Handel. 

Die allgemeinen Therapieoptionen bei einer akuten Bronchitis sind

  • Schleimlösung/ Sekretolytika/Mykolytika
  • Verbesserung des Schleimabtransportes / Sekretomotorika
  • Hustenstiller
  • ß2-Sympathomimetika
  • rationale Phytopharmaka 

Die gebräuchlichsten chemischen Expektoranzien[9] sind Acetylcystein und Ambroxol.

Acetylcystein (ACC) ist ein Derivat der Aminosäure Cystein. Acetylcystein wirkt sekretolytisch und sekretomotorisch im Bereich des Bronchialtraktes. Es wird diskutiert, dass es die verbindenden Disulfidbrücken zwischen den Mukopolysaccharidfasern sprengt und einen depolymerisierenden Effekt auf DNS-Fasern (im eitrigen Schleim) ausübt. Durch diese Mechanismen soll die Viskosität des Schleims herabgesetzt werden. Ein alternativer Mechanismus von Acetylcystein soll auf der Fähigkeit seiner reaktiven SH-Gruppe beruhen, chemische Radikale zu binden und damit zu entgiften. Ferner trägt Acetylcystein zu erhöhter Glutathion-Synthese bei, die für die Detoxifikation von Noxen von Wichtigkeit ist. Dies erklärt seine Wirkung als Gegenmittel bei Paracetamol-Vergiftungen.

Ambroxol regt seröse Drüsenzellen zur Schleimbildung an. Hierdurch kommt es zur Abnahme der Sputumviskosität. Außerdem werden Enzyme aktiviert, die saure Mucopolysaccharide des Bronchialschleims abbauen. Es kommt also zu einer Erhöhung der Surfactantbildung und dadurch zu einer verminderten Adhäsion des Schleims am Bronchialepithel. β2-Sympahomimetika wirken bronchodilataorisch. ß2-Sympathomimetika werden vorwiegend bei schwereren Verlaufsformen mit bronchialer Obstruktion verordnet.

Allen chemischen Therapieoptionen ist folgendes gemein:

  • Sie haben eine begrenzte Anwendungsdauer und wie alle Medikamente ein Nebenwirkunsgrisiko[11]
  • Gefahr von Sekretstau bei gleichzeitiger Einnahme von Antitussiva
  • Die akute Bronchitis wird überwiegend viral ausgelöst. Eine Behandlung mit Antibiotika macht daher keinen Sinn, solange keine bakterielle Superinfektion vorliegt. [7] Dennoch werden vor allem aufgrund der Erwartunghaltung der Patienten, die einen Arzt aufsuchen und deren Fehlinformation (Mythos gelber Auswurf = bakterielle Infektion) Antibiotika immer noch viel zu häufig verordnet. Hier können Sie in der Apotheke aktive Aufklärungsarbeit leisten und zur Vermeidung von Antibiotikaresistenzen beitragen. 

DEGAM-Leitlinie Nr. 11 - HUSTEN

Module:

publiziert: 02/2014, gültig bis: 28.02.2018

DEGAM-Autoren: S. Beck, L. Dini, C. Heintze, F. Holzinger, C. Stöter   

DEGAM-Paten: D. Jobst, G. Schmiemann, G. Egidi, A. Becker, H. Wächtler