Was ist eigentlich das Asperger-Syndrom?

„Anders zu sein ist eine Superkraft.“ Greta Thunberg zu ihrem Asperger-Syndrom.

Bild: New Africa/AdobeStock

„Anders zu sein ist eine Superkraft.“ Diese Aussage sorgte vorige Woche für großes Medienecho. Schließlich stammt sie von der 16-jährigen Greta Thunberg. Mit ihrer Andersartigkeit meint die junge Klimaaktivistin ihr Asperger-Syndrom.

Ein prominenter Fall

Seit die Klimaaktivistin Greta Thunberg von sich reden macht, sorgt auch das Asperger-Syndrom für Gesprächsstoff. Daran leidet die junge Schwedin – oder besser formuliert, es verleiht ihr eine besondere Stärke, wie sie selbst bekennt. Doch was hat es mit dieser Störung überhaupt auf sich?

Form von Autismus

Das Asperger-Syndrom zählt zu den sogenannten Autismus-Spektrum-Störungen. Unter dem Oberbegriff Autismus versteht man grundsätzlich eine komplexe und vielgestaltige neurologische Entwicklungsstörung. Es wird formal unterschieden zwischen dem frühkindlichen Autismus, dem Asperger-Syndrom und dem atypischen Autismus. Allerdings ist die Unterscheidung in der Praxis häufig schwierig, da es Übergänge und auch nur leichte Ausprägungsformen gibt.

Defizite im sozialen Umgang

Das Asperger-Syndrom wird oft als leichtere Form von Autismus betrachtet. So wird es im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus meist erst im Vorschul- oder Schulalter deutlich. Die kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten sind bei Kindern mit Asperger-Syndrom in den ersten drei Lebensjahren unauffällig. Die Betroffenen zeigen außerdem meist keinen Entwicklungsrückstand und haben eine normale Intelligenz. Auffällig ist jedoch ihr Sozialverhalten. Die soziale Kompetenz ist gestört – wenn auch weniger ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus. Asperger-Kinder erkennt man oft beim gemeinsamen Spielen. Hieran zeigen diese Kinder entweder kein Interesse oder sie wollen nach ihren ganz eigenen Regeln spielen, sodass es oft zu Streit kommt.

Stereotype Verhaltensweisen

Später im Leben haben Menschen mit Asperger-Syndrom Schwierigkeiten in der Kommunikation mit anderen. Sie zeigen wenig Interesse für andere und schließen kaum Freundschaften. Sie können schlecht Blickkontakt halten und es fällt ihnen schwer, Emotionen bei anderen wahrzunehmen. Ihnen fehlt die Fähigkeit, Ironie zu verstehen. So nehmen sie jegliche Äußerungen für bare Münze. Menschen mit Asperger-Syndrom zeigen meist weitere Auffälligkeiten, vor allem wiederholte, stereotype Verhaltensweisen. Alltägliche Aufgaben führen sie starr und routiniert aus. Zudem bevorzugen sie es, einen immer gleichen, strukturierten Tagesablauf zu haben. Sie sind dadurch meist sehr unflexibel, was für andere Menschen schwer nachvollziehbar ist. Schwierigkeiten haben die Betroffenen auch mit der eigenen Emotionsregulation, sodass es etwa zu Wutattacken kommen kann. 

Besondere Fähigkeiten

Menschen mit Asperger-Syndrom sind aber keinesfalls nur durch Defizite gekennzeichnet. Das wird ja auch an Greta Thunberg deutlich. Die Betroffenen weisen zumindest in Teilbereichen oft eine besonders hohe Intelligenz auf. Sie fallen zum Beispiel schon im Vorschulalter auf, weil sie sich Zahlen oder bestimmte Daten besonders gut merken können. Komplexen Zusammenhängen gehen sie oft ganz genau auf den Grund und entwickeln spezielle Interessen und Sonderbegabungen. In manchen Berufssparten – insbesondere im IT-Bereich – sind deshalb Erwachsene mit Asperger-Syndrom gefragt. 

Lebenslange Störung

Benannt ist das Asperger-Syndrom nach seinem Erstbeschreiber – dem österreichischen Kinderarzt Hans Asperger (1906–1980). Man geht davon aus, dass pro 1.000 Personen ein bis drei vom Asperger-Syndrom betroffen sind. Über die Ursachen der Störung weiß man noch wenig. Genetische Faktoren spielen eine Rolle, aber auch biologische. Ein höheres Alter der Eltern sowie eine Röteln-Infektion während der Schwangerschaft scheinen das Autismus-Risiko des Kindes zu erhöhen. Ein Asperger-Syndrom bleibt das ganze Leben über bestehen. Durch Förderung im Kindesalter und verhaltenstherapeutische Maßnahmen besteht aber bei manchen Betroffenen die Chance, dass man den Autismus kaum bemerkt.

Asperger-Syndrom in Kürze

  • Form von Autismus, gehört zu den sog. Autismus-Spektrum-Störungen.
  • Gekennzeichnet durch Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion und beim Aufbau von Beziehungen, durch stereotype, wiederholte Verhaltensweisen sowie häufig durch Sonderinteressen.  
  • Im Gegensatz zum frühkindlichen Autismus treten Auffälligkeiten erst im Vorschul- oder Grundschulalter auf. Es kommt in der Regel nicht zu Entwicklungsrückständen.   
  • Die Störung bleibt lebenslang bestehen, kann sich aber abschwächen.  


Quellen: Bundesverband Autismus Deutschland e.V.; DAZ Nr. 51/2018; Neurologen und Psychiater im Netz


Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de