Resistente Keime aus der Trommel?

Forscher aus Bonn konnten resistente Keime in frischgewaschener Wäsche nachweisen. Wie diese in die Waschmaschine gelangten, ist bislang unklar.
Bild: Monkey Business / stock.adobe.com

Dreckige Wäsche rein, saubere Wäsche raus – so erwartet man es von einer handelsüblichen Waschmaschine. Experten aus Bonn haben nun jedoch nachgewiesen, dass über die praktischen Haushaltshelfer auch Antibiotika-resistente Keime übertragen werden können. Einen Grund zur Beunruhigung der Bevölkerung sehen Experten darin aber nicht.

Überraschende Nachrichten für Hygieneliebhaber: Ein Forscherteam der Uniklinik Bonn berichtet im Fachmagazin „Applied and Environmental Microbiology“, dass Antibiotika-resistente Keime über frisch gewaschene Wäsche auf den Menschen übertragen werden können. Dies habe die Forschergruppe erstmals nachgewiesen.

Erstmals im Kinderkrankenhaus nachgewiesen

Konkret belegt haben die Forscher die Übertragung der Erreger in einem Kinderkrankenhaus bei einer handelsüblichen Waschmaschine. Die Erkenntnis gelte auch für den häuslichen Bereich und könne dort für bestimmte Personengruppen Konsequenzen haben. Für gesunde Menschen, die eine normale Waschmaschine verwenden, habe das Ergebnis keine Folgen, sagt Studienleiterin Ricarda Schmithausen der Deutschen Presse-Agentur. Denn: „Für einen normal gesunden Menschen mit einem intakten Immunsystem besteht keine Gefahr durch resistente Erreger, selbst wenn er einen solchen Keim in seinen Schleimhäuten in sich tragen sollte.“

Mögliches Risiko für Immungeschwächte

Ein potenzielles Risiko sehen die Mediziner für empfindliche Personengruppen. Dazu zählen immungeschwächte Menschen, Schwerkranke, Patienten mit chronischen Wunden oder Dauerkatheter, Personen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen sowie neugeborene Säuglinge.

Rätsel um Bakterium in Kinderklinik

In einer Kinderklinik war bei Neugeborenen im Rahmen von Routinetests mehrfach ein Bakterium nachgewiesen worden, das zu Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen bis hin zu einer tödlichen Sepsis führen kann. Ein Antibiotikum hätte gegen den identifizierten Erreger nur eingeschränkt oder gar nicht helfen können. Zu einer Infektion kam es in der Kinderklinik zum Glück nicht.

Bakterien in Türgummi und Spülfach

Gefunden wurden die Bakterien im Spülfach der Waschmaschine sowie im Türgummi, sagt Schmithausen. Über schonend gewaschene Strickmützchen und Söckchen seien diese dann auf die Säuglinge übertragen worden. Wie die Bakterien jedoch in die Maschine gelangen konnten, ist bislang unklar. Denkbar ist, dass sie in der eingefüllten Wäsche steckten oder über den Bediener hineingelangten, etwa wenn dieser sie an den Händen trug.

60 Grad bei Abwehrschwäche

Der Trend, aus Umweltschutz- und Energiespargründen kurz und bei niedrigen Temperaturen zu waschen, könne bei gesundheitlich sensiblen Menschen kontraproduktiv sein. Denn um Keime zu töten, brauche es mindestens 60 Grad, betont Schmithausen. Auch die Zugabe von chemischen Desinfektionsmitteln könne im häuslichen Umfeld sinnvoll sein. Der Schutz immungeschwächter Menschen habe in diesem Fall vor Umweltaspekten Vorrang.

Kein Grund zur Beunruhigung

Hygieniker Christian Brandt hält die Bonner Untersuchung für einen „Meilenstein“. Man habe schon lange vermutet, dass multiresistente Erreger über saubere Wäsche aus der Waschmaschine auf den Menschen übertragen werden – nun sei es tatsächlich bewiesen. „Das Ergebnis ist kein Grund zur Beunruhigung der Bevölkerung. Nur für einen sehr kleinen Personenausschnitt besteht potenziell ein gewisses Risiko“, betont der Direktor des Instituts für Hygiene der Vivantes Kliniken in Berlin.

Brandt stellt klar: „Es gibt tausend Möglichkeiten, sich zuhause mit den Bakterien seiner Mitbewohner zu kolonisieren, über die Dusche, das gemeinsame Klo, die Waschmaschine oder ein versehentlich vertauschtes Handtuch. Aber nur für eine extrem sensible Personengruppe könnte das ein Risiko bedeuten.“

Hohe Temperaturen, Trockner und Bügeleisen

Bakterien tummeln sich überall und alle Menschen sind von ihnen besiedelt. Sie gehen in Trockenheit schnell zugrunde, gedeihen in Feuchtigkeit jedoch prächtig. Hohe Waschtemperaturen, Wäschetrockner und Bügeleisen gelten als Bakterien-Killer.

Brandt geht davon aus, dass im privaten Bereich nur in höchst seltenen Fällen eine Gefahr durch Erreger aus Waschmaschinen zu befürchten ist. Allerdings: „Leider sind viele Kleidungsstücke heute nicht mehr bei 60 Grad waschbar, ein möglicher Unsicherheitsfaktor.“ Selbst wenn man bei 60 Grad wasche, werde diese Temperatur in herkömmlichen Maschinen an Stellen wie Schublade, Pumpe oder Tür oft nicht erreicht, Erreger könnten dort eventuell überleben.

In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen werde seit Jahrzehnten ein hoher Qualitätsanspruch an Waschverfahren für Kliniktextilien gelegt, schildert der Hygiene-Experte. Dort werde mit desinfizierenden Waschmitteln und hohen Temperaturen gewaschen.

Quelle: dpa/sn