Aufgepasst beim Badespaß!

Beratungswissen für die Reisezeit

Auch in klaren Gewässern kann eine Infektionsgefahr lauern.
Bild: Robert Kneschke/AdobeStock.com

 Heimische Seen, Flüsse und Meeresstrände stehen in dieser Urlaubssaison besonders hoch im Kurs. Die meisten dieser Badegewässer locken mit einer hohen Wasserqualität. Dennoch stören immer mal wieder kleine Übeltäter die Badefreude. Einige Hinweise gilt es deshalb beim Baden in der Natur zu beachten.

Seit vielen Jahren ist die Qualität ausgewiesener Badegewässer in Deutschland auf hohem Niveau. Rund 93 Prozent erfüllten in der Saison 2019 sogar höchste Anforderungen: Sie wurden von der EU-Kommission mit „ausgezeichnet“ bewertet (zur Qualität deutscher Badegewässer: umweltbundesamt.de). Auch europäische Badegewässer können zunehmend mit dieser Bestnote aufwarten. Der Anteil mit „ausgezeichneter“ Qualität lag im vergangenen Jahr bei circa 85 Prozent (zur Qualität europäischer Badegewässer: www.eea.europa.eu). Geprüft werden allerdings nur ausgewiesene Badestellen. Und anders als Schwimmbäder unterliegen alle natürlichen Badegewässer vielfältigen Umwelteinflüssen – mit manchmal unangenehmen Folgen.

Unkontrollierte Einschwemmungen

Während der Badesaison wird die Wasserqualität gemäß EG-Badegewässerrichtlinie regelmäßig von den zuständigen Landesbehörden untersucht. Hierbei stehen E. coli sowie intestinale Enterokokken im Fokus. Sie gelten als Indikatorbakterien für eine mögliche Verunreinigung mit Fäkalien. Dann könnten auch pathogene Keime ins Wasser gelangt sein. Ein mikrobieller Eintrag kann zum Beispiel aus Kläranlagen oder vom Oberflächenabfluss landwirtschaftlicher Flächen stammen. Vor allem nach Starkregenfällen ist die Gefahr erhöht, dass fäkale Verunreinigungen und somit Krankheitserreger im Badegewässer vorkommen. Dann sollte man mit dem Baden eher zurückhaltend sein. Auch in klaren Gewässern kann eine Infektionsgefahr lauern.

Unerwünschte „Blüte“

Ein anderes Gesundheitsrisiko in Naturgewässern gibt sich meist gut zu erkennen: die sogenannte Algenblüte. Hierbei handelt es sich um eine rasche Massenvermehrung von Cyanobakterien, landläufig auch als „Blaualgen“ bezeichnet. Das Wasser ist dann trüb und grün-blau verfärbt, manchmal bilden sich sogar dichte grüne „Teppiche“ im Oberflächenwasser. Die „Algenblüte“ entsteht ausgerechnet bei herrlichstem Badewetter. Denn Cyanobakterien vermehren sich bei anhaltend hohen Temperaturen. Dies geschieht in nährstoffreichen (eutrophen) Gewässern mit einem Überangebot an Phosphor und Stickstoff – sowohl im Süßwasser als auch in der Ostsee. Cyanobakterien sind einer der häufigsten Gründe für befristete Badeverbote.

Gefährliche Toxine

Ein Teil der Cyanobakterien bildet Toxine wie die hepatotoxischen Microcystine. Sie können schon bei direktem Kontakt Symptome hervorrufen wie Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündung oder Ohrenschmerzen. Insbesondere wenn kontaminiertes Wasser verschluckt wird, sind auch schwerwiegendere gesundheitliche Beeinträchtigungen möglich. Dazu gehören Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sowie Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen. Treten solche Symptome auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Um den Risiken aber möglichst aus dem Weg zu gehen, sollte man Badestellen mit blaugrünen Schlieren und auftreibendem Algenmaterial meiden. Ein guter Anhaltspunkt: Wer bis zu den Knien in grün gefärbtem Wasser steht und die Füße nicht mehr sehen kann, badet dort besser nicht.

Vorsicht Vibrionen!

An Badestellen an Ost- und Nordsee besteht eine – wenn auch seltene – Infektionsgefahr mit Vibrionen. Das natürlicherweise in Salz- und Brackwasser vorkommende Bakterium Vibrio vulnificus kann sich bei hohen Wassertemperaturen (mehr als 20 Grad) deutlich vermehren. Besonders gefährdet sind Personen mit offenen Wunden. Sie können schwere Wundinfektionen erleiden. Auch wenn jährlich nur Einzelfälle dokumentiert werden – bei offenen oder schlecht heilenden Wunden heißt es, den Kontakt mit sommerwarmem Meerwasser zu vermeiden.

Lästige Larven

Eine harmlose, jedoch häufige und lästige Folge vom Aufenthalt in Naturgewässern ist die Badedermatitis. Übeltäter sind Gabelschwanzlarven (Zerkarien) von Saugwürmern. Wasserschnecken geben sie in großer Zahl ins Wasser ab. Normalerweise dringen die Zerkarien in Enten oder andere Wasservögel ein, um sich zum erwachsenen Wurm zu entwickeln. Die Zerkarien können aber auch in die menschliche Haut eindringen. Hier sterben sie jedoch bald ab, was eine stark juckende Hautreaktion auslöst. Die Badedermatitis heilt von selbst ab. In schweren Fällen können jedoch juckreizlindernde Topika oder orale Antihistaminika angezeigt sein.

Gut abrubbeln

Eine Badedermatitis ist kein Zeichen für schlechte Wasserqualität, sondern ein natürliches Phänomen. Um jedoch das Risiko eines Zerkarien-Kontakts zu reduzieren, ist es ratsam, flache und pflanzenreiche Uferbereich zu meiden. Dort leben die Wasserschnecken. Wasserabweisende Sonnencremes erschweren außerdem das Eindringen der Zerkarien. Ganz wichtig: Nach dem Schwimmen Badekleidung schnell wechseln und den Körper gründlich mit dem Handtuch abreiben.

Coronaviren im Wasser?

Während der COVID-19-Pandemie interessiert natürlich auch die Frage, ob beim Schwimmen in Badeseen die Gefahr einer Ansteckung mit Coronaviren besteht. Das Umweltbundesamt schätzt dieses Risiko als gering ein. In Badegewässern seien keine relevanten Konzentrationen an SARS-CoV-2 zu erwarten. Selbst nach einem Eintrag durch infizierte Personen würden die Viren im Wasser stark verdünnt. Grundsätzlich sollten aber Personen, die an einem akuten Atemwegsinfekt oder einer Durchfallerkrankung leiden, nicht baden gehen.

Quellen: Umweltbundesamt; Europäische Umweltagentur (EEA); Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg; Niedersächsisches Landesgesundheitsamt