Anklage gegen Heilpraktiker: Überdosierte Infusionslösung tötete drei Menschen

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Nachdem im Juli letzten Jahres drei Krebspatienten nach der Behandlung mit 3-Brompyruvat verstarben, hat die Staatsanwaltschaft Krefeld nun Anklage gegen den Heilpraktiker einer alternativen Krebs-Praxis im nord­rhein-west­fä­lischen Brüggen erhoben – unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Er soll den Schwerkranken eine erheblich überdosierte Infusionslösung verabreicht haben.

Den Ermittlungen zufolge hatte der 61-Jährige für die Herstellung der Infusion eine ungeeignete Waage benutzt. Dadurch habe er den Wirkstoff um das Drei- bis Sechsfache zu hoch dosiert. Zwei Frauen und ein Mann starben.

Anwendung von 3-BP nicht verboten, aber besondere Sorgfalt erforderlich

Neben fahrlässiger Tötung in drei Fällen wirft die Staatsanwaltschaft dem Heilpraktiker auch Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen vor. Der Heilpraktiker mit Praxis in Brüggen hatte Krebspatienten mit dem experimentellen Wirkstoff 3-Brompyruvat (3-BP) behandelt. Dieser ist bislang nicht als Arzneimittel zugelassen, eine Anwendung ist aber nicht grundsätzlich verboten. Allerdings sei bei der Verabreichung besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits bei einer geringen Überdosierung schwere oder sogar tödliche Nebenwirkungen zu erwarten seien. 3-BP greife den Zellstoffwechsel und die Zellatmung an, so dass Gehirnzellen abstürben. Dies habe zum Tod der drei Patienten geführt, erläuterte die Staatsanwaltschaft.

Apotheken sollten gemeinsam mit Arzt Nutzen/Risiko-Bewertung vornehmen

Bereits im letzten Jahr hatten die Todesfälle in Brüggen für Aufsehen gesorgt. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) warnte Apotheken vor der Substanz 3-Brompyruvat und stellte Empfehlungen zusammen, wie Apotheker mit der Substanz umgehen sollten. Sie riet von der Abgabe ohne ärztliche Verschreibung und von der defekturmäßigen Herstellung dringend ab. Im Falle einer Verordnung, solle sich die Apotheke beim Arzt über die Hintergründe informieren und ihm ihre Vorbehalte, möglichst mit Literaturbelegen, erläutern. Die Ergebnisse einer gemeinsam mit dem Arzt durchgeführten Nutzen/Risiko-Analyse solle die Apotheke unbedingt dokumentieren.