Auf Stammzellsuche in der Offizin: Eine Apotheke als Typisierungsstandort

Apotheker Stefan Stübler bietet den Wangenabstrich zur Stammzellypisierung in seiner Apotheke in Bad Krozingen an. | Bild: Bad-Apotheke Bad Krotzingen

Alle 16 Minuten erhält ein Mensch in Deutschland die niederschmetternde Diagnose Blutkrebs. Viele Patienten sind Kinder und Jugendliche, deren einzige Chance auf Heilung eine Stammzellspende ist. Nur knapp ein Drittel der Kranken finden innerhalb der Verwandtschaft einen Spender, für die anderen wird international nach einem passenden Spender gesucht. Der Bad Krozinger Apotheker Stefan Stübler beispielsweise bietet den Wangenabstrich zur Stammzellypisierung in seinen Apotheken an und unterstützt die Freiburger Stammzelldatei.

Wie funktioniert eine Stammzellspende?

Um als Spender in Frage zu kommen, müssen sich Interessierte typisieren lassen. Das heißt: Eine Gewebeprobe von ihnen wird auf zehn Merkmale hin untersucht und mit diesen katalogisiert. In Südbaden geht das am Tumorzentrum der Freiburger Uniklinik, wo die Freiburger Stammzelldatei angesiedelt ist. Für die Typisierung wird Blut abgenommen oder mit einem Wattestäbchen ein Abstrich gemacht. Einen solchen Abstrich bietet Apotheker Stefan Stübler auch in seinen Apotheken an. Hierfür ließ er einige seiner Mitarbeiterinnen für die Stammzelltypisierung ausbilden. So müssen potenzielle Spender aus der Umgebung nicht den Weg in die Freiburger Uniklinik auf sich nehmen und dennoch entsteht ein persönlicher Kontakt. Die Wahrscheinlichkeit, nach der Typisierung tatsächlich als Spender angefragt zu werden, ist gering – sie betrage etwa ein Prozent im ersten Jahr, so die DKMS.

Knochenmarkspende? Ist das gefährlich?

Knochenmarktransplantation, Stammzellenspende – das klingt nach Nadeln und Schmerzen. Vielleicht hält das viele davon ab, sich typisieren zu lassen. Dabei ist die Entnahme der Stammzellen meist unkompliziert.
Aus einer Stammzelle können sowohl rote als auch alle Arten von weißen Blutkörperchen gebildet werden. Blutstammzellen können durch eine Entnahme von Knochenmark oder durch Aufreinigung aus dem Blut (periphere Blutstammzelltransplantation) gewonnen werden. In 80 bis 90 Prozent der Fälle wird dem Spender nach einer positiven Typisierung Blut entnommen.

Ähnlich einer Dialyse

Eine Stammzellspende über eine sogenannte Apharese (umgangssprachlich Blutwäsche) funktioniert ähnlich wie eine Dialyse bei Patienten mit Nierenerkrankungen. Der Spender wird an ein Gerät angeschlossen, das permanent Blut abnimmt. Dieses Blut wird dann zentrifugiert, die Stammzellen werden abgetrennt und aufgefangen. Der Rest des Blutes fließt schließlich über einen weiteren venösen Zugang wieder zurück in den Körper. Das dauert im Durchschnitt etwa vier bis fünf Stunden, in einigen Fällen ist eine zweite Entnahme am nächsten Tag notwendig, um ausreichend Stammzellen zu gewinnen. Man ist im Anschluss einen, höchstens zwei Tage krankgeschrieben. Die Vereine für Knochenmark- und Stammzellspenden und die Krankenkassen übernehmen alle Kosten, auch den Lohnausfall. Grundlegende Informationen zur Stammzellspende finden Sie auch bei der DKMS.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Einige Tage vor der Apharese wird dem Stammzellspender der Wachstumsfaktor G-CSF (z. B. Neupogen®, Filgrastim Hexal) gespritzt, der die Zellteilung anregt, damit vermehrt Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen. Nach der Gabe der Spritzen kann es zu grippeartigen Beschwerden kommen und es können Knochen- oder Muskelschmerzen auftreten, ebenso wie Magen-Darm-Probleme.

Selten: Knochenmarktransplantation unter Vollnarkose

Bei einer Knochenmarktransplantation, die wesentlich seltener vorkommt, werden unter Vollnarkose bis zu 1,5 Liter Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Dabei handelt es sich um einen kleinen operativen Eingriff, nach dem der Patient normalerweise noch eine Nacht im Krankenhaus verbringt. Nach etwa zwei bis vier Wochen hat sich das Knochenmark des Spenders in der Regel regeneriert. Wie lange der Spender krankgeschrieben ist, hängt von der Genesung ab. Auch hier tragen Vereine wie die DKMS alle Kosten und kommen für den Lohnausfall auf.

Grundlegende Informationen zur Stammzellspende finden Sie auch bei der DKMS.

So wird eine Apotheke Typisierungsstandort

  • Nehmen Sie Kontakt mit einem Verein / einer der 26 Spenderdateien auf
  • Führen Sie eine interne Teamschulung zum Thema Leukämie / Knochenmarkspende durch: Informationsmaterial und Unterlagen bekommen Sie beispielsweise bei der DKMS oder dem ZKRD Zentrales Knochenmarkspender-Register
  • Planen Sie eine Aktion / einen Aktionstag (Schaufensterdeko, Flyer, Facebook, Instagram, Apotheken-Website)
  • Wecken Sie Aufmerksamkeit, indem Sie sich beispielsweise an die Lokalpresse wenden
  • Fragen Sie Bekannte / Freunde / Vereine, ob Sie beispielsweise Kuchen oder Getränke zur Verfügung stellen, um die Spender bei Typisierungsaktionen zu versorgen

Wer kann wem Stammzellen spenden?

Bei einer Spende kommt es nicht auf die Übereinstimmung der Blutgruppen an, andere Merkmale sind viel wichtiger. Das humane Leukozytenantigen-System, kurz HLA-System, ermöglicht die Bestimmung von Gewebemerkmalen. Dabei wird die Oberflächenstruktur von Körperzellen kategorisiert, denn anhand dieser Strukturen unterscheidet man das Immunsystem von Menschen. Bei einer Stammzell- oder Knochenmarkspende ist es wichtig, dass möglichst viele dieser Merkmale übereinstimmen, damit es nicht zu einer Abstoßungsreaktion kommt. Die perfekte Übereinstimmung findet sich bei eineiigen Zwillingen. Je nach Erfolg der Suche stimmen neun oder zehn, manchmal aber auch nur acht Merkmale überein. Jüngere Spender werden bevorzugt, ebenso wie Frauen, die noch keine Kinder haben.

Was ist Leukämie?

Patienten, die auf eine Stammzellspende angewiesen sind, leiden häufig an Blutkrebs. Darunter versteht man bösartige Knochenmarkserkrankungen sowie Erkrankungen des blutbildenden Systems, zu denen unter anderem Leukämien zählen. Bei Leukämien wird eine genetisch veränderte Zelle durch die Abwehrmechanismen des Körpers nicht entdeckt und kann sich daher unkontrolliert vermehren. Das führt zur Bildung defekter weißer Blutkörperchen, welche sich im Knochenmark ausbreiten und dort die intakten Zellen verdrängen. Betroffene Patienten fühlen sich oft schlapp, werden häufig von Infekten geplagt, sind blass und verlieren ungewollt an Körpergewicht. Bei einer Blutuntersuchung zeigt sich, dass die Zahl der Leukozyten, der weißen Blutkörperchen, verändert ist. In der Folge werden weitere Untersuchungen durchgeführt und im schlimmsten Fall steht am Ende die Diagnose Leukämie.

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
onlineredaktion@ptaheute.de