Die Noroviren-Saison hat begonnen: Das sollten PTA wissen

Winterzeit ist Noroviren-Zeit. Wie kann man vorbeugen und welche Maßnahmen zur Behandlung kommen infrage? | Bild: Med Photo Studio / AdobeStock

Hände waschen oder doch desinfizieren? Und wenn ja, mit welchem Desinfektionsmittel? Pünktlich zur kalten Jahreszeit lesen Ihre Kunden in der Apothekenzeitschrift My Life, was im Ansteckungsfall mit Noroviren zu tun ist und wie man diesen vorbeugen kann. Wir haben für Sie hier die wichtigsten Tipps und (Rehydratations-)Maßnahmen zusammengefasst.

Neben der Influenza ist sie die am häufigsten gemeldete Infektion in Deutschland: die Norovirus-Gastroenteritis. Die meisten Erkrankungen treten im Winter auf. Vor Ansteckung schützt man sich am wirksamsten mit einer einfachen Maßnahme: häufiges, sorgfältiges Händewaschen.

Die meisten Erkrankungen im Winter

Im vergangenen Jahr wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) 77.583 Fälle von Norovirus-Brechdurchfall gemeldet, vor allem während der Wintermonate. Dabei umfasst diese Zahl nur jene Fälle, bei denen das Virus labordiagnostisch nachgewiesen wurde. Die tatsächlichen Fallzahlen dürften um ein Vielfaches höher liegen, schätzt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Dass das hoch ansteckende Norovirus vor allem in der Wintersaison grassiert, liegt laut RKI vor allem an den niedrigen Temperaturen und der trockenen Luft, die zu dieser Jahreszeit vorherrschen. In diesem Klima sind die Erreger der Magen-Darm-Krankheit stabiler. Außerdem ist das menschliche Immunsystem im Winter weniger schlagkräftig als im Sommer.

Die richtige Händehygiene ist maßgeblich

Mit dem Norovirus steckt man sich zum einen durch direkten Kontakt mit einem Erkrankten an. Zum anderen kann das Virus auch indirekt, über kontaminierte Oberflächen, übertragen werden. Am häufigsten geschieht das über Türgriffe, Ablageflächen oder Waschbecken, die ein Erkrankter berührt hat. Dabei sind Noroviren sehr widerstandsfähig und können mehrere Tage auf den Oberflächen überleben. Die wichtigste Maßnahme, um das Ansteckungsrisiko zu verringern, ist häufiges und gründliches Händewaschen mit heißem Wasser und Seife.

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In der ersten November-Ausgabe der Apothekenzeitschrift My Life erfahren Apothekenkunden, was im Ansteckungsfall mit Noroviren zu tun ist und wie man diesen vorbeugen kann. Hier finden Sie den Artikel als PDF zum Download.

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Die Seiten wurden uns freundlicherweise von der my life media GmbH & Co. KG zur Verfügung gestellt.

Welches Händedesinfektionsmittel bei Noroviren

Hände gelten als Hauptübertragungsweg von Noroviren. Deshalb spielt neben der Basisreinigung der Hände mit Seife und Wasser auch die hygienische Händedesinfektion eine große Rolle – sowohl beim Auftreten von Noroviren als auch als präventive Maßnahme in der Risikozeit zwischen November und April. Für eine zuverlässige Wirkung der Händedesinfektion sind die richtige Einreibemethode und der Einsatz eines geeigneten Hände-Desinfektionsmittels entscheidend. Das Robert Koch-Institut empfiehlt zur Inaktivierung von Noroviren im Routinefall, also für die Anwendung zuhause, die Nutzung von Mitteln wie beispielsweise Sterillium® med, Desderman® pure, Promanum® pure oder Softa-Man®, die begrenzt viruzid wirken. Im Ausbruchsfall, beispielsweise in Einrichtungen wie Seniorenheimen oder Kindertagesstätten wird die Anwendung von Mitteln für den Wirkungsbereich A und B (Viruzidie) wie Aseptoman® viral, Virusept® Monorapid Synergy, Sterillium® Virugard oder Softa-Man® acute empfohlen.

Wichtigste Maßnahme bei Durchfall und Erbrechen: Orale Rehydratation

Erkranken Kinder unter fünf Jahren oder ältere Menschen am Norovirus-Brechdurchfall, ist der Verlauf häufig schwer. Wenn Angehörige feststellen, dass sich der Allgemeinzustand eines Patienten deutlich verschlechtert, sollten sie medizinische Hilfe suchen.

Gerade bei Kindern und Älteren können die Flüssigkeitsmenge und die Menge der Salze, die der Körper bei Erbrechen und gleichzeitigem Durchfall verliert, enorm sein. Je jünger das Kind bzw. je älter der Senior, umso größer ist das Risiko, dass sich durch Wasser- und Elektrolytverluste eine Dehydratation entwickelt. Eine gewisse Zeit kann der Körper diesen Verlust ausgleichen, indem er dem Zellinneren Flüssigkeit entzieht, um so das zirkulierende Blutvolumen konstant zu halten. Langfristig droht der Patient jedoch auszutrocknen. Dem Ausgleich dieses Salz- und Flüssigkeitsverlustes kommt bei Brechdurchfällen somit die größte Bedeutung zu. Meist sind bei Diarrhöen zwar die Ausscheidungsprozesse im Darm gestört, die Resorption funktioniert jedoch, sodass durch Gabe von Elektrolyten und Flüssigkeit das Defizit ersetzt werden kann.

Zubereitungs- und Beratungshinweise

Orale Rehydratationslösungen gibt es als Fertigarzneimittel (z. B. Elotrans®, Oralpädon®, Saltadol®) und sie können auch als Pulvermischung selbst hergestellt werden. Ihre wichtigsten Bestandteile sind Natrium, Kalium, Glucose und Citrat. Da die Natriumaufnahme von der Glucose abhängig ist, sollte auf die gleichzeitige Einnahme von Natrium und Glucose geachtet werden. Das Wasser wird in der Folge osmotisch nachgezogen. Die Bestandteile Kalium und Citrat sollen hohen Kaliumverlusten und der durchfallbedingten Gefahr einer metabolischen Acidose vorbeugen. Aristo Pharma hat für Durchfallpatienten die Saltadol® Glucose-Elektrolyt-Mischung im Portfolio. Das Besondere: Die Glucose-Elektrolyt-Mischung ist das einzige Produkt mit der 1 : 1-Zusammensetzung und der Gesamtosmolarität nach aktueller WHO-Empfehlung im deutschen Markt.

Orale Rehydrationslösung WHO

Die WHO empfiehlt folgende Zusammensetzung für einen Liter Wasser:

  • 13,5 g Glucose
  • 2,9 g Natriumcitrat
  • 2,6 g Natriumchlorid
  • 1,5 g Kaliumchlorid

Im Gegensatz zu älteren Rezepturen wurde die Glukosekonzentration etwas reduziert. Weiterhin wird seit 1984 die Verwendung von Natriumcitrat statt Natriumhydrogencarbonat empfohlen, um die Stabilität der Lösung in tropischen Gegenden zu erhöhen.

Elektrolyte und Lactobazillen als Kombi

InfectoDiarrstop® LGG® ist ein Kombinationspräparat aus Elektrolyten und Bakterien und als Doppelkammerbeutel gestaltet. Ein Beutel enthält die Elektrolyte Natrium und Kalium, zusätzlich Glukose und Citrat. Im zweiten Beutel sind gefriergetrocknete, lebensfähige Lactobacillen (Lactobacillus rhamnosus GG). Als natürliche Bewohner der menschlichen Darmflora sollen sie die Anheftung krankmachender Keime an die Darmschleimhaut verhindern. Wegen der enthaltenen Bakterien muss InfectoDiarrstop® LGG® im Kühlschrank gelagert werden. Auch hier wird das Pulver beider Beutel in Trinkwasser oder frisch abgekochtem, aber abgekühltem Wasser suspendiert. Fruchtsäfte, Tee oder heiße Getränke sind tabu, da diese die Lebensfähigkeit der Bakterien einschränken können. Im Beratungsgespräch können Sie die Eltern darauf hinweisen, dass Schwebstoffe nach der Zubereitung im Glas normal sind und die zubereitete Suspension natürlicherweise trüb ist. Wie bei den reinen Elektrolytmischungen sollte die Suspension möglichst unmittelbar vor Gebrauch zubereitet und die nicht sofort getrunkene Menge im Kühlschrank für höchstens 24 Stunden aufbewahrt werden.

Ein bisschen aufpassen müssen PTA und Apotheker bei InfectoDiarrstop® LGG®. Denn Infectopharm hat noch ein weiteres InfectoDiarrstop im Sortiment: InfectoDiarrstop® LGG® mono. Dieses dient nicht der oralen Rehydratation. Das Arzneimittel enthält ausschließlich Lactobacillen und eignet sich somit nicht als alleinige Maßnahme zum Ausgleich von Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlusten.

Tricks zur Verabreichung

Erdbeere, Apfel-Banane oder Kirsch? Oder vielleicht doch am besten geschmacksneutral? Eltern fällt diese Entscheidung in der Apotheke häufig schwer. Was akzeptiert das kranke Kind oder der kranke Senior bei Übelkeit – und wahrscheinlich Appetitlosigkeit – noch am ehesten? Die Erfahrung zeigt, dass ein bisschen Geschmack tatsächlich hilft und Kinder damit besser zurechtkommen. Erwachsene bevorzugen oft die geschmacksneutralen Varianten. Außerdem steigt die Akzeptanz, wenn die Lösungen nur leicht gekühlt sind oder Raumtemperatur haben.

Zur „Dosierung“ eignet sich am besten ein Teelöffel. Begonnen wird mit alle ein bis zwei Minuten einem Teelöffel. Erst wenn dies problemlos vertragen wird, können langsam die Mengen gesteigert werden.

Möglichst separate Toilette benutzen und lieber länger zuhause bleiben

Erkrankte sollten den Kontakt zu anderen Menschen so weit wie möglich meiden. Im Idealfall nutzen sie auch separate Toiletten, auf jeden Fall aber eigene Handtücher und Hygieneartikel. Toilette, Waschbecken, Türgriffe und Böden sollten regelmäßig – am besten mit Einwegtüchern, die dann in der Toilette entsorgt werden – gereinigt werden. Wasser und gängige Reinigungsmittel können aber ebenso verwendet werden. Dann sollten die Putzlappen aber möglichst sofort heiß gewaschen werden. Wichtig ist es auch, Bettwäsche, Kleidung und Handtücher bei höchstmöglichen Temperaturen zu waschen.

Auch wenn die Erkrankungssymptome vorbei sind, scheiden Betroffene das Virus noch mehrere Wochen lang mit dem Stuhl aus. Es heißt deshalb, auf besondere Hand- und Toilettenhygiene zu achten und nicht zu früh wieder in den Alltag zu starten. Die Experten der DGVS empfehlen, dass Erkrankte nach Abklingen der Symptome noch mindestens zwei Tage zu Hause bleiben sollten.

Cornelia Neth
PTA, Chefredakteurin PTAheute.de, Leitung der Online-Redaktion
onlineredaktion@ptaheute.de

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