Traubensilberkerze – für die hormonelle Balance

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Nur wenige Heilmittel der Indianer haben Eingang in die moderne Phytotherapie gefunden. Der Wurzelstock der Traubensilberkerze ist sicher der bedeutendste Vertreter unter ihnen. Für Cimicifugae rhizoma konnte die pharmakologische Forschung erstaunliche Wirkungen nachweisen. Die Droge ist daher als sanfte Alternative zur Hormontherapie anerkannt.

Stattlich und dekorativ

Die Amerikanische Traubensilberkerze (Actaea racemosa = Cimicifuga racemosa) ist in den nordöstlichen USA und in Kanada zu Hause. Das mehrjährige Hahnenfußgewächs (Ranunculaceae) ist eine äußerst stattliche und attraktive Erscheinung: An bis zu zwei Meter hohen Stängeln stehen endständig lange, kerzenartige Blütentrauben. Sie bestehen jeweils aus vielen kleinen hellweißen Blüten. Aus den Blüten ragen die Staubfäden deutlich heraus. Dadurch erscheint der Blütenstand silbrig. Wegen ihres dekorativen Aussehens wird die Traubensilberkerze manchmal in Parks und Gärten angepflanzt.

Ziemlich abstoßend

Die schmucke Staude hat allerdings auch eine unangenehme Eigenschaft: Ihren Blüten entströmt ein abstoßender Geruch. Damit hält sich die Traubensilberkerze schädliche Insekten vom Leib, unter anderem Blattwanzen. Diese Fähigkeit trug der Pflanze den lateinischen Gattungsnamen Cimicifuga ein. Er setzt sich nämlich aus „cimex“ (= Wanze) und „fuga“ (= Flucht) zusammen. Im Deutschen wird die Pflanze auch als „Wanzenkraut“ bezeichnet.

Cimicifuga-Wurzelstock: bedeutendes Indianermittel

Andere Pflanzenteile der Traubensilberkerze riechen ebenfalls unangenehm, so auch das bis zu 15 Zentimeter lange und zwei Zentimeter dicke Rhizom. Es stellt den therapeutisch relevanten Pflanzenteil dar. Schon bei den nordamerikanischen Indianern galt der Cimicifuga-Wurzelstock als heilkräftig, zum Beispiel um Schlangenbisse zu behandeln. Außerdem finden sich bereits Hinweise auf die Eignung als Mittel für die Frauengesundheit. So setzten die Indianer den Wurzelstock von Cimicifuga racemosa zur Geburtserleichterung ein.

Gegen Hitzewallungen und Co.

In der europäischen Phytotherapie ist Cimicifugae rhizoma ein anerkanntes Mittel zur Behandlung klimakterischer Beschwerden. Während der Wechseljahre machen die hormonellen Veränderungen vielen Frauen zu schaffen. Zurückgehende Östrogen-Produktion und stärkere Sekretion von Luteinisierendem Hormon (LH) sind dafür verantwortlich. Sie können ein hormonelles Ungleichgewicht verursachen und Beschwerden wie Hitzewallungen und übermäßiges Schwitzen sowie Schlafstörungen und Reizbarkeit nach sich ziehen. Der hormonellen Dysbalance scheinen Zubereitungen aus dem Cimicifuga-Wurzelstock entgegenzuwirken. In mehreren Studien konnten klimakterische Beschwerden damit gebessert werden.

Teilweise östrogenartige und zentralnervöse Wirkung

Als wirksamkeitsrelevant gilt ein Gemisch aus verschiedenen Triterpenglykosiden wie Actein, Cimicifugosid, Cimiracemosid u.a. Aus Laboruntersuchungen hat man abgeleitet, dass diese Inhaltsstoffe als sogenannte Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) wirken. Das bedeutet, dass die Substanzen an Östrogen-Rezeptoren binden und dadurch einige östrogenähnliche Wirkungen hervorrufen, andere Östrogen-Wirkungen jedoch unterdrücken. Deshalb bergen SERM nach gegenwärtiger Erkenntnis auch nicht die typischen Risiken einer Hormonbehandlung wie etwa erhöhte Brustkrebsgefahr.

Des Weiteren gibt es Hinweise darauf, dass der isopropanolische Cimicifuga-racemosa-Spezialextrakt (iCR) an zentralnervöse Rezeptoren bindet, z.B. in den Regulationszentren für Körpertemperatur und Stimmungslage im Hypothalamus. So lindert es neurovegetative Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Erröten ebenso wie psychische Beschwerden.

Am besten Extraktpräparate

Um eine Wirksamkeit zu erzielen, wird eine tägliche Dosis von 40 mg Droge empfohlen. Standardisierte Trockenextrakte aus Cimicifuga-Wurzelstock eignen sich deshalb am besten für die Behandlung. Entsprechende Fertigarzneimittel stehen in großer Zahl zur Verfügung (z.B. Cimicifuga STADA®, Feminon®C, Klimadynon®, Natufem®). Das iCR-Spezialextrakt, das von allen Extrakten den besten Studienhintergrund aufweist, findet sich in den Produkten Remifemin® und Remifemin® plus. Cimicifuga-Präparate gelten überwiegend als unbedenkliche Alternative zu einer Hormon-Behandlung.

Was die Kundin wissen sollte

Gewisse Anwendungshinweise gilt es bei Cimicifuga-Präparaten jedoch zu beachten. So ist mit einer spürbaren Wirkung erst nach ungefähr zwei bis vier Wochen zu rechnen. Aufgrund theoretischer Sicherheitsüberlegungen sollte die Einnahme nicht länger als sechs Monate erfolgen. Patientinnen mit Brustkrebs (auch in der Vorgeschichte) sollten Cimicifuga-Präparate nur nach ärztlichem Rat einnehmen. Gleiches gilt bei einer Leberschädigung sowie bei gleichzeitiger Hormon-Behandlung.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de