Update: FSME-Impfung

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Die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) war im vergangenen Jahr deutlich auf dem Vormarsch. So wurden in 2018 überdurchschnittlich viele Erkrankungsfälle in Deutschland gemeldet. Außerdem kamen neue Risikogebiete hinzu, wobei auch ein Sprung nach Norden stattfand. Damit die Erkrankungszahl in diesem Jahr möglichst niedriger ausfällt, kann man auch in der Apothekenberatung aktiv werden – durch das Angebot wirksamer Repellents und mit Verhaltenstipps. Den sichersten Schutz bietet allerdings die FSME-Impfprophylaxe.

Wo es am gefährlichsten ist

Nach wie vor besteht vor allem in Baden-Württemberg und Bayern ein Risiko für eine Infektion mit dem durch Zecken übertragenen FSME-Virus. So sind in diesen Bundesländern nur noch wenige Kreise keine FSME-Risikogebiete (in Baden-Württemberg der Stadtkreis Heilbronn, in Bayern die Stadtkreise Augsburg, München, Schweinfurt und die Landkreise Dillingen a.d. Donau und Fürstenfeldbruck). Aktuell sind in ganz Deutschland 161 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Dazu gehören auch Risikogebiete in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen (Marburg-Biedenkopf), im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis) und in Rheinland-Pfalz (Birkenfeld). In 2019 kommt nun als erster Kreis in Niedersachsen der Landkreis Emsland zu den Risikogebieten hinzu. Er ist damit das nördlichste deutsche Risikogebiet.

Jede 100. Zecke

Hauptüberträger des FSME-Virus ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Durch den Stich dieser Zecke gelangt der Erreger in den menschlichen Blutkreislauf. In den FSME-Verbreitungsgebieten trägt ungefähr jede 100. Zecke das Virus in sich. Es befindet sich in den Speicheldrüsen und wird daher schon ganz am Anfang der Blutmahlzeit übertragen. Dennoch resultiert nicht in jedem Fall eine Erkrankung. Circa 70 bis 95 Prozent der Infektionen verlaufen asymptomatisch oder mild.

Gefürchtete neurologische Symptomatik

Nach einer Inkubationszeit von meist sieben bis 14 Tagen treten bei einer FSME-Erkrankung grippeähnliche Symptome auf. Nach deren Abklingen kann die Infektion überstanden sein. Bei etwa zehn Prozent der Infizierten kommt es jedoch im Anschluss zu neurologischen Ausprägungen: Es entwickelt sich eine Hirnhaut- oder Gehirnentzündung (Meningoenzephalitis) mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Bewusstseinsstörungen. Die Symptome können monatelang anhalten. An dieser schweren Krankheitsform leiden überwiegend Erwachsene. Etwa ein Prozent der Fälle endet tödlich.

Nicht nur im Frühsommer

Der Name „Frühsommer“-Meningoenzephalitis ist etwas irreführend. Die Erkrankung ist nämlich nicht saisonal gebunden. Die Mehrzahl der FSME-Erkrankungen findet zwar in der Regel in den Monaten Mai bis Oktober statt, das war auch im Jahr 2018 der Fall, allerdings fiel im vergangenen Jahr ein besonders früher Anstieg der Erkrankungszahlen im April und Mai auf. Die meisten Erkrankungen gab es im Juni. Im Oktober trat ein kleinerer Herbstgipfel auf. Und sogar in milden Wintern kann es zu Zeckenstichen kommen. Bei Temperaturen von mindestens acht Grad Celsius und etwas Feuchtigkeit werden die Spinnentierchen aktiv und gehen auf Wirtssuche. Dazu lauern sie bevorzugt auf hohen Gräsern und Stauden, insbesondere in Waldrandnähe. Doch auch in innerstädtischen Grünanlagen und sogar in Gärten kommen Zecken vor.

Expositionsprophylaxe und Impfung

In der Beratung kann man immer wieder auf die üblichen Maßnahmen zur Vermeidung von Zeckenstichen aufmerksam machen: Auftragen eines Repellents, möglichst helle Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen tragen und Körper nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken absuchen. Die beste FSME-Infektionsprophylaxe stellt jedoch die Impfung dar (z. B. mit Encepur® Erwachsene/Kinder, FSME Immun Erwachsene/0,25 ml Junior). Sie hat eine fast 100-prozentige Wirkung. Dennoch sind nur etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland geimpft (in Österreich mehr als 80 Prozent).

Auch eine Reise-Impfung

Die FSME-Impfung wird bei uns beruflich gefährdeten oder in Risikogebieten exponierten Personen empfohlen. An die Impfung sollte man außerdem zur Urlaubszeit denken. So besteht in vielen Regionen Mittel- und Osteuropas FSME-Infektionsgefahr, zum Beispiel im Ferienland Österreich (Übersicht z. B.: https://www.zecken.de/de/fsme/fsmerisikogebiete-europa). Die Impfung ist gut verträglich. Vor allem allgemeines Unwohlsein und grippale Erscheinungen können jedoch auftreten; bei jüngeren Kindern kommt es häufig zu Fieber. Die FSME-Impfung schützt übrigens auch vor einer seltenen Art der FSME-Ansteckung: jener durch den Genuss von infizierter Rohmilch und Rohmilchprodukten

STIKO-Impfempfehlungen

Indikationsimpfempfehlung:

  • Personen, die in FSME-Risikogebieten Zecken-exponiert sind
  • Personen, die beruflich durch FSME gefährdet sind (z. B. Forstarbeiter)
  • Zecken-Exposition in Risikogebieten außerhalb Deutschlands 

Impfschema und Impfstoffe

  • FSME-Impfstoffe enthalten inaktivierte FSME-Viren (z. B. Encepur® Erwachsene, Encepur® Kinder, FSME-Immun Erwachsene, FSME-Immun 0,25 ml Junior).
  • Zur Grundimmunisierung werden drei Impfstoffdosen verabreicht (Abstand zwischen 1. und 2. Impfung 1 bis 3 Monate, Abstand zwischen 2. und 3. Impfung 5 bis 12 Monate – je nach Herstellerangabe). Ein Schnellimpfschema (innerhalb 4 Wochen) ist möglich.
  • Auffrischimpfungen alle 3 bis 5 Jahre (nach Schnellimmunisierung schon früher).