Wann gibt es wieder Pneumokokken-Impfstoffe?

Pneumokokken-Impfstoffe sind knapp.
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Pneumovax 23, Prevenar 13 und auch Synflorix sind seit Wochen kaum oder gar nicht lieferbar. Grund ist die Corona-Pandemie – auch wenn eine Pneumokokken-Impfung gar nicht vor dem pandemischen Erreger SARS-CoV-2 schützt. Allerdings können Pneumokokken eine COVID-19-Erkrankung unnötig komplizieren, weshalb eine Impfung für ältere Menschen, chronisch Lungenkranke oder Säuglinge sinnvoll ist. Wann ist wieder mit den Impfstoffen zu rechnen?

Einen Impfstoff gegen das pandemische Virus SARS-CoV-2 gibt es derzeit noch nicht. Was es jedoch gibt: Impfungen, die vor Grippe (Influenza) und vor Pneumokokken-bedingten Erkrankungen schützen. Pneumokokken sind Bakterien (Streptococcus pneumoniae), die den Nasenrachenraum des Menschen besiedeln und in den meisten Fällen keine Symptome verursachen. Allerdings können sie durch lokale Ausbreitung zu Erkrankungen der oberen Atemwege, wie Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Mittelohrentzündung (Otitis media), führen und schwere Infektionen der unteren Atemwege, wie Lungenentzündung (Pneumonie), bedingen – was eine COVID-19-Erkrankung zusätzlich komplizieren kann (bakterielle Sekundärinfektion/ Überinfektion). Ein Schutz vor Pneumokokken erscheint somit sinnvoll, auch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für bestimmte Risikogruppen.

Corona sorgt für Engpass

In Deutschland gibt es drei Pharmaunternehmen, die bei Pneumokokken-Impfstoffen aktiv sind: MSD ist der Hersteller von Pneumovax® 23, Prevenar® 13 wird von Pfizer und Synflorix® von GSK (GlaxoSmithKline) vermarktet. Lieferengpässe sieht man bei allen drei Vakzinen. Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), die für Impfstoffe zuständige Bundesoberbehörde Deutschlands, meldet eine Knappheit bei den Pneumokokken-Impfstoffen.

Pneumovax® 23-Hersteller MSD erklärt seinen Engpass mit der „unerwartet stark gestiegenen Nachfrage, bedingt durch die in Deutschland anhaltenden Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus“. MSD hat eigenen Angaben zufolge bereits die Hälfte aller für das Gesamtjahr 2020 geplanten Pneumovax® 23-Impfdosen ausgeliefert (Stand Ende März 2020) – das sind drei Viertel des Vorjahresbedarfes.

Schnelles Nachproduzieren von Pneumovax 23 nicht möglich

Bei MSD ist man bemüht, die Versorgung mit Pneumovax® 23 zu sichern. Dazu will der Impfstoffhersteller „sämtliche verfügbaren Dosen von Pneumovax® 23 umgehend in den Markt geben“.

MSD könnte aber doch einfach noch mehr Impfstoff nachproduzieren? Die Überlegung ist gerechtfertigt, allerdings klappt das nicht so leicht und von heute auf morgen: Die Produktion von Impfstoffen ist aufwendig und kann bis zu 36 Monate in Anspruch nehmen.

Prevenar 13: „begrenzt verfügbar“

Auch Prevenar® 13 von Pfizer ist bei vielen Großhändlern nicht verfügbar. Das Paul-Ehrlich-Institut informiert auf seiner Homepage zu Lieferengpässen von Human-Impfstoffen, dass Prevenar® 13 „begrenzt verfügbar“ ist. Und auch Pfizer hat coronabedingt einen erhöhten Bedarf registriert: „Die Nachfrage nach Impfstoffen gegen Pneumokokken ist in Deutschland innerhalb weniger Tage signifikant gestiegen“, erklärt eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage der Redaktion. Um auch weiter lieferfähig zu bleiben und Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko versorgen zu können, hat Pfizer die Bestellmengen von Prevenar® 13 in Deutschland vorerst begrenzt.

Und Synflorix?

GlaxoSmithKline (GSK) bestätigte vor wenigen Tagen noch, bei seinem 10-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff Synflorix® lieferfähig zu sein. Allerdings zeigen auch hier einzelne Großhandelsabfragen bereits Engpässe. Synflorix® ist nicht für Erwachsene zugelassen, sondern lediglich zur Immunisierung von Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 6 Wochen bis zum vollendeten 5. Lebensjahr. Mit nur zehn Serotypen deckt Synflorix® von allen hierzulande verfügbaren Impfstoffen den kleinsten Anteil der an invasiven Pneumokokken-Erkrankungen in Deutschland beteiligten Pneumokokken ab.

Pneumokokken-Impfstoffe dürfen importiert werden

Der Engpass bei den Pneumokokken-Vakzinen ist auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nicht verborgen geblieben. Er machte bereits am 17. März 2020 einen Versorgungsmangel bei Pneumokokken-Impfstoffen nach § 79 Absatz 5 des Arzneimittelgesetzes  bekannt. Dadurch dürfen nun Pneumokokken-Impfstoffe auch nach Deutschland importiert werden. Begründet wurde dieser Schritt, da „eine Infektion mit Pneumokokken (...) für besondere Personengruppen, insbesondere in Verbindung mit einer Erkrankung an COVID-19, eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellen“ kann. Durch den Mangel an in Deutschland zugelassenen Pneumokokken-Impfstoffen sei die Impfung der von der STIKO empfohlenen Personengruppen derzeit nicht flächendeckend sichergestellt, so das BMG (Bundesgesundheitsministerium).

Ergibt ein Import Sinn?

So gut die theoretische Möglichkeit ist, Pneumokokken-Impfstoffe aus dem Ausland nach Deutschland verbringen zu dürfen, so fraglich ist, ob diese Maßnahme viel Erfolg hat: SARS-CoV-2 hat sich zu einer Pandemie entwickelt, der Bedarf an Pneumokokken-Impfstoffen dürfte folglich nicht nur in Deutschland gestiegen sein, sondern auch in anderen Ländern der Welt.