Was ist eigentlich Tularämie?

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Je näher das Osterfest rückt, desto häufiger begegnen wir ihm: dem Hasen. Doch während er in Schokoladenform jetzt allgegenwärtig ist, hat „Meister Lampe“ in der Natur einen schweren Stand. Neben dem Verlust von Lebensraum bedroht ihn auch die „Hasenpest“ (Tularämie). Die bakterielle Erkrankung kann auch auf den Menschen übergehen.

Jäger besonders gefährdet

Für den Feldhasen ist die Tularämie meist tödlich. Neben Hasenartigen können viele weitere Säugetiere, vor allem Nagetiere, aber auch Vögel und sogar Amphibien von der „Hasenpest“ befallen werden. Auch vor Haus- und Nutztieren macht die Erkrankung nicht halt. In seltenen Fällen trifft die Tularämie auch den Menschen. Jährlich werden in Deutschland circa 30 bis 50 Fälle gemeldet. Allerdings ist von einer deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen. Betroffen sind vor allem Jäger sowie andere Personen, die sich viel in der freien Natur aufhalten, zum Beispiel Landwirte und Waldarbeiter.

Infektion auf vielen Wegen

Auslöser der Tularämie ist ein bakterieller Erreger: Francisella tularensis. Er tritt in mehreren Unterarten auf. Hierbei ist die nordamerikanische Subspezies für den Menschen wesentlich gefährlicher als die in Europa vorkommende Unterart. Allerdings ist das Bakterium hochinfektiös. Schon eine Dosis von nur zehn Erregern reicht unter Umständen für eine Erkrankung aus. Francisella tularensis kann auf mehreren Wegen übertragen werden, etwa über Haut- oder Schleimhautkontakt mit infektiösem Tiermaterial sowie durch Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Zudem ist die Inhalation von kontaminiertem Staub gefährlich. Daneben können blutsaugende Insekten oder Zecken das Bakterium übertragen.

Von harmlos bis tödlich

Die Erkrankung äußert sich beim Menschen oft unspezifisch. Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 14 Tagen können grippeähnliche Symptome auftreten. Bei Hautkontakt mit dem Erreger kommt es eventuell zu Geschwüren an der Eintrittsstelle. Wurde der Erreger inhaliert, ist eine Pneumonie möglich. Häufig heilt eine Tularämie nach einigen Wochen von selbst aus. Therapeutisch sind verschiedene Antibiotika wirksam. Eine Erkrankung mit der amerikanischen Erreger-Unterart verläuft dagegen unbehandelt oft tödlich. Da Francisella tularensis als möglicher Biowaffen-Erreger eingestuft wird, arbeiten westliche Staaten verstärkt an einem Tularämie-Impfstoff.

Hände weg von toten Hasen!

Wenn man einige Verhaltensregeln beachtet, kann man sich vor einer Infektion mit dem Tularämie-Erreger schützen. Besondere Vorsicht müssen vor allem Jäger beim Umgang mit erlegten Tieren walten lassen (Handschuhe, Atemmaske). Entdeckt man als Spaziergänger einen kranken oder toten Hasen oder ein Kaninchen, sollte man das Tier nicht anfassen, sondern den jeweiligen Jagdrevier-Inhaber informieren (z. B. über die örtliche Polizei zu ermitteln). Im Umgang mit rohem Fleisch gilt es, die allgemeinen Regeln der Küchenhygiene einzuhalten. Insbesondere Fleisch von Hase oder Wildkaninchen sollte vor dem Verzehr stets gut durchgegart werden. Francisella tularensis ist zwar hitzelabil, überlebt aber tiefe Temperaturen wie beim Einfrieren monatelang.

Tularämie in Kürze

  • Tierkrankheit („Hasenpest“), an der in seltenen Fällen auch der Mensch erkrankt.
  • Bakterieller Erreger: Francisella tularensis.
  • Infektion über kontaminiertes (Hasen-)Fleisch, kontaminiertes Wasser, Inhalation erregerhaltigen Staubs, Stich durch infizierte Mücken oder Zecken.
  • Bei uns vorkommende Erreger-Unterart verursacht beim Menschen eher milderen Verlauf; häufig grippeähnliche Symptomatik; nordamerikanische Erreger-Unterart gilt als potenzielle Biowaffe.
  • Häufig Spontanheilung; antibiotische Behandlung.
  • Vorsichtsmaßnahmen: Kontakt mit toten Hasen und Kaninchen meiden; Hasenfleisch gut durchgaren; übliche Küchenhygiene.

Quellen: Robert Koch-Institut; Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR); Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI)