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„Hasenpest“: Was ist eigentlich Tularämie?

In Bayern haben sich Ende November drei Jäger mit der auch Hasenpest genannten Tularämie infiziert. Vermutlich gehe die Ansteckung auf erlegte Hasen zurück, teilte das Landratsamt Donau-Ries mit.
Es hatte nach dem Nachweis der bakteriellen Infektion bei mehreren toten Feldhasen in dem Landkreis schon Anfang des Jahres geraten, auf die Hasenjagd zu verzichten.
Sie ist hochansteckend und kann auf andere Tiere und sogar auf Menschen übertragen werden. Die Tularämie – auch bekannt als Hasenpest – ist in Niedersachsen ausgebrochen. Veterinär- und Gesundheitsämter haben in der Vergangenheit bereits davor gewarnt. Doch die Krankheit grassiert noch immer, wie aktuelle Zahlen belegen. Auch Menschen in Niedersachsen und Bremen haben sich bereits mit der Infektionskrankheit infiziert.
Hasenpest: Wer ist besonders gefährdet?
Für den Feldhasen ist die Tularämie meist tödlich. Neben Hasenartigen können viele weitere Säugetiere, vor allem Nagetiere, aber auch Vögel und sogar Amphibien von der „Hasenpest“ befallen werden. Auch vor Haus- und Nutztieren macht die Erkrankung nicht halt.
Seltener trifft die Tularämie auch den Menschen. Früher wurden jährlich in Deutschland circa 30 bis 50 Fälle gemeldet. Allerdings stellt das Robert Koch-Institut (RKI) fest, dass die Zahl der diagnostizierten und gemeldeten Tularämie-Fälle beim Menschen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sei. Laut dem aktuellen Epidemiologischen Bulletin des RKI wurden für das laufende Jahr bereits 29 Fälle beim RKI gemeldet (KW 1–15).
Betroffen sind vor allem Jäger sowie andere Personen, die sich viel in der freien Natur aufhalten, z. B. Landwirte und Waldarbeiter.
Die Gründe für die vermehrten Fälle seien nicht genau bekannt, erklärt das RKI. „Ein Teil ist bestimmt durch vermehrte Aufmerksamkeit und Diagnostik zu erklären, aber auch ein zunehmendes Vorkommen des Erregers in der Umwelt – zum Beispiel durch periodisch auftretende Vermehrungen von Nagetieren – ist denkbar.“
Wie erfolgt eine Infektion mit der Hasenpest?
Auslöser der Tularämie ist ein bakterieller Erreger: Francisella tularensis. Er tritt in mehreren Unterarten auf. Hierbei ist die nordamerikanische Subspezies für den Menschen wesentlich gefährlicher als die in Europa vorkommende Unterart.
Allerdings ist das Bakterium hochinfektiös. Schon eine Dosis von nur zehn Erregern reicht unter Umständen für eine Erkrankung aus.
Francisella tularensis kann auf mehreren Wegen übertragen werden, etwa über Haut- oder Schleimhautkontakt mit infektiösem Tiermaterial sowie durch Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Zudem ist die Inhalation von kontaminiertem Staub gefährlich. Daneben können blutsaugende Insekten oder Zecken das Bakterium übertragen.
Symptome und Verlauf einer Tularämie
Die Erkrankung äußert sich beim Menschen zunächst unspezifisch. Nach einer Inkubationszeit von ein bis 14 Tagen können grippeähnliche Symptome, wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, auftreten.
Im weiteren Verlauf kommt es zu spezifischeren Symptomen wie ein Geschwür an der Eintrittsstelle und eine ausgeprägte Lymphknotenschwellung. Bei der Aufnahme des Erregers über die Atemwege ist eine Lungenentzündung (Pneumonie) möglich.
Häufig heilt eine Tularämie nach einigen Wochen von selbst aus. Therapeutisch sind verschiedene Antibiotika wirksam. Eine Erkrankung mit der amerikanischen Erreger-Unterart verläuft dagegen unbehandelt oft tödlich.
Da Francisella tularensis als möglicher Biowaffen-Erreger eingestuft wird, arbeiten westliche Staaten verstärkt an einem Tularämie-Impfstoff.
Wie schützt man sich vor einer Infektion mit Hasenpest?
Wenn man einige Verhaltensregeln beachtet, kann man sich vor einer Infektion mit dem Tularämie-Erreger schützen. Besondere Vorsicht müssen vor allem Jäger beim Umgang mit erlegten Tieren walten lassen (Handschuhe, Atemmaske).
Entdeckt man als Spaziergänger einen kranken oder toten Hasen oder ein Kaninchen, sollte man das Tier nicht anfassen, sondern den jeweiligen Jagdrevier-Inhaber informieren (z. B. über die örtliche Polizei zu ermitteln). Auch Hunde sollten vom toten Tier ferngehalten werden. Diese könnten zwar nicht erkranken, die Bakterien aber auf den Menschen übertragen.
Im Umgang mit rohem Fleisch gilt es, die allgemeinen Regeln der Küchenhygiene einzuhalten. Insbesondere Fleisch von Hase oder Wildkaninchen sollte vor dem Verzehr stets gut durchgegart werden. Francisella tularensis ist zwar hitzelabil, überlebt aber tiefe Temperaturen wie beim Einfrieren monatelang. Quellen:
- Robert Koch-Institut
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
- Friedrich-Loeffler-Institut
- Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (FLI)
- dpa
Tularämie in Kürze:
- Tierkrankheit („Hasenpest“), an der in seltenen Fällen auch Menschen erkranken.
- Bakterieller Erreger: Francisella tularensis
- Infektion über kontaminiertes (Hasen-)Fleisch, kontaminiertes Wasser, Inhalation erregerhaltigen Staubs, Stich durch infizierte Mücken oder Zecken
- Bei uns vorkommende Erreger-Unterart verursacht beim Menschen eher milderen Verlauf; häufig grippeähnliche Symptomatik; nordamerikanische Erreger-Unterart gilt als potenzielle Biowaffe.
- Häufig Spontanheilung; antibiotische Behandlung
- Vorsichtsmaßnahmen: Kontakt mit toten Hasen und Kaninchen meiden, Hasenfleisch gut durchgaren, übliche Küchenhygiene.