Wie lang können Haare werden?

Haare wachsen unterschiedlich lang und durchlaufen einen immer wiederkehrenden Wachstumszyklus. | Bild: contrastwerkstatt / Adobe Stock

Ob kurz, lang oder mittellang – die Haarlänge hängt vom individuellen Geschmack ab, aber nicht nur das. Das Haarwachstum ist außerdem abhängig von verschiedenen Faktoren – Haartyp, Alter, Geschlecht und weitere Einflussfaktoren spielen eine entscheidende Rolle bei der Länge des Haares. Doch wie lang kann ein Kopfhaar eigentlich maximal werden? Und was hat es mit dem Wachstumszyklus der Haare auf sich?

Das Haarwachstum ist kein kontinuierlicher Prozess, sondern läuft in immer wiederkehrenden Zyklen ab. Jeder Haarfollikel steuert diesen Zyklus individuell, ohne sich mit den benachbarten Follikeln zu synchronisieren. Deshalb fallen jeden Tag nur wenige Haare aus und nicht alle zur selben Zeit.

Drei Phasen des Wachstumszyklus der Kopfhaare

  • Die Anagenphase

Mit einer Zeitspanne von circa 3 bis 8 Jahren nimmt die Anagenphase (= Wachstumsphase) den mit Abstand größten Teil des Haarzyklus ein. Etwa 85 bis 90 % aller Kopfhaare befinden sich in der Anagenphase. Das Haupthaar wächst hier täglich um 0,1 bis 0,5 mm. Wie alle schnell proliferierenden Zellen sind auch die Haarmatrixzellen in dieser Zeit besonders anfällig für Störfaktoren. Der Mangel an bestimmten Nährstoffen (z. B. Vitamin C, Biotin) oder auch die Einnahme verschiedener Medikamente (z. B. Beta-Blocker, Antikoagulanzien) kann dazu führen, dass das neu gebildete Haar dünner als normal nachwächst oder sogar abbricht.

  • Die Katagenphase

Die Katagenphase, die auch als Übergangsphase bezeichnet wird, ist die Phase, in der das Haar eine Art „Umbauprozess“ durchläuft. Die Matrixzellen stellen ihre Teilungsaktivität ein, wodurch die Haarwurzel nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird und sich somit die Haarfollikel zurückbilden. Etwa 1 bis 3 % der Kopfhaare befinden sich im Katagenstadium, das circa 1 bis 2 Wochen andauert.

  • Die Telogenphase

Die Stoffwechselaktivität des fertig ausgebildeten Haars wird eingestellt, weshalb man auch von der Ruhephase spricht. Das Haar ist dementsprechend unempfindlich gegenüber schädigenden Einflüssen, es verkrümmt und fällt letztendlich aus. Auch mit pflegenden Haarprodukten kann in diesem Stadium kein Effekt mehr an den Haaren erzielt werden. Bis zu 20 % der Haare befinden sich circa 2 bis 4 Monate in der Telogenphase. Unterhalb des Telogenhaares befindet sich ein neues nachwachsendes Haar, das den Haarzyklus von neuem beginnt.

Wachstumszyklus der Haare, aufgeteilt in die drei Phasen – Anagen-, Katagen- und Telogenphase. Mit Abschluss der Telogenphase beginnt der Haarzyklus wieder von neuem. | Bild: gorbachlena / Adobe Stock

Wie lang können Haare werden?

Pro Tag liegt das durchschnittliche Kopfhaarwachstum bei etwa 0,1 bis 0,5 mm. Doch wie schnell und lang die Haare tatsächlich wachsen, ist abhängig von bestimmten Einflussfaktoren wie, Haartyp, Alter und Geschlecht. Geht man von  einer Länge der Anagenphase von 3 bis 8 Jahren aus, so können je nach persönlicher Wachstumsgeschwindigkeit und Länge der Wachstumszyklen Haarlängen von 36 cm bis 144 cm erreicht werden.

Weltrekord der längsten Kopfhaare

Den Weltrekord für die längsten Kopfhaare hält ein 2010 verstorbener Vietnamese. Seine Haare, deren verfilzte Strähnen er auf dem Kopf auftürmte, erreichten eine Länge von 6,20 m.

Quellen: Raab: „Haarerkrankungen in der dermatologischen Praxis“, Springer Verlag 2012 Wolff, Kunte: „Diagnostik und Therapie von Haarerkrankungen“, Uni-Med-Verlag 1999