Tipps zur Verarbeitung von Erythromycin in Dermatika

Verordnungen mit Erythromycin sind in der Apothekenpraxis meist als problematische Rezepturen bekannt. | Bild: cuhle-fotos / AdobeStock

Verordnungen mit Erythromycin sind in der Apothekenpraxis meist als problematische Rezepturen bekannt. Häufig erreichen uns in der Redaktion dazu Anfragen. Aus diesem Grund haben wir für Sie noch einmal die wichtigsten Tipps zur Verarbeitung des Wirkstoffs im täglichen Rezepturbetrieb zusammengestellt.

Bei der Herstellung von halbfesten Zubereitungen liegt Erythromycin in der ausgewählten Grundlage überwiegend ungelöst vor, es werden also Suspensionszubereitungen erhalten. Um eine homogene Suspension zu realisieren, muss der Wirkstoff zunächst mit einem geeigneten Anreibemittel angerieben werden. Das Anreibemittel darf dabei nur ein geringes Lösevermögen für den zu suspendierenden Wirkstoff haben. Erythromycin zeigt bei der Verarbeitung zu halbfesten Darreichungsformen eine besonders hohe Neigung zur Verklumpung, gerade bei höheren Konzentrationen kommt es häufig zur Klumpenbildung beim Verreiben mit Cremegrundlagen. Deshalb spielt das korrekte Anreiben mit einer geeigneten Flüssigkeit bei dieser Substanz eine besonders wichtige Rolle.

Welches Anreibemittel ist geeignet?

Zur Auswahl der richtigen Flüssigkeit für diesen ersten Herstellungsschritt lohnt sich ein Blick ins NRF, unter der Vorschrift 11.77. „Hydrophile Erythromycin-Creme“ ist eine geprüfte Rezeptur zur Verarbeitung der Substanz mit Basiscreme DAC zu finden. Erythromycin wird hier mit einer genau angegebenen Menge an Mittelkettigen Triglyceriden angerieben, für 1 g mikrofein gepulverten Wirkstoff werden beispielsweise auch genau 1 g Anreibemittel benötigt. Untersuchungen dazu haben gezeigt, dass dieses Verfahren deutlich bessere Ergebnisse liefert als ein Anreiben mit der Dermatika-Grundlage. Ungünstig wäre ebenfalls ein Anreiben mit dem Alkohol Propylenglycol. Erythromycin löst sich in Propylenglycol deutlich besser als in der Grundlage und es kann dann bei der Weiterverarbeitung zur unkontrollierten Kristallbildung kommen.

Anreiben auch beim Einsatz automatischer Rührsysteme?

Auch bei einer Herstellung der Zubereitung mit Hilfe automatischer Rührsysteme empfiehlt das NRF ein Anreiben des Wirkstoffs mit Mittelkettigen Triglyceriden zunächst in der Fantaschale. Erst nach diesem für die Qualität des Arzneimittels entscheidenden Herstellungsschritt kann die Zubereitung im Rührsystem fertiggestellt werden. Mit Hilfe einer geeigneten Inprozessprüfung lässt sich das erfolgreiche, klumpenfreie Anreiben des Wirkstoffs leicht feststellen. Dazu wird eine kleine Menge aus der fertigen Creme entnommen und entweder auf einer Glasplatte ohne großen Druck gleichmäßig ausgestrichen oder zwischen zwei Objektträgern zu einer dünnen Schicht verteilt und vor einer hellen Lichtquelle beurteilt.

Verarbeitung mit anderen Grundlagen

Für Erythromycin-Zubereitungen mit Linola® Creme hat sich als Anreibemittel eine zehnprozentige wässrige Tween®-20-Lösung bewährt. Diese Lösung muss jeweils frisch aus einer entsprechenden Menge Polysorbat 20 und Gereinigtem Wasser hergestellt werden, sie besitzt keine ausreichende antimikrobielle Wirkung und ist daher nicht zur Herstellung auf Vorrat geeignet. Zur Verwendung von Tween®-20-Lösung bei Verarbeitung von Erythromycin in anderen Grundlagen liegen bisher keine Untersuchungen vor. Bei der gemeinsamen Verarbeitung von Erythromycin und Metronidazol (Hydrophile Erythromycin-Creme 2 % mit Metronidazol 1 % NRF 11.138.) hat sich wiederum das Anreiben der beiden Wirkstoffe mit Wasserfreiem Glycerol bewährt. Die unterschiedlichen Anreibemittel für die jeweiligen Zubereitungen zeigen noch einmal deutlich, dass es gerade bei der Verarbeitung von Erythromycin besonders wichtig ist möglichst standardisierte Vorschriften anzuwenden.

pH-Wert entscheidend für die Stabilität

Neben der korrekten Auswahl des Anreibemittels spielt bei Erythromycin-haltigen Zubereitungen die Einstellung des pH-Wertes eine entscheidende Rolle. In einzelnen Fällen kann es bei ungünstigen pH-Verhältnissen zu einer Inaktivierung des Arzneistoffs innerhalb kurzer Zeit kommen. Der optimale pH-Wert von Erythromycin bezüglich Wirksamkeit und Stabilität liegt dabei bei pH 8 bis 8,5, der rezeptierbare Bereich in Suspensionszubereitungen ist allerdings etwas weiter gefasst zwischen 7 und 10.

Citronensäure oder Trometamol?

In den meisten Dermatika-Grundlagen liegt Erythromycin fast vollständig ungelöst vor und beeinflusst daher den pH-Wert der Zubereitung kaum. Der pH-Wert gängiger Grundlagen liegt bezüglich der Stabilität des Wirkstoffs meist zu niedrig und muss daher oft durch Zugabe einer Base, beispielsweise Trometamol, ins schwach Alkalische verschoben werden. Dies gilt unter anderem für die Verarbeitung von Erythromycin mit bestimmten Markengrundlagen wie Anefug simplex®. Eine Zugabe von Trometamol nach eigenem Ermessen sollte nicht erfolgen, da die Herstellerfirmen die betreffenden Zubereitungen auf Stabilität überprüft haben und diese Untersuchungen sich nicht ohne weiteres auf Individualrezepturen übertragen lassen können.

Sonderfall Basiscreme DAC

Die hydrophile Grundlage Basiscreme DAC enthält unter anderem die Flüssigkeit Propylenglycol, in dieser zeigt Erythromycin eine gewisse Löslichkeit und liegt daher in Basiscreme DAC teilweise gelöst vor. In gelöster Form reagiert die Substanz auf Grund ihres chemischen Charakters selbst deutlich basisch und es können daher bei der Verarbeitung von Erythromycin in Basiscreme DAC teilweise pH-Werte von über 10 erreicht werden. Von Seiten des NRF standardisierte Zubereitungen enthalten zur Absenkung des pH-Wertes wasserfreie Citronensäure in einer der Konzentration an Erythromycin angepassten Menge. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Menge an Citronensäure analytisch ermittelt wurde und nicht proportional zur Menge an Wirkstoff ist.

Bevorzugt geprüfte Rezepturarzneimittel

In frei zusammengestellten Zubereitungen ist die stark pH-abhängige Stabilität des Erythromycin schwer zu gewährleisten. Das NRF empfiehlt daher nach Möglichkeit geprüfte Rezepturarzneimittel herzustellen und dies auch im Gespräch mit dem verordnenden Arzt deutlich zu vertreten.

Dr. Annina Bergner
Apothekerin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de

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