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Akute Zahnfleischentzündung – ein Fall für die Selbstmedikation?

Im Anschluss an die Mundpflege können Mundspüllösungen und Mundgele bzw. -salben den Heilungsprozess einer Gingivitis positiv beeinflussen. Hier kommen sowohl pflanzliche als auch synthetische Inhaltsstoffe zum Einsatz. | Bild: rh2010 / Adobe Stock
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In den meisten Fällen ist es eine unzureichende Mundhygiene, die zur Entstehung einer Zahnfleischentzündung, lat. Gingivitis führt. Das Zahnfleisch bildet den Abschluss der Mundschleimhaut. Es umschliesst die Zähne dicht und sorgt so dafür, dass keine Keime aus der Mundhöhle in Richtung der Kiefer wandern können. Gesundes Zahnfleisch ist fest, blass rosa und blutet bei der Mundhygiene unter Verwendung von Zahnbürste und Zahnseide nicht. Plaquebildung auf den Zähnen bietet den Bakterien der physiologischen Mundflora Nahrung, so dass sie sich übermässig vermehren können. Als Stoffwechselendprodukte sondern diese Bakterien aggressive Substanzen ab, die das Zahnfleisch reizen und so den Beginn einer Entzündung bilden.

Auch zuviel putzen kann schaden!

Neben unzureichender Mundhygiene kann auch übertriebene Mundhygiene zu Zahnfleischentzündungen führen – nämlich dann, wenn beim zu eifrigen Schrubben das Zahnfleisch verletzt wird oder ungeeignete, das Zahnfleisch reizende Zahnpflegeprodukte verwendet werden. Schon durch kleine Verletzungen im Zahnfleisch können Bakterien eindringen und so eine Entzündung verursachen.

Wer ist besonders gefährdet?

Einige Grunderkrankungen und Lebensumstände erhöhen das Risiko für eine Gingivitis. 
Dazu gehören Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus oder Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen wie z. B. Leukämie oder AIDS. Ein hoher Alkohol- und Nikotinkonsum, Stress oder auch unausgewogene, vitaminarme Ernährung wirken sich ungünstig auf die Mundschleimhäute und das Zahnfleisch aus. 
Verschiedene Medikamente zeigen Nebenwirkungen am Zahnfleisch und können die Entstehung einer Gingivitis mit beeinflussen. Dazu gehören z. B. Immunsuppressiva, das Antiepileptikum Phenytoin, das Antihypertonikum Nifedipin und weibliche Sexualhormone. Letztere erhöhen nicht nur in therapeutischer Anwendung, sondern auch in natürlichen Lebensabschnitten das Risiko für eine Gingivitis – so sind Jugendliche in der Pubertät und Schwangere ebenfalls vermehrt betroffen.

Die genannten Risikofaktoren sind nie die alleinige Ursache für die Entstehung einer Gingivitis. In Zusammenhang mit Plaquebildung und/oder Verletzungen des Zahnfleischs erhöhen sie jedoch die Wahrscheinlichkeit der Entstehung.

Muss eine akute Gingivitis therapiert werden?

Zahnfleischrückgang und Knochenschwund bei Parodontitis | Bild: bilderzwerg / AdobeStock

Bleibt eine akute Zahnfleischentzündung unbeachtet, so kann sie chronisch werden sich bis auf den kompletten Zahnhalte-Apparat ausweiten. Das Zahnfleisch geht zurück und bildet grosse Taschen, der Knochen bildet sich zurück – in Folge lockern sich die Zähne, bis sie letztendlich ausfallen. Dieses Krankheitsbild nennt sich Parodontitis und gehört auf jeden Fall in zahnärztliche Behandlung.

Damit es nicht so weit kommt: Prophylaxe ist wichtig!

Zweimal täglich gründliches Zähne putzen unter der Verwendung von Interdentalbürsten und Zahnseide – im Allgemeinen reicht das aus, um einer Gingivitis vorzubeugen. Bestehen Risikofaktoren oder ist eine ausreichende Mundhygiene nicht möglich (zum Beispiel bei pflegebedürftigen Personen oder bei schwerzugängigen Bereichen im Gebiss), so kann eine anschliessende Mundspülung mit antiseptischen Lösungen hilfreich sein.

Was tun, wenn es doch zu einer Gingivitis gekommen ist?

Eine akute Zahnfleischentzündung verläuft in den meisten Fällen umkompliziert und kann vom Betroffenen selbst innerhalb weniger Tage kuriert werden. Wichtig ist vor allem eine intensivierte Mundhygiene. Dabei sollten am besten Zahnbürsten mit weichen Borsten verwendet werden, um das empfindliche Zahnfleisch zu schonen.

Im Anschluss an die Mundpflege können Mundspüllösungen und Mundgele bzw. -salben den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Hier kommen sowohl pflanzliche als auch synthetische Inhaltsstoffe zum Einsatz.

Extrakte aus Salbei oder Myrrhe wirken antiseptisch und adstringierend. Die adstringierende Wirkung sorgt für eine Verdichtung des Zahnfleisches und erhöht damit die Widerstandsfähigkeit gegenüber der Bakterien. Kamillenextrakte wirken antiphlogistisch und antiseptisch und unterstützen so das Abklingen der Entzündung.

Chlorhexidin, Triclosan oder Cetylpyrridiniumchlorid sind Beispiele für synthetische Substanzen, die eine hohe antiseptische Wirkung besitzen. Bei der Anwendung in Mundspüllösungen muss auf eine ausreichende Verweildauer im Mund geachtet werden, damit sich die antiseptische Wirkung ausreichend entfalten kann.

In der Selbstmedikation stehen verschiedene Mono- und Kombinationspräparate zur Verfügung, die zur Therapie der akuten Gingivitis eingesetzt werden können. So sind z. B. im InfectoGingi® Mundgel die positiven Wirkungen von Salbei und Kamille vereint. Zusätzlich enthalten ist das Lokalanästhetikum Lidocain um auch in fortgeschritteneren schmerzhaften Fällen effektiv wirken zu können. InfectoGingi® Mundgel kann bereits in jedem Lebensalter eingesetzt werden. Vorsicht ist lediglich bei Personen mit schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, mit akut dekompensierter Herzinsuffizienz, mit Störungen des Reizbildungs- und Reizleitungssystems am Herzen sowie in der Schwangerschaft geboten. Das Gel kühlt angenehm beim Auftragen und hat einen guten Hafteffekt, so dass es ausreicht, viermal täglich eine erbsengrosse Menge aufzutragen und vorsichtig einzumassieren.

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