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Ökotest-Urteil fast ausschliesslich "Sehr Gut": Saugstark und reißfest? Tampons im Test

Bild: MichalLudwiczak - iStockphoto.com

Tampons bei Ökotest: Nicht zu Unrecht könnte man sich fragen, was an einem Wattebausch so verkehrt sein kann, dass es den Aufwand lohnt, eine komplette Testreihe zu starten. Inklusive einer künstlichen „Prüfvagina“. Ökotest findet immer etwas zum Prüfen. Das ist kein Novum in der Mission der Verbraucherschützer. So haben sie auch dieses Mal keine Mühe gescheut, um den zylindrischen Hygiene-Artikeln bis auf den „saugfähigen“ Kern zu fühlen. Was allerdings beim Tampon-Test außergewöhnlich war – neben der künstlichen Vagina – das einheitliche Abschneiden von o.b. und Konsorten. Denn selten war sich Ökotest so einig.

Markenprodukt oder preiswerte Alternative?

Zu welchem Tampon-Typ zählen Sie? Immer noch eingefleischte Markenfetischistin und treue o.b.-Käuferin – aus Gewohnheit, Nostalgie oder qualitativer Überzeugung? Selbst in den Apotheken steht meist eine einsam verwaiste o.b.-Packung „normal“ irgendwo unten im Regal. Doch längst hat das Original von Johnson-Johnson Konkurrenz bekommen und muss sich gegen zahlreiche generischen Tampons in Supermärkten oder Drogerien behaupten. Für die Kosten-optimierte Verbraucherin bietet der Tamponmarkt mittlerweile somit durchaus auch Alternativen. Kein Discounter verzichtet auf die gepressten Wattebausche im Sortiment – finden diese doch als „Monatshygiene“ rezidivierende Wiederholungstäterinnen und sichere Abnehmerinnen im Konsum. Heutzutage darf selbstverständlich auch eine „bio“-Version der Tampons nicht fehlen, so dass auch die Naturkostläden sich ihre Baumwoll-Tampons nicht nehmen lassen. Welches sind aber nun die besten Tampons?  

Die Prüfkriterien, die Ökotest bei den 15 getesteten Tampons zugrunde legte, waren

  • saugstark und sauber?,
  • hält der Rückholfaden, was er verspricht – und holt insbesondere den Tampon zurück aus der Vagina?,
  • fusseln Tampons? und
  • enthalten die Tampons bedenkliche Inhaltsstoffe wie halogenorganische Verbindungen?

Saugstark in der Prüfvagina

Das wohl wichtigste Kriterium, das Frauen bei Tampons zugrunde legen: Sie müssen sicher sein, dass sich keine unschönen Flecken an Hose oder Kleid abzeichnen – und der Tampon tatsächlich dicht ist. Doch: Laut Ökotest besteht diese Gefahr nicht, denn die Verbraucherschützer sind begeistert. Alle Tampons – von Drogerie Müllers Duchesse, Edekas Elkos, Facelle und Jessa von den Drogerie-Discountern Rossmann und dm, der Klassiker und das Original o.b. aus dem Hause Johnson & Johnson, die Tampons von Real und Rewe, Olivia und Satessa von Aldi bis Siempre von Lidl und Camelia Tampons – bestehen den Saugtest der Verbraucherschützer. Und wie schaut`s mit den Bio-Tampons aus? Nur nachhaltige Produktion oder auch wirklich monatlich brauchbar? In der Tat bestehen auch Masmi Natural Cotton bio, Natracare Cotton und Organyc Tampons aus den Naturwarenläden die harten Prüfkriterien der Verbraucherschützer. Getestet hat Ökotest dies an einer synthetischen Prüfvagina.

Der Tampon ist weg – was nun?

Müssen sich Frauen Sorgen machen, ihren Tampon in der Vagina zu verlieren? Für dieses Ökotest-Prüfkriterium musste der „Rückhol“-Test herhalten. Reißt der Faden, wenn die Anwenderinnen zu fest ziehen, und der Tampon verbleibt auf ewig in den primären weiblichen Geschlechtsorganen? Aufatmen und Erleichterung sowohl bei den Verbraucherschützern als dann wohl auch bei den monatlichen Anwenderinnen: Der Reißfestigkeit des Rückholfadens attestiert Ökotest durchweg ein „in Ordnung“.

Fusseln die Tampons?

Die Tampons scheinen außerdem kompakt gestrickt zu sein. Und die Frage, ob o.b. und die restlichen Tampons Federn bei der Entfernung aus der Vagina lassen, kann durchweg mit „nein“ beantwortet werden. Ausnahmslos alle Tampons ließen sich fusselfrei auch wieder entfernen. Blieben dennoch einmal Flusen zurück, hat Ökotest auch Tipps parat: „Die Blutung ist nicht immer gleich. Wenn nach vier bis acht Stunden fusselnde Stellen beim Entfernen des Tampons zu sehen sind, besser auf eine kleinere Version umsteigen.“

Hersteller informieren „angemessen“ über o.b. & Co.

Nicht zu Späßen aufgelegt ist Ökotest, wenn es um die Informationspolitik der Kunden durch die Hersteller geht. Wie kommen die Hersteller ihren Deklarationspflichten nach? Informieren sie die Kundinnen ausreichend? Dies scheint sogar vorbildlich zu klappen. Denn die Hersteller erklärten nach Einschätzung von Ökotest durchweg „in angemessener Form“, wie der Tampon richtig eingeführt und entfernt werde, für welche Blutungsstärke er sich eigne und wie lange er maximal in der Vagina verbleiben dürfe. Selbst auf Nebenwirkungen wiesen die Tampon-Produzenten hin: „Die Warnhinweise zum Toxischen Schocksyndrom (TTS) sind in allen Packungsbeilagen abgedruckt“, schreibt Ökotest. TTS wird mit der Anwendung von Tampons in Zusammenhang gebracht, Patienten erleiden in dessen Folge Kreislauf- und Organversagen.

Ein Grund zu meckern bei Tampons ...

... findet Ökotest nicht. Kann das sein? Durchweg „Daumen hoch“ und Bestplatzierungen bei Tampons? Ein in der Tat seltenes Ereignis bei den kritischen Verbraucherschützern. Doch Ökotest verleiht tatsächlich sage und schreibe 14 Mal die Note „sehr gut“ bei den Tampons. Selbst das Preisargument schlägt nicht klinisch zu Buche und verdirbt den guten Schnitt nicht. Unterschiede bei der finanziellen Investition in Tampons liegen bei absoluten Stückpreisen um drei Cent bei den Discountern im Vergleich zu o.b. mit sieben bis acht Cent und den Premium-Biomarken mit 25 Cent pro Tampon. Doch einen Grund zu meckern findet Ökotest dann doch noch.

Camelia mit Note zwei Verlierer im Tampon-Wettstreit

Ein Tampon schneidet tatsächlich schlechter ab als die anderen: Camelia hängt am Ende auf Platz zwei. Ökotest fand halogenorganische Verbindungen im Tampongewebe von Camelia aus dem Hause Kimberly-Clark. Diese gelten als allergieauslösend – das lassen die Verbraucherschützer nicht ungestraft: „befriedigend“ nur bei den Inhaltsstoffen und insgesamt die Note „gut“.

Hier lobt Ökotest die restlichen Tampon-Hersteller gar: „Dazugelernt“. Seien in früheren Tests halogenorganische Verbindungen, optische Aufheller oder Formaldehyd und Pestizide durchaus ein gefundener Tamponmangel gewesen, „haben die Hersteller ihr Qualitätsmanagement verbessert“, schreiben die Verbraucherschützer.

Celine Müller, 08.11.2017