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Kinder haben ein stärkeres Immunsystem als vermutet

kleines Mädchen hustet und hält Teddybär in der Hand
Das Immunsystem von Kleinkindern arbeitet auf Hochtouren. Anders als bei Erwachsenen, die die Erinnerungen an die Viren gespeichert haben, ist für das Immunsystem von Kleinkinder der Kontakt zu Viren und Bakterien neu. | Bild: Pixel-Shot / AdobeStock

Kleinkinder sind ständig verschnupft und bringen gefühlt jeden Infekt in der Umgebung mit nach Hause. Dennoch ist ihr Immunsystem keineswegs schwächer als das von Erwachsenen, berichten Forschende im Fachmagazin „Science Immunology“ nach entsprechenden Versuchen mit jungen Mäusen und menschlichen Zellen. Insbesondere die T-Zellen des Immunsystems reagierten blitzschnell und effektiv, wenn sie Kontakt mit einem zuvor unbekannten Virus hatten. 

Immunsystem von Kleinkindern begegnet Viren zum ersten Mal

Das kindliche Immunsystem habe den Ruf, schwach und unterentwickelt zu sein, sagt Studienleiterin Donna Farber vom Columbia University Medical Irving Center in New York. Das sei aber nicht wahr, auch wenn Babys und Kleinkinder häufig unter viralen Atemwegsinfekten litten, verursacht etwa durch das RS-Virus.

Das liege allein daran, dass Babys diesen Viren zum ersten Mal begegneten. „Erwachsene werden nicht so oft krank, weil wir Erinnerungen an diese Viren gespeichert haben, die uns schützen“, sagt Farber. „Für Babys ist hingegen alles, was ihnen begegnet, neu.“

Kindliches Immunsystem: Vergleich der T-Zellen

Um die Fähigkeiten des kindlichen Immunsystems genauer zu untersuchen, sammelten die Forschenden bei jungen und erwachsenen Mäusen T-Zellen des Immunsystems. Darunter waren auch solche Zellen, die zuvor noch keinen Kontakt zu einem Erreger hatten, sogenannte naive T-Zellen.

Zur Erinnerung: Was sind T-Zellen?

T-Zellen sind spezialisierte Abwehrzellen des Immunsystems. Es gibt unterschiedliche Typen von ihnen: Einige T-Zellen können zum Beispiel Virus-infizierte Zellen erkennen und diese abtöten. Andere hingegen speichern die Erinnerung an einzelne Erreger, um bei einer erneuten Infektion schneller Abwehrmaßnahmen einleiten zu können.

Diese T-Zellen verabreichten die Forschenden dann Mäusen, die sie anschließend mit einem Influenza-Virus infizierten. Die naiven T-Zellen von jungen Mäusen reagierten schon auf viel kleinere Mengen des Virus als die der Erwachsenen. Sie vermehrten sich schneller und wanderten in größerer Zahl zur Lunge, wo sich Influenza-Viren vor allem vermehrten.

Für die Forschenden sei es überraschend gewesen, dass die Zellen je nach Alter anders reagierten. „Dies bedeutet, dass das Immunsystem des Kleinkinds robust und effizient ist und Krankheitserreger bereits im frühen Alter beseitigen kann“, sagt Farber. „In mancher Hinsicht ist es vielleicht sogar besser als das Immunsystem eines Erwachsenen, denn es ist darauf ausgelegt, auf eine Vielzahl neuer Krankheitserreger zu reagieren.“

Immunantwort: Kinder schneiden besser ab

„Die frühe Kindheit ist die Zeit, in der besonders viele T-Zellen im Thymus gebildet werden“, erläutert Marcus Peters, Leiter der Arbeitsgruppe Immunologie der Lunge an der Ruhr Universität Bochum. „Mit zunehmendem Alter werden immer weniger T-Zellen gebildet, damit nimmt auch die Fähigkeit ab, auf Neues zu reagieren.“

Auch Erwachsene hätten noch ein Reservoir naiver T-Zellen, aber eben ein kleineres. Dafür verfügten ältere Menschen über ein im Laufe des Lebens angewachsenes Standard-Reservoir an Gedächtnis-T-Zellen, die für die Immunantwort auf bestimmte Erreger zugeschnitten sind. Bei neuerlichem Kontakt mit bereits bekannten Krankheitserregern könne ihr Immunsystem schnell reagieren.

Immunsystem von Kindern braucht Zeit

Dass Kinder trotz ihres sehr aktiven und schlagkräftigen Immunsystems in vielen Fällen häufiger an meist harmlosen Infekten erkrankten als Erwachsene, liege einfach daran, dass auch das kindliche Immunsystem etwas Zeit brauche, um eine Immunantwort aufzubauen, erläutert Immunologe Peters. „Das geht dann mit Krankheitssymptomen einher.“ Fieber oder geschwollene Nasenschleimhäute deuteten aber auch nicht auf ein Versagen des Immunsystems hin, sondern im Gegenteil darauf, dass es gut arbeite.

Impfungen sind im Kindesalter besonders wirksam

Die Forschenden um Farber geben auch Hinweise darauf, warum Impfungen im Kindesalter besonders wirksam seien. Man solle sich auch nicht darum sorgen, mehrere Impfungen in dieser Zeit zu bekommen. „Jedes Kind, das in der Welt lebt, ist täglich einer großen Anzahl neuer Antigene ausgesetzt.“ Ihr Immunsystem sei den Umgang damit gewohnt.

„Die Antigene in den Impfstoffen, die eine Immunantwort auslösen, aktivieren immer nur die genau zu ihnen passenden T-Zellen. T-Zellen, die auf das Coronavirus reagieren, reagieren zum Beispiel nicht auf Pneumokokken.“ Eine Überforderung des Immunsystems durch Impfungen gebe es daher nicht, sagt auch Immunologe Peters.

Überhaupt sei das Immunsystem ständig aktiv und setze sich permanent mit Antigenen auseinander, die aus der Umwelt in den Körper gelangten, harmlosen wie krankmachenden. Quelle: dpa / vs