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Atemwegserkrankung: RSV-Welle hat begonnen

In Deutschland hat der Definition nach die Welle der RSV-bedingten Atemwegserkrankungen begonnen, wie aus dem aktuellen ARE-Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht.
Zur Erinnerung: Was ist das RS-Virus?
Das RS-Virus (Respiratorisches Synzytialvirus) ist einer der wichtigsten Erreger von Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Frühgeborenen.
Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion, die Inkubationszeit beträgt zwei bis acht Tage. Nach Infektion vermehren sich die Viren sodann in den Schleimhäuten der Atemwege.
Eine wichtige Rolle für das Krankheitsgeschehen von RSV spielt dabei das Fusionsprotein (F-Protein), das in die Lipidhülle des Virus eingelagert ist. Das F-Protein schädigt die Zellen der Atemwege – Synzytienbildung –, indem es die zilientragenden Epithelzellen miteinander verschmilzt.
Die Folge: Immunzellen werden angelockt, Zelltrümmer und Schleim entstehen, die die Atemwege verlegen. Die Schädigung der Atemwegszellen ist jedoch reversibel, sodass sich die Epithelzellen innerhalb von vier bis acht Wochen wieder erholen. /cb
Seit dem Jahreswechsel ist die RSV-Positivenrate deutlich gestiegen. In der Altersgruppe der 0- bis 4-Jährigen lag die RSV-Positivenrate in der 4. Kalenderwoche bei 23 % (95-%-Konfidenzintervall). Eine Woche zuvor lag sie noch bei 14 %.
RSV wurde in der 4. Kalenderwoche vorwiegend bei den 0- bis 4-Jährigen detektiert, jedoch gab es auch in weiteren Altersgruppen Nachweise von RSV. Die Gruppe, die am zweithäufigsten RSV-Infektionen verzeichnet, ist die Gruppe der 35- bis 59-Jährigen.
Der Beginn der RSV-Welle auf Bevölkerungsebene orientiert sich an der RSV-Positivenrate der virologischen Sentinelsurveillance bei den 0- bis 4-Jährigen. Sobald der Wert für die untere Grenze des 95-%-Konfidenzintervalls zwei Wochen in Folge über 5 % liegt, beginnt die RSV-Welle mit der ersten dieser beiden Wochen.
RSV-Infektion: Diese Symptome haben Kinder
Kinder bekommen bei einer RSV-Infektion meist zuerst eine laufende Nase, einen nichtproduktiven Husten und der Rachen kann entzündet sein. Die Rachenentzündung kann dann im Verlauf der Erkrankung auf die unteren Atemwege mit produktivem Husten und erschwertem Atem „wechseln“. Häufig tritt Fieber auf. Bei 5 Prozent zeigt sich ein keuchhustenähnliches Krankheitsbild.
Säuglinge sind oft im Allgemeinzustand reduziert und haben Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme (Trinkschwäche). Zu Komplikationen und schweren Pneumonien kommt es vor allem bei Risikopatienten. Langzeitfolgen einer RSV-Bronchiolitis können ein überempfindliches Bronchialsystem und wiederkehrende Obstruktionen sein.
Wichtig ist zudem, dass bei 75 Prozent aller Mittelohrentzündungen bei Kindern unter drei Jahren RSV alleinig oder als Co-Erreger nachgewiesen werden kann.
RSV: Risiko vor allem für Kleinkinder und Ältere
An dem Respiratorischen Synzytial-Virus kann man in jedem Alter erkranken, jedoch ist das RS-Virus einer der wichtigsten Erreger von Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Frühgeborenen.
Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass RSV für jährlich mehr als 30 Millionen Infektionen der unteren Atemwege bei Kleinkindern verantwortlich zeichnet, wovon drei Millionen Kinder schwer erkranken (Krankenhausbehandlung). RSV sei die häufigste Ursache für Krankenhausaufenthalte bei Kindern unter fünf Jahren.
Als Risikogruppen für schwere Verläufe gelten bei RSV
- Frühgeborene,
- Kinder mit Lungen-Vorerkrankung oder mit Herzfehler,
- Erwachsene über 65 Jahre
- und Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem.
Impfung schützt vor RSV-bedingten Atemwegserkrankungen
Im Jahr 2023 wurden in der EU gleich zwei RSV-Impfstoffe zugelassen – Abrysvo® und Arexvy. Beide Impfstoffe dürfen ältere Menschen ab 60 Jahren erhalten. Die Kosten hierfür übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die einmalige Impfung gegen RSV für Erwachsene ab 75 Jahren und für Menschen ab 60 Jahren mit bestimmten Risikofaktoren.
Abrysvo® ist außerdem für Schwangere zum Schutz des Säuglings in den ersten Lebensmonaten zugelassen.
Passive Immunisierung gegen RSV für Kinder
Als passive Immunisierung gegen RSV können Palivizumab und Nirsevimab eingesetzt werden. Der Nachteil: Die Antikörper stimulieren nicht das menschliche Immunsystem zur aktiven Bekämpfung des Virus, es bildet folglich keine eigenen Antikörper und Gedächtniszellen, weswegen der RSV-Schutz lediglich temporär ist.
Palivizumab ist zugelassen für Frühchen und Kleinkinder unter zwei Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen. Nirsevimab ist dagegen für alle Neugeborenen, Säuglinge und Kleinkinder während ihrer ersten RSV-Saison zugelassen. Quelle: RKI: ARE-Wochenbericht KW 4/2026