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Was ist eigentlich Dysmorphophobie?

Dysmorphophobie, auch körperdysmorphe Störung genannt, ist eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene sich übermäßig mit einem oder mehreren vermeintlichen körperlichen Makeln beschäftigen, die für andere nicht sichtbar oder unbedeutend sind.
So hat beispielsweise US-Schauspielerin und -Model Megan Fox schon seit jungen Jahren Probleme damit, ihren Körper zu akzeptieren. „Ich sehe mich nie so, wie andere mich sehen“, sagte die heute 40-Jährige 2023 in einem Interview, und weiter: „Es gab nie einen Punkt in meinem Leben, an dem ich meinen Körper geliebt habe, niemals.“ Auch der Sänger Robbie Williams erklärte einst auf Instagram, dass er sich ständig hässlich fühle.
Was hat es mit dieser Krankheit auf sich? Wie äußert sich die Störung, wie häufig kommt sie vor, und lässt sie sich behandeln?
Was ist eine körperdysmorphe Störung?
Bei der körperdysmorphen Störung handelt es sich um eine Körperbildstörung – also eine psychische Erkrankung, die durch eine verzerrte subjektive Wahrnehmung des eigenen Aussehens gekennzeichnet ist.
Die Wissenschaft zählt die körperdysmorphe Störung – ebenso wie beispielsweise Hypochondrie oder Magersucht – zu den Zwangsspektrumstörungen und vermutet ähnliche Ursachen, nämlich ein individuell unterschiedliches Zusammenwirken von genetischer Veranlagung und psychischen Auslösern wie Stress oder Traumata.
In den vergangenen Jahren wird zudem ein Zusammenhang zwischen der Nutzung sozialer Medien und der daraus resultierenden Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper als Risikofaktor für das Entstehen einer Dysmorphophobie diskutiert.
Die Störung ist nicht extrem selten: Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 ermittelte eine Häufigkeit von 1,9 Prozent in der erwachsenen Bevölkerung, wobei Frauen um ein Drittel häufiger betroffen waren als Männer.
Etwa zwei Drittel der Betroffenen entwickeln Symptome vor dem 18. Lebensjahr, mit einem Häufigkeitsgipfel um das 12. und 13. Lebensjahr.
Gut zu wissen: Der Begriff „Dysmorphophobie“
„Dysmorphophobie“ setzt sich zusammen aus dem altgriechischen „dys“ für „schlecht“ (hier im Sinne von „Miss-“) und morphé für „Form“ (hier „gestaltet“) sowie „phóbos“ für „Furcht“.
Er wurde erstmals 1886 von dem italienischen Neurologen Enrico Morselli (1852–1929) verwendet.
Wie äußert sich eine KDS?
Die körperdysmorphe Störung ist gekennzeichnet durch eine übermäßige gedankliche Beschäftigung mit einem oder mehreren vermeintlichen körperlichen Makeln, die für Außenstehende entweder nicht erkennbar oder nur minimal ausgeprägt sind.
Die Betroffenen nehmen ihren Körper oder einzelne Körperteile als hässlich oder entstellt wahr. Am häufigsten gilt dies für das Gesicht, zum Beispiel weil dieses als asymmetrisch beziehungsweise Ohren oder Nase als zu groß empfunden werden.
Der vermeintliche oder geringfügige Makel ihres Äußeren veranlasst die Betroffenen zu zwanghaften Verhaltensweisen. Viele verbringen zum Beispiel mehrere Stunden vor dem Spiegel, kontrollieren immer wieder ihr Aussehen.
Typische zwanghafte Verhaltensweisen umfassen:
- wiederholte Spiegelkontrollen
- das Einholen von Rückversicherungen bei Freunden oder Familie
- exzessive Körperpflege
- Hautmanipulationen
- Auftragen von Make-up
Betroffene versuchen, mit Kosmetika oder durch Manipulationen wie Zupfen an der Haut ihren Teint zu verbessern oder Hautfehler zu kaschieren. Andere wechseln mehrmals täglich ihre Kleidung, um vermeintlich hässliche Körperteile besser zu verstecken. Einige Männer, die einen normalen oder sogar athletischen Körperbau haben, halten sich für schmächtig und bauen zwanghaft Muskelmasse auf.
Betroffene fühlen sich häufig in der Öffentlichkeit von anderen angestarrt und fürchten, die vermeintliche Entstellung gebe anderen Anlass zu Ablehnung und Verachtung. In der Folge ziehen sich viele von ihnen sozial zurück, meiden zwischenmenschliche Kontakte und sind in ihrer Alltags- und Arbeitsfähigkeit deutlich eingeschränkt.
Oftmals erfolgen wiederholte Arztbesuche – insbesondere bei Dermatologen, plastischen Chirurgen oder anderen Operateuren – mit dem Ziel, den vermeintlichen Mangel beseitigen zu lassen. Auch selbstverletzendes Verhalten ist ein mögliches Symptom.
Viele Betroffene haben keine oder nur eine geringe Krankheitseinsicht, sondern sind fest von dem Vorhandensein der betreffenden Makel beziehungsweise ihrer Unattraktivität überzeugt.
Therapie der Dysmorphophobie
Eine frühe Erkennung und Therapie erhöht die Chancen auf eine Besserung der Symptome. Betroffene begeben sich jedoch oft nicht oder erst sehr spät in Behandlung, meist aus Scham oder Unwissenheit.
Therapeutisch steht eine kognitive Verhaltenstherapie im Vordergrund – mit drei zentralen Elementen:
- Exposition: Betroffene sollen den scheinbaren Makel in der Öffentlichkeit zeigen und erkennen, dass das Umfeld diesen nicht entdeckt oder als negativ wahrnimmt.
- Kognitive Umstrukturierung: Die Betroffenen lernen, belastende Gedanken zu erkennen und zu verändern; den perfektionistischen Ansprüchen werden realistische entgegengesetzt.
- Ritualprävention: Die ständige Selbstkontrolle und die Versuche, den vermeintlichen Makel zu verstecken, werden reduziert.
Abhängig von der Schwere der Erkrankung können ergänzend Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Antidepressiva) wie Fluoxetin oder Escitalopram eingesetzt werden. Kosmetische Eingriffe sind kontraindiziert, da sie keine anhaltende Besserung bewirken und Unzufriedenheit eher noch verstärken.
Ohne geeignete Behandlung verläuft die Erkrankung häufig chronisch – nur wenige Patienten erfahren eine spontane Besserung. Quellen (Autorin wf):
Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e.V.; MSD Manual; KDS-NET; dpa
(Autor ak)
doccheck; wikipedia.org; netdoktor.de; n-tv.de
Körperdysmorphe Störung in Kürze
- Psychische Störung, klassifiziert unter „Zwangsstörungen und verwandte Störungen“; Betroffene haben verzerrte Körperwahrnehmung, sehen sich selbst anders als Außenstehende.
- Betroffene finden sich nicht schön genug, bilden sich Makel im Aussehen ein oder überbewerten kleine vorhandene Makel.
- Führt zu zwanghaften Verhaltensweisen wie ständigem Überprüfen des Aussehens im Spiegel, selbstmanipulativen Maßnahmen, Vermeiden von sozialer Teilhabe.
- Relativ häufig: bei circa 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung; oft Begleiterkrankungen wie Essstörungen oder Depressionen vorhanden.
- Therapie: kognitive Verhaltenstherapie, pharmakologisch mit hochdosierten Antidepressiva