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Herzwochen vom 1. bis 30. November: Plötzlicher Herztod betrifft auch junge Menschen

Fußballprofi Christian Eriksen auf dem Spielfeld
Fußballprofi Christian Eriksen erlitt während des EM-Spiels einen Herzstillstand. Die Ursache war eine erbliche Verdickung des Herzmuskels. | Bild: IMAGO / Bildbyran

EM 2021 in Kopenhagen, das Spiel Dänemark gegen Finnland. Auf einmal stürzte der Profifußballer Christian Eriksen zu Boden. Die Ursache: plötzlicher Herzstillstand. Rasch waren Helfer zur Stelle und begannen mit der Reanimation. Dank der schnellen Hilfe vor Ort und einem im Krankenhaus implantierten ICD-Defibrillator kann Eriksen heute wieder Fußball spielen.

Allein in Deutschland sterben jährlich über 65.000 Menschen an einem plötzlich auftretenden Herztod. Damit ist der Herzstillstand die häufigste Todesursache außerhalb von Krankenhäusern.  

Die meisten Betroffenen leiden schon im Vorfeld unter einer langjährigen Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit; kurz KHK). Da die KHK meistens erst bei älteren Menschen in Erscheinung tritt, wird der plötzliche Herztod eher als ein Problem des Alters wahrgenommen. 

„Allerdings können auch junge sportliche Menschen unter 40 Jahren – wenn auch selten – einen plötzlichen Herztod erleiden“, warnt Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Herzspezialist und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Der Fall Eriksen schien dies zu bestätigen.

Herzwochen vom 1. bis 30. November

In diesem Jahr widmen sich die Herzwochen (vom 1. bis 30. November) der Deutschen Herzstiftung intensiv mit den Ursachen des plötzlichen Herztod. Die Aktionswochen sollen darüber informieren, wie Vorbeugung, frühzeitiges Erkennen und die konsequente Behandlung von Herzerkrankungen helfen, das Risiko eines plötzlichen Herztods zu reduzieren.

Initiiert wurden die Herzwochen von der Deutschen Herzstiftung. Quelle: Deutsche Herzstiftung 

Was kann zum plötzlichen Herztod führen?

In etwa 40 Prozent der Fälle sind die Betroffenen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Im Alter von 1 bis 40 Jahren treten in Deutschland jährlich etwa 1.000 bis 2.000 Todesfälle durch einen plötzlichen Herztod auf.

Häufig stellt der plötzliche Herzstillstand bei jungen, scheinbar gesunden Menschen ein erstes Anzeichen einer zugrundeliegenden Herzerkrankung dar. Zu den häufigsten Ursachen zählen

Auch im Falle des Profifußballers Christian Eriksen lag eine erblich bedingte Ursache vor: eine Verdickung des Herzmuskels (angeborene hypertrophe Kardiomyopathie).

Herztod-Risiko: auf Warnsignale achten

Um dem Risiko eines plötzlichen Herzstillstands entgegenzuwirken, kann durchaus auf bestimmte Warnsignale geachtet werden. Dazu zählen:

  • unklare Ohnmachtsanfälle, die z. B. durch Stress, körperliche Aktivität oder laute Geräusche ausgelöst werden
  • Herzschwäche bzw. Herzinsuffizienz und/oder Herzschrittmacher vor dem 50. Lebensjahr
  • Schwindelanfälle
  • Krampfanfälle ohne diagnostizierte Epilepsie
  • nicht erklärbarer Autounfall (auch bei bekannter Epilepsie)
  • plötzliche ungeklärte Todesfälle in jungen Jahren in der Familie

Herzstillstand auch beim Sport möglich

Zwar ist regelmäßiger Sport eine der effektivsten Maßnahmen, um das Herz gesund und leistungsfähig zu halten, doch kann es auch bei körperlicher Anstrengung zu einem plötzlichen Herzstillstand kommen. Die Häufigkeit beläuft sich auf etwa 1 bis 2 Todesfälle pro 100.000 Sporttreibende im Jahr. Insbesondere bei einem vorgeschädigten Herz kann sportliche Aktivität zu Kammerflimmern und unbehandelt innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen.  

Meist liegt dem plötzlichen Herzstillstand beim Sport eine unerkannte Herzerkrankung zugrunde. Sportmediziner Prof. Meyer betont, dass „verpflichtende sportmedizinische Untersuchungen das Risiko eines plötzlichen Herztodes bei Sportlern deutlichen senken könnten“. Insbesondere junge Menschen ohne bekannte Herzerkrankung sollten, bevor sie aktiv Sport treiben, ihr Herz untersuchen lassen. 

Besteht ein angeborener Herzfehler, sollte das Herz – auch unabhängig von sportlicher Aktivität – regelmäßig kontrolliert werden.

Nach Infekt Schongang einlegen

Oft kann auch eine unerkannte Herzmuskelentzündung (Myokarditis), z. B. nach einem vorausgegangenen Infekt (z. B. SARS-CoV-2), zum plötzlichen Herztod bei Sportlern führen. Sporttreibende sollten sich daher ausreichend schonen und das Training erst wieder aufnehmen, wenn sie vollständig genesen sind.  

Liegt eine gesicherte Myokarditis vor, sollte mindestens drei bis sechs Monate auf Sport, körperliche Belastung u. Ä. verzichtet werden. Beides sei erst wieder möglich, sobald sich die Herzfunktion komplett regeneriert hat, so der Kardiologe Prof. Voigtländer. Quellen: Deutsche Herzstiftung e.V. 

Aufklärungskampagne zu plötzlichem Herztod gestartet

Um mehr für das Thema „plötzlicher Herztod bei jungen Menschen“ zu sensibilisieren, haben die Deutsche Herzstiftung, das Zentrum für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am Universitätsklinikum Frankfurt am Main sowie das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes gemeinsam die Aufklärungskampagne „Gemeinsam gegen den plötzlichen Herztod“ gestartet. Die Initiative macht auf Informationsangebote für Betroffene aufmerksam und bietet eine Übersicht von Spezialambulanzen mit Diagnose-, Therapie- und Präventionsangeboten.  

Für Apotheken, Arztpraxen und Kliniken stellt die Initiative kostenlose Info-Pakete mit Plakaten und Postkarten zum Auslegen zur Verfügung. Bestellungen können entweder über die Website der Kampagne, per Telefon unter 069 955128-400 oder per Mail unter versand@herzstiftung.de (Stichwort: „Info-Paket gemeinsam gegen plötzlichen Herztod“) aufgegeben werden.

Außerdem wird ein bundesweites Register am Zentrum für plötzlichen Herztod aufgebaut: „RESCUED“ (Register zur Prävention des Sudden/UnExpected Cardiac Death). Mit Hilfe des Projekts sollen Risikofaktoren für plötzliche Herztodesfälle erkannt und gezielt individuelle Präventionsstrategien entwickelt werden, erklärt der Herzstiftungs-Vorsitzende Voigtländer. Im Fokus der Untersuchungen stehen vor allem erbliche Genvarianten, die Auslöser für einen Herzstillstand sein können.