In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Badeunfall: Wie rettet man jemanden vor dem Ertrinken?

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verzeichnete 2025 in Deutschland insgesamt 393 Ertrinkungsunfälle und damit immerhin 18 weniger als im Vorjahr. Der regnerische Juli hatte die Menschen vom Wasser ferngehalten.
Dem steht für das Jahr 2026 allerdings schon jetzt ein trauriger Rekord gegenüber: Allein im Juni sind mindestens 99 Menschen ertrunken – so viele wie seit 23 Jahren nicht mehr (107 Badetote im Juni 2003). Das liegt an der extremen Hitzewelle, die Menschen auf der Suche nach Abkühlung in Seen, Flüsse, Freibäder und das Meer treibt.
DLRG: Vor allem Männer bei Badeunfällen betroffen
„Der tragische Start in die Badesaison gibt Anlass zur Sorge, dass bei weiteren Hitzewellen im Hochsommer erneut viele Menschen ihr Leben im Wasser verlieren könnten“, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt.
Sie weiß, dass es an sonnigen und heißen Sommertagen zu mehr Unfällen kommt und dass Männer und Jungen deutlich häufiger ertrinken als Frauen und Mädchen:
„Über 90 Prozent der Todesopfer im Juni waren männlich; unter den jungen Leuten sogar alle. Wir appellieren deshalb besonders an Jungen und Männer, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und auf riskante Aktionen zu verzichten.“
Das gelte besonders in Flüssen, unter anderem aufgrund von Strömungen. Und tatsächlich haben sich laut DLRG im Juni die meisten tödlichen Badeunfälle in Seen und Flüssen ereignet. In Schwimmbädern, Kanälen und im Meer starben weitaus weniger Menschen.
Badeunfall: Allgemeine Hinweise zur Risikominderung
Viele unterschätzen außerdem den Temperaturunterschied beim Sprung ins Wasser. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen – vor allem Kinder, die während der COVID-19-Pandemie aufgewachsen sind – schlecht oder gar nicht schwimmen können.
Ganz allgemein sollten Badende laut DLRG ihre Kinder immer beaufsichtigen, auf Mitmenschen achten, beim Paddeln oder Surfen eine Schwimmweste tragen, genug trinken und sich nicht zu lange der Sonne aussetzen.
Das Baden unter Alkohol- und Drogeneinfluss sei höchst gefährlich und unbedingt zu vermeiden.
Was ist zu tun, wenn jemand zu ertrinken droht?
Wichtig ist, als Erstes andere Menschen auf den Notfall aufmerksam zu machen. So kann parallel zu Rettungsmaßnahmen die 112 gewählt werden.
Die DLRG betont, dass der Eigenschutz an erster Stelle steht. Es bringt schließlich nichts, selbst auch noch zum Notfall zu werden. Deshalb sollte man nur selbst einen Rettungsversuch starten, wenn man dazu sicher in der Lage ist, zum Beispiel aufgrund einer Rettungsschwimmerausbildung oder besonderer schwimmerischer Fähigkeiten.
Wer kein geübter oder gar Rettungsschwimmer ist, sieht sich erst nach geeigneteren Helfern um und kann ein nicht bewusstloses Badeopfer in der Zwischenzeit unterstützen, indem er ihm einen schwimmfähigen Gegenstand zuwirft.
Das ist im Idealfall eine Rettungsboje oder ein Rettungsring, es können aber auch schon ein dicker Ast oder ein Ball erste Unterstützung geben.
Wenn die zu ertrinkende Person schwimmend gerettet werden muss, sollte man sich von hinten nähern, damit sich der Betroffene nicht panisch an den Retter klammert.
Eine bewusstlose Person kann im Kopfschleppgriff an Land gebracht werden. Dabei platziert man von hinten beide Hände am Kinn der bewusstlosen Person und strampelt sich in Rückenlage mit gleichmäßigen Beinschlägen im Froschstil ans Ufer. Die Atemwege des Badeopfers sollten hierbei stets über Wasser bleiben.
Am Ufer sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten
Nachdem die zu rettende Person ans Ufer gebracht wurde, dreht man ihren Kopf zur Seite, um Wasser, etwaige Fremdkörper oder Erbrochenes aus Mund und Rachen zu entfernen.
Anschließend prüft man, ob das Opfer bei Bewusstsein ist und regelmäßig atmet. Ansprechbare Personen beruhigt man und wärmt sie mit einer warmen Decke oder trockener Kleidung auf.
Selbst wenn sie gesund wirken und die Gefahr gebannt scheint, müssen sie ärztlich untersucht werden, da die Gefahr von Komplikationen und Spätfolgen wie einer Lungenentzündung oder einem Lungenödem („sekundäres Ertrinken“) besteht.
Gut zu wissen: Was ist „sekundäres Ertrinken“?
Ist Wasser in die Lunge des Betroffenen gelangt, kann es zum „sekundären Ertrinken“ kommen. Dabei verursacht das Wasser eine Lungenentzündung, ein Lungenödem oder sogar eine Blutvergiftung.
Daher sollte nach einem Badeunfall, bei dem potenziell Wasser in die Lunge gelangt ist, ärztlicher Rat eingefordert werden.
Ist die gerettete Person bewusstlos, atmet aber normal, bringt man sie in die stabile Seitenlage und überprüft den Puls, zum Beispiel mit zwei Fingern an der Halsschlagader.
Hat die Atmung ausgesetzt oder läuft nicht normal ab (zum Beispiel Schnappatmung oder Röcheln), so beginnt der Retter mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.
Wenn der Betroffene nicht normal oder gar nicht atmet, ist die Herz-Lungen-Wiederbelebung einzuleiten. Wenn ein Defibrillator vorhanden ist, sollte dieser bei Kreislaufstillstand genutzt werden.
Herz-Lungen-Wiederbelebung von Badeopfern
Anders als bei sonstigen Unfällen beginnt die Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Badeopfern mit einer fünffachen Beatmungssequenz: Dazu das Kinn des Kollabierten vorsichtig nach oben heben, sodass die Luftröhre gestreckt wird und nicht abknickt.
Die Nasenflügel zusammendrücken, den Mund auf den geöffneten Mund des zu Rettenden pressen und eine Sekunde lang kräftig ausatmen. Das Ganze fünfmal wiederholen.
Anschließend kontrolliert der Ersthelfer erneut die Atmung. Hat sich diese nicht normalisiert, beginnt das übliche Schema einer Reanimation mit jeweils 30 Herzdruckmassagen und dazwischen je zwei Beatmungen.
Für die Herzdruckmassage im Knien neben der bewusstlosen Person einen Handballen auf die Mitte des Brustkorbs setzen und die zweite Hand auf den Handrücken der ersten platzieren. Mit gestreckten Armen drückt man das Brustbein tief (fünf bis sechs Zentimeter) und schnell (100- bis 120-mal pro Minute) in Richtung Wirbelsäule.
Um in den Rhythmus des Drückens zu kommen, kann man sich an verschiedenen Songs orientieren: 100 bis 120 Beats per Minute haben zum Beispiel „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees, „Dancing Queen“ von ABBA oder „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer.
Das Deutsche Rote Kreuz, der Deutsche Rat für Wiederbelebung, der Malteser Hilfsdienst und andere Institutionen haben beim Musik-Streamingdienst Spotify Playlists zur Wiederbelebung erstellt mit Songs, die den entsprechenden Rhythmus haben.
Die Reanimation wird bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes durchgeführt. Gerade bei Hypothermie (Unterkühlung) sind Fälle bekannt, in denen Verunglückte auch nach längerer Reanimationszeit mit gutem neurologischem Outcome überlebten. Quellen (Autor ak):
https://www.spektrum.de/news/sicher-helfen-wie-hilft-man-ertrinkenden/2090487
https://www.dlrg.de/informieren/die-dlrg/presse/statistik-ertrinken/
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/badetote-juni-102.html
Zur Erinnerung: Erste-Hilfe-Kurse nicht nur für den Führerschein
Um im Ernstfall bestmöglich reagieren und unter Umständen Leben retten zu können, sollte man sein Wissen in Erster Hilfe auffrischen. Schließlich haben sich viele Menschen als Teil der Fahrausbildung zum letzten Mal mit dem Thema befasst.
Entsprechende Kurse organisieren der ADAC, das Deutsche Rote Kreuz und andere Hilfs- und Sozialdienste, aber auch private Anbieter wie „DeinErsteHilfe“ oder „M-A-U-S Seminare“. Viele von ihnen differenzieren ihr Angebot und haben zum Beispiel auch Erste Hilfe für Kinder im Programm.