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WHO: Hitzewellen sind kein einmaliges Extremwetter

Frau sitzt auf dem Boden, lehnt gegen ein Sofa und genießt kühle Luft von einem Ventilator
Hitzewellen werden in Zukunft häufiger auftreten. | Bild: olezzo / AdobeStock

Meteorologen erwarten für die kommenden Tage in Deutschland wieder Temperaturen über 30 Grad, örtlich seien sogar 40 Grad möglich. Vor wenigen Wochen hatte es bereits schon einmal solche Extremtemperaturen gegeben. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dieses Wetter nur ein Vorbote dessen, was Europa in den kommenden Jahren erwarten wird.

Hitze kein einmaliges Ereignis mehr

„Diese Hitzewelle ist eine Generalprobe“, sagt der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, laut einer Mitteilung. „Die nächsten Sommer werden noch schwieriger werden.“

Hitzewellen seien längst keine „einmaligen Extremereignisse“ mehr, sondern wiederkehrende Krisen. „Sie treten häufiger auf, werden intensiver und dauern länger.“

Gut zu wissen: Ab wann spricht man von Hitzewelle?

Als Hitzewelle werden ungewöhnlich lange Phasen von aufeinander folgenden ungewöhnlich heißen Tagen bezeichnet.  

Es gibt verschiedene Definitionen für heiße Tage oder Hitzetage, aber im deutschsprachigen Raum sind meist Tage mit Höchsttemperaturen von 30 Grad oder mehr gemeint.

Bei Hitze mehr Rettungseinsätze und Todesfälle

Rettungsdienste meldeten derzeit laut WHO Rekordzahlen zu Einsätzen. In Frankreich sei die Zahl der Notrufe in einigen Städten um bis zu 50 Prozent gestiegen. In London sei Mitte Juni die höchste Zahl an Notrufen in lebensbedrohlichen Situationen registriert worden, die der Rettungsdienst dort jemals an einem Tag verzeichnet habe. Und in Spanien habe es binnen weniger Tage geschätzt mehr als 300 hitzebedingte Todesfälle gegeben.

Auch in Deutschland führen Hitzeperioden regelmäßig zu einem Anstieg der Sterbefälle. So schätzt das Robert Koch-Institut (RKI), dass es im Zeitraum zwischen dem 6. April und dem 21. Juni 2026 810 hitzebedingte Todesfälle gegeben hat.

Verglichen mit Zahlen aus den letzten zehn Jahren und auf Basis seiner Berechnungsmodelle geht das RKI davon aus, dass „auch in diesem Sommer auftretende Hitzeperioden wieder in gleicher Weise zu erhöhter Mortalität führt“. 

Hitzenotfälle im Überblick:

Hitzekrampf: Durch die Absonderung und das Verdunsten von Schweiß versucht der Körper, sich abzukühlen. Allerdings geht diese Kühlfunktion auch mit erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten einher. Werden diese Verluste nicht ausgeglichen, können Muskelzuckungen und -krämpfe entstehen.

Hitzeerschöpfung: Durch den starken Flüssigkeits- und Elektrolytverlust verringert sich auch die zirkulierende Blutmenge (Dehydratation). Zusätzlich erweitern hohe Temperaturen die Blutgefäße. Als Folge fällt der Blutdruck stark ab, was bis zur Bewusstlosigkeit (Hitzekollaps) führen kann. Weitere Symptome sind Durst, Schwindel und Kopfschmerzen.

Hitzschlag: Durch lange Einwirkung hoher Temperaturen kommt es zu einer Störung der Wärmeregulation. Der Körper ist nicht mehr in der Lage die Wärme abzugeben und überhitzt (Körpertemperatur > 40 °C). Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit, Bewusstlosigkeit und ein erhöhter Puls.

Sonnenstich: Durch übermäßige Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken kann es zu einer Reizung der Hirnhäute und in schweren Fällen zu Hirndrucksteigerungen kommen. Betroffene leiden unter heftigen Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, Fieber, Schwindel, Ohrensausen bis hin zu Bewusstseinsverlust.

Viele Länder nicht auf Hitze vorbereitet

Auf solche Situationen seien viele Staaten nach wie vor nicht ausreichend vorbereitet, mahnte Kluge von der WHO. Gerade für Ältere, Kranke und andere Risikogruppen birgt das Gefahren, wie man immer wieder in Hitzewellen etwa in Europa beobachten kann. 

„Mehr als die Hälfte der europäischen Länder verfügt bislang noch immer nicht über einen umfassenden Hitzeaktionsplan.“ Dieser könne Leben retten – gemeinsam mit Frühwarnsystemen, kühlen Orten und der Unterstützung gefährdeter Menschen.

In manchen Ländern und Städten sieht Kluge gute Vorbilder. Barcelona etwa habe sein Netz an Klimaschutzräumen auf mehr als 500 Standorte ausgeweitet. Dazu zählen etwa Bibliotheken, Parks und Apotheken. 

Paris habe sein Register für Kontrollanrufe bei besonders gefährdeten Bürgern aktiviert und den Verkauf von Alkohol eingeschränkt. „Das sind nur wenige Beispiele für praktische und gut umsetzbare Maßnahmen“, so Kluge. „Jede Stadt in Europa sollte über vergleichbare Konzepte verfügen.“

Gesundheits- und Klimaexperten halten Deutschland auf Extremhitze bislang nicht ausreichend vorbereitet. Mehr als 150 Organisationen forderten jüngst, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren. 

In Deutschland sind die Bundesländer und Kommunen für die Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen und -maßnahmen zuständig. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums verfügen bislang sieben von 16 Bundesländern über einen landesweiten Hitzeaktionsplan, ein weiteres arbeitet daran. Quelle: dpa, RKI 

Tipps für heiße Tage im Überblick

  • Überwiegend im Schatten oder in kühlen Räumen aufhalten. Dies gilt vor allem für die Mittagshitze von 11.00–16.00 Uhr.
  • Leichte, nicht zu enge Kleidung tragen (am besten aus Naturmaterialien).
  • In der Sonne eine helle Kopfbedeckung tragen.
  • Körperliche Anstrengung wie Gartenarbeit und das Tragen schwerer Einkaufstüten vermeiden.
  • Leichte Speisen (Gemüse, Fisch, Obst, Suppen) bevorzugen.
  • An heißen Tagen zusätzlich zum normalen Flüssigkeitsbedarf ein bis zwei Liter trinken (kein Alkohol, keine eiskalten Getränke); Vorsicht ist bei Herzpatienten geboten!