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Viele Menschen meiden Gesundheitsinformationen

Obwohl die frühzeitige Erkennung von Krankheiten oft essenziell für eine erfolgreiche Behandlung ist, gehen viele Menschen nicht zur Vorsorge – selbst dann nicht, wenn sie um die Wichtigkeit der Kontrollen wissen und die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.
Eine Arbeitsgruppe des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin hat untersucht, wie verbreitet das Phänomen der Informationsvermeidung ist und wo die Gründe liegen. Dazu analysierten sie Daten aus 92 Studien mit insgesamt 564.497 Teilnehmenden aus 25 Ländern inklusive Deutschland.
Studie untersucht verschiedene Krankheiten
Das Autorenteam um Konstantin Offer bezog in ihre Analyse Studien ein, die sich unter anderem mit den Krankheiten Alzheimer, HIV/AIDS, Krebs, Diabetes und Huntington beschäftigten.
Dabei definierten sie Informationsvermeidung als „jede Form von Verhalten, die darauf abzielt, die Beschaffung verfügbarer, aber potenziell unerwünschter Informationen zu verhindern oder zu verzögern“. Dazu gehören
- das Vermeiden oder Verzögern von Arztbesuchen,
- das Ignorieren von Aufklärungsmaterialien und
- das Ablehnen von Tests beziehungsweise das Nicht-zur-Kenntnis-Nehmen der Testergebnisse.
Gründe für die Vermeidung von Gesundheitsinformationen
Wie die Forschenden des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung herausfanden, meiden fast ein Drittel der Studienteilnehmenden medizinische Informationen oder werden sie im Fall der Fälle wahrscheinlich meiden.
Dabei hängt die Vermeidungsquote von der Art der Krankheit ab: Bei unheilbaren neurodegenerativen Krankheiten ist sie höher (z. B. Alzheimer 41 Prozent, Huntington 40 Prozent) als bei schweren, aber behandelbaren Krankheiten (z. B. HIV-Infektion 32 Prozent, Krebs 29 Prozent, Diabetes 24 Prozent).
Des Weiteren ermittelte das Autorenteam 16 Faktoren, die das Vermeidungsverhalten begünstigen. Die wichtigsten stammten allesamt aus dem kognitiven Bereich. Dazu zählen:
- Angst vor Stigmatisierung, z. B. durch eine HIV-Infektion,
- Zweifel, die Diagnose bewältigen zu können,
- Überforderung durch die Informationsflut,
- mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem.
Geschlecht und ethnische Herkunft spielten dagegen keine Rolle in Bezug auf die Vermeidung medizinischer Informationen, und auch soziodemografische sowie gesundheitliche Faktoren lagen weit hinter den genannten kognitiven.
Forderung: Verhalten soll künftig geändert bzw. verbessert werden
Die Studienautoren ziehen nicht nur aus der hohen Zahl der Informationsverweigerer, sondern auch aus den identifizierten begünstigenden Faktoren klare Schlüsse: In ihren Augen sind politische Maßnahmen nötig, die Überforderung, das Misstrauen ins Gesundheitssystem und die (gefühlte) Stigmatisierung zu verringern. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/warum-viele-menschen-gesundheitsinformationen-meiden-f0e71a29-6dc1-44c2-b390-4434f44d18ef
- https://www.mpib-berlin.mpg.de/de
- https://academic.oup.com/abm/article/59/1/kaaf058/8229759?login=false