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Rosacea: Ursachen und Behandlung

Frau mit Rosacea im Gesicht
Rosacea ist eine Hauterkrankung, die sich durch anhaltende Gesichtsrötungen, sichtbare Äderchen sowie entzündliche Knötchen äußert. | Bild: iso100production / AdobeStock

Rosacea (Rosazea) ist eine chronisch-entzündliche, schubweise verlaufende Hauterkrankung, die typischerweise das zentrale Gesicht betrifft – Nase, Wangen, Stirn und Kinn – und sich über verschiedene Stadien und Formen manifestiert. 

Die höchste Prävalenz tritt in den Altersgruppen der 30- bis 39-Jährigen und der 50- bis 59-Jährigen auf, wobei sich die Erkrankung typischerweise im mittleren Lebensalter, insbesondere bei Personen mit hellem Hauttyp, manifestiert.

Symptome bei Rosacea

Rosacea wird nicht mehr als Variante der Akne verstanden, obwohl einige Symptome wie Papeln und Pusteln ähnlich sein können. Entscheidend für eine Rosacea sind jedoch: kein Vorhandensein von Mitessern (Komedonen), persistierende Rötung, vaskuläre und entzündliche Veränderungen sowie gegebenenfalls Gewebeverdickungen, bei welchen Vergrößerungen (Hyperplasien) von Bindegewebe und Talgdrüsen möglich sind.

Die ersten Anzeichen können flüchtig sein – etwa plötzliches Erröten („Flush“), sichtbare Erweiterungen von Blutgefäßen (Teleangiektasien), Hitze- oder Brenngefühle, oft ausgelöst durch individuelle Triggerfaktoren. Solche Symptome kennzeichnen das Vorstadium („Prä-Rosacea“) und können übergehen in beständigere Formen, die sich etwa durch Papeln und Pusteln manifestieren. 

Manche Patienten, vorwiegend Männer, entwickeln eine knollenartige Verdickung der Nase (Rhinophym). Seltener sind auch andere Gesichtspartien wie Ohr, Kinn oder Augenlid betroffen. Frauen sind häufiger von einer Rosacea betroffen, aber schwere Formen wie etwa genanntes Rhinophym treten häufiger bei Männern auf.

Die Entwicklung durch diese Stadien ist nicht zwingend sequenziell. Manche Betroffene überspringen Phasen, oder Symptome treten gemischt auf. Es ist auch nicht bei jedem Verlauf garantiert, dass die phymatöse Phase eintritt.

Individuelle Therapiekonzepte bei Rosacea

Die Pathophysiologie der Rosacea ist komplex. Beteiligt sind vaskuläre Dysregulationen (z. B. gesteigerte Vasodilatation), eine Überaktivität des angeborenen Immunsystems, Störungen der Hautbarriere sowie neurogene Entzündungsprozesse. Triggerfaktoren, die sehr individuell sind, können Schübe auslösen oder verstärken.

Lange galt die Einteilung in vier Subtypen (erythematoteleangiektatisch, papulopustulös, phymatös und okulär). Inzwischen empfiehlt die internationale ROSCO-Initiative (Global ROSacea COnsensus Panel) sowie die deutsche S2k-Leitlinie, phänotypisch vorzugehen – also die tatsächlich sichtbaren und führenden Symptome in den Mittelpunkt zu stellen. Diese veränderte Betrachtungsweise ermöglicht individualisierte Therapiekonzepte und eröffnet der Beratung in der Apotheke neue Möglichkeiten.

Diagnostik der Rosacea: Individuelle Betrachtung 

In der Offizin zeigt sich Rosacea häufig in Form unspezifischer Beratungsanliegen: „Meine Haut rötet sich ständig“ oder „Ich habe Pickel, aber Akne kann es doch nicht sein“. Für das pharmazeutische Personal ist es wichtig, typische Merkmale im Blick zu haben:

  • persistierende Gesichtsrötung (v. a. Wangen, Nase, Stirn, Kinn)
  • wiederkehrende Flushs
  • Teleangiektasien
  • entzündliche Papeln und Pusteln ohne Komedonen

Gut zu wissen: Wann mit Rosacea zum Arzt?

Bei folgenden Anzeichen sollte die betroffene Person an einen Dermatologen überwiesen werden:

  • Verdacht auf okuläre Rosacea (Lidrandentzündungen, Fremdkörpergefühl, trockene, tränende und brennende Augen)
  • phymatöse Hautverdickungen, besonders im Nasenbereich
  • unklare oder atypische Hautveränderungen (z. B. Abgrenzung zu Lupus erythematodes, perioraler Dermatitis, seborrhoischer Dermatitis oder Akne vulgaris)
  • schwere, therapieresistente Verläufe
  • Verdacht auf Steroidrosacea: bei längerer systemischer oder topischer Glucocorticoidtherapie. Nach Absetzen der Steroide kommt es jedoch sehr häufig zu einer deutlichen Verschlimmerung der Symptome (Circulus vitiosus).

Für die tägliche Praxis gilt: Das Apothekenpersonal kann eine Verdachtsdiagnose unterstützen und Orientierung geben, die endgültige Diagnosestellung gehört jedoch in die dermatologische Hand. 

Topische Therapie bei Rosacea

Die lokale Behandlung ist für die meisten Patienten erste Wahl und kann bei leichtem bis moderatem Schweregrad in vielen Fällen ausreichend sein. Entscheidend ist die phänotypische Ausrichtung, ebenso wie der Hauttyp des Patienten:

  • Erytheme und Teleangiektasien: Brimonidin als 0,33%iges Gel oder seltener Oxymetazolin als 1 %ige Creme als gefäßverengende Wirkstoffe können die Rötung sichtbar reduzieren.
  • Entzündliche Papeln und Pusteln: Metronidazol 0,75 % als Gel, Creme, Lotion oder Mikroemulsion, Azelainsäure 15 % Gel und Ivermectin 1 % Creme (bei Beteiligung der Haarbalgmilbe Demodex, die eine Rolle bei der Entstehung von Rosacea spielen kann) gelten als etablierte Substanzen. Off-label sind unter anderem etwa Retinoide, Permethrin oder Calcineurin-Inhibitoren verfügbar.
  • Pflege als Basis: Milde, seifenfreie Reinigungsprodukte, nichtkomedogene Feuchtigkeitspflegen und täglicher Sonnenschutz mit LSF 50 sind unverzichtbar.

Die Wirkstoffe sollten ein- bis zweimal täglich dünn aufgetragen werden. Dabei ist darauf zu achten, dass die Cremes/Gele nach der Reinigung in kleiner Menge gleichmäßig verteilt werden sollten. Außerdem ist eine zu aggressive Hautpflege kontraproduktiv, da die Haut bei Rosacea besonders empfindlich und reizbar ist. 

Die Therapiedauer erstreckt sich über viele Wochen oder Monate – ein konsequentes Anwenden führt jedoch im besten Fall zur Erscheinungsfreiheit.

Systemische Optionen bei schweren Rosacea-Verläufen

Bei therapieresistenten Formen der Rosacea und schwereren Verlaufsformen kommen systemische Therapien infrage. Standard ist niedrig dosiertes Doxycyclin (40 mg, retardiert, 1x täglich). Es wirkt eher antiinflammatorisch als antibakteriell und ist in der Regel gut verträglich.

Mögliche Alternativen:

  • andere Tetrazykline wie Minozyklin (100–200 mg/d)
  • Makrolide wie Azithromycin (500 mg 3x/Woche für 4 Wochen, danach Reduktion), Erythromycin (250–1.000 mg/d)
  • Kombinationen mit topischen Therapien zur Wirkungsverstärkung, z. B. Doxycyclin in Kombination mit topischem Metronidazol, Azelainsäure oder Ivermectin
  • Isotretinoin 10 mg/d in ausgewählten Fällen, insbesondere bei phymatöser Rosacea
  • insbesondere bei Erythemen und Flushs: Carvedilol (6,25–25 mg/d)

Eine Besonderheit stellt die okuläre Rosacea dar. Hier steht eine enge Zusammenarbeit mit der Ophthalmologie im Vordergrund. Ist die Augenoberfläche mitbetroffen, empfiehlt die Leitlinie zur systemischen Therapie u. a. Doxycyclin oder Azithromycin und andere Makrolide bei moderater bis starker Augenbeteiligung. Auch bei okulärer Rosacea kann systemisches Ivermectin in Erwägung gezogen werden. Zusätzlich zur systemischen Therapie ist eine sorgfältige lokale Behandlung (Lidrandhygiene, ggf. topische Medikamente wie Ciclosporin-Augentropfen) verpflichtend.

Neben pharmakologischen Behandlungsoptionen können auch physikalische Verfahren wie Laser- und Lichttherapien eine wichtige Rolle spielen – insbesondere dann, wenn vaskuläre Symptome wie persistierendes Erythem und Teleangiektasien im Vordergrund stehen. Auch phymatöse Veränderungen lassen sich in fortgeschrittenen Fällen mittels ablativem Laser oder durch chirurgische Eingriffe reduzieren.

Wichtig für die Beratung: Darauf können PTA Kunden hinweisen

Ein zentraler Baustein in der Betreuung ist das Erkennen und Vermeiden individueller Auslöser. Häufige Trigger sind

  • UV-Strahlung und Hitze,
  • Temperaturwechsel,
  • sportliche Betätigung,
  • scharf gewürzte Speisen, Alkohol sowie heiße Getränke,
  • Stress und starke Emotionen sowie
  • Kosmetika mit irritativen Inhaltsstoffen.

Ein Rosacea-Tagebuch kann helfen, persönliche Zusammenhänge sichtbar zu machen. Schon kleine Lifestyle-Anpassungen wie Sonnenschutz, stressreduzierende Techniken oder eine angepasste Ernährung können die Schubhäufigkeit deutlich verringern. 

Die Auswahl geeigneter Pflegeprodukte ist essenziell. Empfehlenswert sind Formulierungen ohne Alkohol, Duftstoffe, Menthol/ätherische Öle oder mechanisch reizende Partikel. Die Produkte sollten beruhigend, feuchtigkeitsspendend und nichtkomedogen sein. O/W-Emulsionen werden meist besser vertragen als fettreiche Präparate. 

Besonders wichtig ist täglicher und ganzjähriger Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und guter Verträglichkeit.

Gut zu wissen: Häufige Fehler bei der Behandlung von Rosacea

  • zu aggressive Reinigung mit Seifen oder Peelings
  • spontane Selbstmedikation mit topischen Corticosteroiden (führt oft zu Verschlechterung)
  • Verwechslung mit Akne und Einsatz von Anti-Akne-Produkten
  • Verwendung zu vieler Wirkstoffe in der täglichen Routine

Psychosoziale Aspekte bei Rosacea nicht vergessen

Die sichtbare Erkrankung im Gesicht kann einen erheblichen Leidensdruck auslösen und die Lebensqualität Betroffener beeinträchtigen. Hier kann das pharmazeutische Personal durch Empathie, Zuhören und Verständnis viel bewirken. 

Ein Hinweis auf Selbsthilfegruppen oder Online-Communitys bietet zusätzliche Unterstützung. Auch die Therapietreue steigt, wenn Patienten sich ernst genommen und gut begleitet fühlen. Quellen:
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/013-065l_S2k_Rosazea_2022-02.pdf
- https://www.msdmanuals.com/de/heim/hauterkrankungen/akne-und-verwandteerkrankungen/rosazea
- https://www.aerzteblatt.de/archiv/rosazea-teil-1-aetiologie-klassifikation-diagnostik-neueaspekte-in-diagnostik-klassifikation-und-therapie-28fc2607-0932-4dcc-954e-fd2be8ecaa3a
- https://www.aerzteblatt.de/archiv/rosazea-teil-2-therapie-neue-aspekte-in-diagnostikklassifikation-und-therapie-2174d0c7-5615-48dd-a4e2-3e02d970b040
- https://www.pharmazeutische-zeitung.de/auch-die-augen-koennen-leiden-151660/
- https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bloss-nicht-reizen-149146/
- https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-042016/eine-belastung-fuer-haut-und-psyche/
- Karow T., Lang-Roth R.. 2022. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 31. Auflage. Köln: Dr. med Thomas Karow