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High-Protein-Trend: Wenn die Verdauung schlapp macht

Proteinreiche Ernährung ist wortwörtlich in aller Munde – ob im Fitnessstudio, im Rahmen einer Gewichtsreduktion oder im Kontext eines gesunden Lebensstils.
Doch gerade im Apothekenalltag zeigt sich: Viele Patienten berichten nach Proteinshakes oder -riegeln über Verdauungsbeschwerden. Aktuelle Berichte, etwa von der Fitnessmesse FIBO im April 2026, verdeutlichen das Problem eindrücklich: Dort wurde über auffällig starke Gasbildung nach hohem Proteinkonsum geklagt.
Zur Erinnerung: Was passiert bei der Proteinverdauung?
Nahrungsproteine werden bereits im Magen durch Salzsäure denaturiert und anschließend durch das Enzym Pepsin in kleinere Peptidfragmente gespalten. Im Dünndarm erfolgt die weitere Aufspaltung durch pankreatische Proteasen wie Trypsin, Chymotrypsin und Carboxypeptidasen. Die entstehenden Aminosäuren sowie Di- und Tripeptide werden anschließend über die Dünndarmschleimhaut resorbiert.
Wird jedoch über einen kurzen Zeitraum sehr viel Protein aufgenommen – insbesondere in Form hochkonzentrierter Proteinpräparate –, kann die Verdauungs- und Resorptionskapazität des Gastrointestinaltrakts überschritten werden. Nicht vollständig verdaute Proteinbestandteile gelangen dann in den Dickdarm.
Dort werden sie von proteolytischen Darmbakterien metabolisiert. Bei dieser bakteriellen Proteinfermentation entstehen verschiedene Stoffwechselprodukte, darunter:
- Gase wie Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan
- schwefelhaltige Verbindungen wie Schwefelwasserstoff
- kurzkettige Fettsäuren, Ammoniak und biogene Amine
Vor allem Schwefelverbindungen sind für den typischen intensiven Geruch von Flatulenzen verantwortlich. Beschwerden treten besonders häufig bei sehr proteinreicher Ernährung, großen Einzelportionen oder empfindlichem Verdauungssystem auf. Molkenprotein (Whey) gilt dabei aufgrund seiner hohen Konzentration und schnellen Verfügbarkeit als häufiger Auslöser entsprechender Symptome.
Typische Ursachen für Beschwerden bei proteinreicher Ernährung
Hohe Proteinmengen pro Mahlzeit: Werden große Mengen Protein auf einmal aufgenommen, kann die enzymatische Verdauungs- und Resorptionskapazität des Dünndarms vorübergehend überschritten werden. Nicht vollständig verdaute Proteinbestandteile gelangen dann in den Dickdarm und werden dort bakteriell fermentiert.
Zusammensetzung vieler Proteinprodukte: Verdauungsbeschwerden entstehen häufig nicht ausschließlich durch das Protein selbst, sondern auch durch Zusatzstoffe in Proteinshakes oder -riegeln. Dazu zählen insbesondere:
• Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Maltit
• Emulgatoren und Verdickungsmittel
Vor allem Zuckeralkohole können osmotisch wirken und Blähungen oder Durchfall begünstigen. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Zusatzstoffe die Zusammensetzung der Darmmikrobiota beeinflussen können.
Laktose in Molkenprotein-Produkten: Molkenprotein-Konzentrat (Whey-Konzentrat) enthält je nach Herstellungsverfahren relevante Mengen Laktose. Bei Personen mit eingeschränkter Laktaseaktivität kann dies zu typischen Beschwerden wie Meteorismus, abdominalem Druckgefühl oder Diarrhö führen
Ballaststoffarme Ernährung: Eine sehr proteinreiche Ernährung geht häufig mit einer reduzierten Ballaststoffzufuhr einher. Dadurch kann sich die bakterielle Zusammensetzung des Darms verändern. Gleichzeitig fehlen fermentierbare Ballaststoffe, die normalerweise eine ausgewogene Darmflora unterstützen.
Warum riechen die Gase besonders intensiv?
Bei der bakteriellen Fermentation von Proteinen entstehen neben Gasen auch schwefelhaltige Stoffwechselprodukte wie Schwefelwasserstoff oder Methanthiol. Diese Verbindungen sind maßgeblich für den charakteristisch intensiven Geruch verantwortlich. Besonders eiweißreiche Ernährung kann daher zu deutlich stärker riechenden Flatulenzen führen als eine überwiegend kohlenhydratbasierte Fermentation im Darm.
Beratung in der Apotheke: Worauf PTA achten sollten
PTA können Betroffene gezielt dabei unterstützen, proteinreiche Ernährung besser zu vertragen. Wichtig ist zunächst die Frage, wann die Beschwerden auftreten und welche Produkte verwendet werden. Häufig lassen sich die Symptome bereits durch kleinere Anpassungen deutlich reduzieren.
Sinnvoll ist beispielsweise, die Proteinzufuhr schrittweise zu steigern und große Einzelmengen zu vermeiden. Zudem sollte eine ausreichende Flüssigkeits- und Ballaststoffzufuhr angesprochen werden, da ballaststoffarme Ernährung Verdauungsprobleme zusätzlich begünstigen kann. Empfehlenswert ist außerdem, die tägliche Proteinmenge auf mehrere Mahlzeiten zu verteilen.
Auch die Auswahl des Produkts spielt eine wichtige Rolle. Manche Betroffene profitieren von besser verträglichen Proteinquellen, beispielsweise Whey-Isolaten mit geringerem Laktoseanteil oder pflanzlichen Alternativen. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste: Zuckeralkohole wie Sorbit oder Maltit sowie bestimmte Verdickungsmittel können Blähungen zusätzlich fördern.
Zur symptomatischen Behandlung kommen in der Selbstmedikation unter anderem Entschäumer wie Simeticon infrage. Je nach Situation können auch Probiotika oder Verdauungsenzyme sinnvoll sein, wobei hier individuell beraten werden sollte. Bestehen die Beschwerden dauerhaft oder treten zusätzlich Schmerzen, Durchfälle oder Gewichtsverlust auf, sollte eine ärztliche Abklärung empfohlen werden.