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Neurodermitis bei Kleinkindern: Tägliche Feuchtigkeitspflege hilft

Forschende um Eric L. Simpson von der Oregon Health & Science University haben anhand eines Kollektivs von 1.241 Probanden untersucht, wie sich eine tägliche Feuchtigkeitspflege bei Kleinkindern auf die Entwicklung einer atopischen Dermatitis (Neurodermitis) auswirkt.
Dafür ließen sie einen Teil der Babys ab einem Alter von etwa neun Wochen bis zu ihrem zweiten Geburtstag von ihren Eltern täglich großflächig mit feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukten eincremen und verglichen die Anzahl der Neurodermitis-Fälle im Alter von 24 Monaten mit einer Kontrollgruppe, deren Eltern auf die Feuchtigkeitspflege verzichtet hatten.
Die Eltern konnten aus fünf Hautpflegeprodukten wählen und sich gegen eine Anwendung auf dem Kopf und im Windelbereich entscheiden. Unterschiede zwischen den einzelnen Anwendungsarten wurden nicht untersucht.
Tägliche Feuchtigkeitspflege vermindert Neurodermitis-Wahrscheinlichkeit
In der Gruppe von Kleinkindern, die täglich mit feuchtigkeitsspendenden Pflegemitteln behandelt wurden, trat bei 36,1 Prozent im Lauf der ersten zwei Lebensjahre eine atopische Dermatitis auf. In der Kontrollgruppe ohne spezielle Feuchtigkeitspflege waren es 43,0 Prozent.
Das ergibt eine Hazard Ratio von 0,84 – also ein um 16 Prozent geringeres Risiko im Vergleich zur Kontrollgruppe. Betrachtete man nur die Probanden ohne erhöhtes Risiko für eine Neurodermitis (zum Beispiel solche Kinder, die keine Verwandten ersten Grades mit der Erkrankung haben), so fiel die Hazard Ratio mit 0,75 noch geringer aus.
Und noch positiver machte sich die Feuchtigkeitsbehandlung bemerkbar, wenn man nur die Familien mit Hund verglich: Hier lag die Hazard Ratio nur noch bei 0,68 im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Zur Erinnerung: Was ist die Hazard Ratio?
Die Hazard Ratio, also das Risikoverhältnis oder relative Risiko, beschreibt die Wahrscheinlichkeit des Erkrankens einer exponierten Gruppe im Vergleich zu einer nicht exponierten Kontrollgruppe.
Eine Hazard Ratio unter 1,0 beschreibt ein niedrigeres Risiko im Vergleich zur Kontrollgruppe, eine Hazard Ratio über 1,0 ein erhöhtes Risiko.
Feuchtigkeitspflege könnte späteren Allergien vorbeugen
Diese Studie konnte als erste eine mögliche positive Wirkung von Feuchtigkeitspflegeprodukten in Bezug auf die Entwicklung einer atopischen Dermatitis aufzeigen. Das liegt unter Umständen daran, dass die Applikationsdauer mit fast zwei Jahren doppelt so lang war wie bei allen vorangegangenen Studien, die mit Anwendungszeiträumen von maximal zwölf Monaten arbeiteten.
„Das Endziel dieser Forschungslinie“, schreibt Erstautor Eric L. Simpson für die Autorengruppe, „ist die Entwicklung von Hautpflegeleitlinien für Familien mit kleinen Kindern, die der Entwicklung eines Ekzems bestmöglich vorbeugen.“
Zudem ließe sich so unter Umständen die Wahrscheinlichkeit von zusätzlich auftretenden Allergien verringern, die bei atopischer Dermatitis (AD) im Kleinkindalter oft zu beobachten seien.
„Es gibt einige Daten, die darauf hindeuten, dass systemische allergische Reaktionen durch Hautentzündungen ausgelöst werden können. Daher kann die Förderung der täglichen Anwendung von Flüssigkeitsspendern nicht nur für die Entwicklung von AD, sondern auch für allergische Erkrankungen insgesamt von Vorteil sein.“ Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/tagliche-feuchtigkeitszufuhr-fur-die-haut-senkt-wahrscheinlichkeit-fur-atopisches-ekzem-bei-babys-8859d5d2-4824-49a0-8e4b-0dc7a2aa0122
https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2836819
https://flexikon.doccheck.com/de/Atopische_Dermatitis