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Leitlinie zu depressiven Störungen bei Kindern aktualisiert

Depressive Störungen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können schon in der frühen Kindheit auftreten und erhöhen das Risiko für weitere psychische und somatische Erkrankungen.
Vor diesem Hintergrund hat eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, die S3-Leitlinie „Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ aktualisiert.
Zur Erinnerung: Was ist eine Leitlinie?
Medizinische Leitlinien sind systematisch entwickelte Aussagen zur Unterstützung der Entscheidungsfindung von Ärzten, anderen im Gesundheitssystem tätigen Personen und Patienten. Das Ziel ist eine angemessene gesundheitsbezogene Versorgung in spezifischen klinischen Situationen.
Leitlinien werden in vier Qualitätsstufen bezüglich ihrer Entwicklungsmethodik eingeteilt:
S1: Die Leitlinie wurde von einer Expertengruppe im informellen Konsens erarbeitet.
S2k: Eine formale Konsensfindung hat stattgefunden.
S2e: Eine systematische Evidenz-Recherche hat stattgefunden.
S3: Die Leitlinie hat alle Elemente einer systematischen Entwicklung durchlaufen (verschiedene Analysen, Bewertung klinischer Studien und regelmäßige Überprüfung).
Was ist neu in der Leitlinie zu depressiven Störungen bei Kindern?
Die folgenden grundsätzlichen Neuerungen zur Erstfassung der betreffenden Leitlinie könnten die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit depressiven Störungen künftig verbessern:
Erstmals wird empfohlen, die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten frühzeitig in die Behandlungsentscheidungen einzubeziehen. Dazu gehört auch eine alters- und entwicklungsangemessene Aufklärung der Patienten.
Unabhängig vom Schweregrad der Depression soll nun immer direkt nach der fachärztlichen Diagnosestellung eine Behandlung angeboten werden. Die bisherige Empfehlung, bei leichten Depressionen lediglich „abwartende Maßnahmen“ wie Beratung oder Psychoedukation anzubieten, entfällt.
Diese Vorgehensweise könne laut den Autoren der überarbeiteten Leitlinie zwar bei Erwachsenen sinnvoll sein, dies ließe sich jedoch nicht auf Kinder und Jugendliche übertragen, da sich Symptome, Behandlungsbedarf und Wirksamkeit von Therapien altersabhängig unterscheiden.
Demnach trennt die neue Leitlinie die Behandlungsempfehlungen nun erstmals klar nach Alter der Patienten:
- jüngere Kinder von drei bis sechs Jahren,
- ältere Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren und
- Jugendliche von 13 bis 18 Jahren.
Beispielsweise werden für die mittlere Altersgruppe die kognitive Verhaltenstherapie als Therapie der ersten Wahl und erstmals die familienbasierte interpersonelle Therapie als Alternative empfohlen.
Für mittlere und schwere depressive Störungen bei Jugendlichen empfiehlt die überarbeitete Leitlinie neue Medikamente. Während bisher nur Fluoxetin als Wirkstoff genannt wurde, gelten nun zusätzlich Sertralin und Escitalopram als Pharmakotherapien der ersten Wahl.
Als Alternative zur Therapie der ersten Wahl wird Duloxetin empfohlen; das bisher genannte Citalopram ist nun den nicht empfehlenswerten Substanzen zugeordnet, ebenso wie die (neu in die Leitlinie aufgenommenen) Substanzen Vilazodon, Vortioxetin, Desvenlafaxin und Selegilin.
Ausgebaut wurden die Abschnitte zu therapiebegleitenden Maßnahmen: Die Leitlinie spricht explizite Empfehlungen für
- Sport/Aktivität,
- Lichttherapie,
- Omega-3-Fettsäuren,
- künstlerische Therapien,
- Ergotherapie sowie
- Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe aus.
Für Gerd Schulte-Körne stellt die Einbindung der Patienten in die Behandlungsentscheidungen einen der zentralen Punkte der Neufassung dar: „Vor allem die frühzeitige Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression an den Therapieentscheidungen auf der Basis einer alters- und entwicklungsangemessenen Aufklärung und Partizipation ist eine wichtige Neuerung in der Leitlinie“, erläutert der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/s3-leitlinie-zur-behandlung-depressiver-storungen-bei-kindern-und-jugendlichen-aktualisiert-daad784d-5507-4a63-a164-b5154de1c000
https://register.awmf.org/assets/guidelines/028-043l_S3_Behandlung-depressive-Stoerungen-Kinder-Jugendliche_2026-03.pdf