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Cannabis: Mindert der Konsum die Fruchtbarkeit?

Junge Frau zündet sich einen Joint an
Frauen mit Kinderwunsch sollten besser auf den Cannabis-Konsum verzichten. | Bild: auremar / AdobeStock

Das CReATe Fertility Center in Toronto hat 1.059 Flüssigkeitsproben aus den Eierstöcken von Frauen mit Kinderwunsch auf den in Cannabis enthaltenen Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) untersucht.  

Die Proben stammten aus den Follikeln, in denen die Eizellen heranreifen. Sie waren Frauen für eine In-vitro-Fertilisation im Rahmen ihrer Kinderwunschbehandlung entnommen worden. Ihre Untersuchung sollte zeigen, ob THC Einfluss auf die Prozesse bei der Eizellenreifung nimmt – und damit auf die Chancen, schwanger zu werden.  

THC kann die Eizellenreifung negativ beeinflussen

Bei 62 Frauen fiel der Test auf THC positiv aus, obwohl weit weniger einen vorangegangenen Konsum eingeräumt hatten.  

Die Ergebnisse innerhalb dieser – allerdings kleinen – Gruppe deuten auf eine Stoffwechselstörung durch Cannabis hin: Die THC-exponierten Eizellen wiesen Merkmale einer zu schnellen Reifung und damit einhergehend vermehrte Fehler in der Chromosomenzahl auf. Eine solche „Aneuploidie“ verhindert in der Regel eine erfolgreiche Befruchtung.

Dieses Ergebnis verifizierten die Forscher mithilfe sogenannter Transkriptomanalysen von 24 THC-exponierten Eizellen: Beim „Abschreiben“ der DNS wurden 89 Gene doppelt so stark abgelesen wie bei nicht exponierten Eizellen, und bei 227 Genen war die Produktion mehr als halbiert.

Experten weisen auf Einschränkungen der Studie hin

Laut der Studie hat der Cannabis-Konsum vor allem die Bildung des Spindelapparats beeinträchtigt, der eine Voraussetzung für die Zellteilung ist. Für den Zellbiologen Artur Mayerhofer von der Ludwig-Maximilians-Universität München ist dies ein zentrales Ergebnis der Studie. Er weist aber auf die eingeschränkte Aussagekraft von Labortests für die „Bedeutung im Alltag“ hin.

Ähnlicher Meinung ist Wolfgang Paulus, der an der Universitätsfrauenklinik Ulm eine Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie leitet: Wie groß das Risiko sei, könne nur in größeren In-vivo-Studien gezeigt werden. Trotz der Unklarheit sollten Frauen mit Kinderwunsch aber auf potenzielle Risiken des Cannabis-Konsums hingewiesen werden. Quellen:
www.aerzteblatt.de/news/wie-cannabis-die-fruchtbarkeit-von-frauen-mindern-konnte-b1649375-0f97-4141-a0d0-f9b2f633e6b5
www.nature.com/articles/s41467-025-63011-2
www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/01443615.2025.2502663
 

Gut zu wissen: Weitere Forschung zu Cannabis und Schwangerschaft

Auch eine epidemiologische Studie des US-amerikanischen National Center for Health and Nutrition Statistics ergab, dass Cannabis-Konsum die Chance auf eine Schwangerschaft vermindern könnte.  

Laut der Datenanalyse, die im Mai 2025 im „Journal of Obstetrics and Gynaecology“ veröffentlicht wurde, lag das Risiko für eine Unfruchtbarkeit durch Cannabis 2,04-mal so hoch wie für Nichtkonsumentinnen.