Vaginalgesundheit
Vaginalpilz, Scheidentrockenheit und eine gestörte Vaginalflora – diese Erkrankungen erfordern in der Beratung in der Apotheke viel Fingerspitzengefühl. Neben der Behandlung der Symptome geht es hier vor allem um die Bekämpfung der Ursachen. 
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Vaginalausfluss: Was sagen Farbe und Geruch aus?

Frau mit beige farbenem Slip sitzt auf der Toilette
Bestimmte Faktoren können Farbe, Konsistenz und Geruch des Scheidensekrets verändern. | Bild: Pixel-Shot / AdobeStock

Als vaginaler Ausfluss werden alle Flüssigkeiten bezeichnet, die in den Zyklusphasen um die Periode herum aus der Vagina herausfließen. Er besteht aus einem Sekret der Bartholin-Drüsen, die sich am Muttermund befinden, weiterhin aus Hautzellen der Vagina, Wasser, Harnstoff, Elektrolyten, verschiedenen Säuren, Mikroorganismen und Eiweiß. 

Ein gesunder und normaler Ausfluss befeuchtet die Schleimhäute der Scheide und beugt Vaginalinfektionen vor. Wichtig dafür ist ein harmonisches Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren.

Wann ist vaginaler Ausfluss normal?

Dass täglich etwas Sekret die Vagina verlässt, ist völlig normal. Gesunder Ausfluss wird auch als „Weißfluss“ bezeichnet. Der Geruch ist neutral bis säuerlich, die Farbe weiß bis leicht gelblich. Er bildet sich durch hormonelle Veränderungen erstmalig einige Monate vor der ersten Regelblutung in der Pubertät.

Die Menge des Ausflusses variiert von Frau zu Frau und beträgt in der Regel zwischen ein und fünf Milliliter pro Tag. 

Der weibliche Zyklus ist ein weiterer Einflussfaktor: Je nach Zyklusphase verändert sich nicht nur die Menge, sondern auch die Konsistenz des Sekrets. 

Nach der Menstruation steigt langsam der Estrogenspiegel an, was zu einer vermehrten Schleimproduktion führt. Um den Eisprung herum oder bei sexueller Erregung wird besonders viel davon produziert – dies erleichtert es den Spermien, beim Geschlechtsverkehr in Richtung Gebärmutter zu wandern. Das Vaginalsekret ist dann sehr flüssig und klar. 

Kurz vor der Periode sind die Estrogenspiegel gesunken, die Menge an Ausfluss ist geringer. Außerdem ist die Konsistenz zäher, dicker und wirkt weniger klar.

Vaginaler Ausfluss: Milchsäurebakterien und Hormone im Gleichgewicht

Estrogen spielt bei der Bildung des Vaginalsekrets eine wichtige Rolle. Es bewirkt, dass in den Epithelzellen in der Vagina Glykogen hergestellt wird, das von den Laktobazillen u. a. in Milchsäure umgewandelt wird. Ein wichtiger Prozess, damit immer ein leicht saurer pH-Wert von 3,8–4,4 herrscht. 

Die Laktobazillen sind Teil des vaginalen Mikrobioms, welches weiterhin aus anderen Bakterien, Viren und Pilzen besteht. Eine große Menge verschiedener Arten von Laktobazillen ist wichtig, um das Vaginalmilieu gesund zu halten. 

Der leicht saure pH-Wert schützt zudem vor der Ausbreitung und Vermehrung von Keimen, die letztendlich Erkrankungen auslösen können.

Gut zu wissen: Ausfluss bei Neugeborenen

Bei Neugeborenen kann es aufgrund der erhöhten Konzentration mütterlicher Estrogene im Blut zu einem leichten vaginalen Ausfluss kommen, der gelegentlich auch mit etwas Blut vermischt sein kann. 

In der Regel verschwindet dieses Phänomen innerhalb der ersten zwei Lebenswochen. Hierbei handelt es sich um einen normalen, unbedenklichen Vorgang.

Welche Faktoren können das Vaginalsekret beeinflussen?

Es gibt verschiedene Ursachen, weshalb sich der vaginale Ausfluss verändern kann. Dazu gehören

  • eine ungünstige Bakterienzusammensetzung im Vaginalbereich (Dysbiose),
  • Arzneimittel (z. B. Kontrazeptiva, Anticholinergika, Antibiotika, Immunsuppressiva),
  • ein höheres Lebensalter,
  • eine Schwangerschaft,
  • vaginale Hautveränderungen (z. B. Ekzeme, allergische Hauterkrankungen),
  • Polypen,
  • Fremdkörper in der Vagina,
  • Verhütung mit der Spirale,
  • Infektionen,
  • Entzündungen durch übermäßige Hygiene und
  • weitere Erkrankungen wie Tumoren, Fisteln oder hormonelle Störungen.

Ein Mangel an Estrogen, wie er bei Frauen in den Wechseljahren vorkommt, verringert die Produktion von Vaginalsekret, was zu Scheidentrockenheit beiträgt und das Risiko für vaginale Atrophie erhöht.  

Veränderungen des Vaginalsekrets: Wann ist ein Arztbesuch nötig?

In den meisten Fällen verändert sich der Ausfluss in Farbe, Menge, Geruch und Konsistenz, wenn eine vaginale Infektion vorliegt. Schildert die Kundin derartige Veränderungen, sollte eine ärztliche Untersuchung angeraten werden. 

Das gilt auch, wenn weitere Begleiterscheinungen wie Schmerzen – auch beim Geschlechtsverkehr –, Juckreiz, Rötungen, Brennen, erhöhter Harndrang oder Blut im Ausfluss hinzukommen. Schwangere sollten sich unmittelbar gynäkologisch untersuchen lassen, damit eine schnelle Therapie eingeleitet werden kann.

Vaginaler Ausfluss: Wie Infektionen Geruch und Farbe verändern

Bei einer bakteriellen Vaginose verändert das Sekret seine Farbe in gelblich-grün oder grau. Der Ausfluss wird häufig als stärker und unangenehm riechend beschrieben. Typisch ist ein fischiger Geruch, der durch eine erhöhte Bakterienanzahl, beispielsweise durch übermäßige Vermehrung von Gardnerella vaginalis, entsteht.

Der pH-Wert liegt oberhalb von 4,5, wodurch das ungünstige Bakterienwachstum zusätzlich verstärkt wird. Zur Behandlung werden in der Regel topische Antibiotika wie Metronidazol und Clindamycin verordnet.  

Wichtig ist die Abgrenzung zu sexuell übertragbaren Erkrankungen, die häufig auch durch Bakterien ausgelöst werden. Der Ausfluss bei einer Infektion mit Chlamydien oder Neisseria gonorrhoeae (Gonorrhö) ist meist schleimig-eitrig, bei Trichomoniasis grünlich-gelb, dünn und schaumig. Bei Genitalherpes, der durch Viren verursacht wird, kommt es zu gesteigertem Ausfluss und Bläschenbildung im Vaginalbereich.  

Eine vaginale Mykose führt häufig zu einem bröckeligen, verdickten Ausfluss, der weiß gefärbt ist. Juckreiz und Brennen treten zusätzlich auf. Die Pilzinfektion wird antimykotisch behandelt, in der Regel mit einer vaginalen Clotrimazol-Therapie (z. B. KadeFungin® 3 Kombi-Packung, Canesten® Gyn Once Kombi).

Auch wenn die Veränderung des Ausflusses charakteristisch sein kann, ist eine Untersuchung in der gynäkologischen Praxis immer anzuraten. Viele Infektionen verschwinden nicht von selbst und bergen Risiken für Komplikationen. Beispielsweise kann eine unerkannte und unbehandelte Infektion mit Chlamydien zu Unfruchtbarkeit führen.

Tipps für die Beratung: Milde Waschlotionen und Milchsäure

Nach der Behandlung einer Infektion kann sich das vaginale Milieu weitestgehend selbstständig regenerieren. Präparate mit Milchsäure (z. B. KadeFlora® Milchsäure, Lactofem® Milchsäure) oder Milchsäurebakterien (z. B. Döderlein® Vaginalzäpfchen, KadeFlora® Milchsäurebakterien Vaginalkapseln) sind jedoch sinnvoll, um den pH-Wert schneller wieder in den leicht sauren Bereich zu bringen. Dadurch kann verhindert werden, dass sich Keime direkt erneut ausbreiten.

Generell sollte auf eine übermäßige Intimhygiene verzichtet werden. Denn: Reizende Waschlotionen oder Seife begünstigen eine Verschiebung des pH-Wertes, wodurch sich wiederum das Risiko für Infektionen erhöhen kann. 

Sinnvoll ist eine schonende Reinigung mit Wasser und feuchtigkeitsspendenden, milden Produkten (z. B. KadeFemin® Intimwaschlotion, Sagella® HydraSerum). Quellen:
- https://journals.lww.com/jfmpc/fulltext/2025/08000/a_clinico_etiological_study_of_women_in.29.aspx
- https://de.patient.info/doctor/infectious-disease/vaginal-discharge
- https://www.uptodate.com/contents/trichomoniasis-clinical-manifestations-and-diagnosis
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2018/daz-15-2018/auf-den-ausfluss-achten
 

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