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Schwangerschaftserbrechen – möglicher Grund für Abtreibung?

Schwangere Frau sitzt vor einer Toilette
Viele Schwangere mit Hyperemesis gravidarum wollen kein weiteres Kind mehr bekommen. | Bild: gpointstudio / AdobeStock

Ein Forscherteam von der Flinders University im australischen Adelaide hat die Auswirkungen von Hyperemesis gravidarum, also der schweren Form des Schwangerschaftserbrechens, auf betroffene Frauen untersucht.  

Dafür haben die Wissenschaftler 289 australische Frauen mit aktueller (38 Prozent) oder zurückliegender (62 Prozent) Hyperemesis gravidarum befragt. Das Durchschnittsalter lag bei 33 Jahren. 72 Prozent der Frauen wurden wegen ihrer Beschwerden im Krankenhaus behandelt.  

Gut zu wissen: Hyperemesis gravidarum vs. „normales“ Schwangerschaftserbrechen

Emesis gravidarum ist eine Form des Erbrechens, die bei rund 20 bis 35 Prozent der Schwangeren zwei bis vier Wochen nach der Empfängnis auftritt und normalerweise in der 12. bis 16. Woche wieder abklingt.  

Die übersteigerte Form der Emesis gravidarum, bei der es zu einem unstillbaren Erbrechen kommt, bezeichnet man als Hyperemesis gravidarum.

Hyperemesis gravidarum: Psychische Auswirkungen sind enorm

Die Umfrage lieferte Ergebnisse unter anderem in Bezug auf die seelischen Auswirkungen der Hyperemesis gravidarum auf die betroffenen Frauen:  

  • 62 Prozent litten häufig oder dauerhaft unter Angst oder Depressionen.
  • 37 Prozent wünschten aufgrund der Belastung eine vorzeitige Geburtseinleitung.
  • 54 Prozent dachten über einen Schwangerschaftsabbruch nach.
  • 90 Prozent überlegten, keine weiteren Kinder zu bekommen.

Auch über die medikamentösen Therapien ihrer Schwangerschaftsübelkeit und deren Wirksamkeit wurden die Frauen befragt:

Die Patientinnen bekamen im Schnitt vier verschiedene Antiemetika verschrieben, manche nahmen bis zu neun Arzneimittel ein. Am häufigsten eingesetzt wurden Ondansetron (91 Prozent), Pyridoxin (70 Prozent), Doxylamin (70 Prozent) und Metoclopramid (69 Prozent) sowie Ingwer (53 Prozent). Deutlich seltener wurden Corticosteroide verschrieben (14 Prozent).

Als am wirksamsten wurden Ondansetron, Doxylamin und Corticosteroide eingestuft: Jeweils mehr als die Hälfte der Anwenderinnen bezeichnete diese als „effektiv“ oder „sehr effektiv“. Metoclopramid schnitt schlechter, Pyridoxin und Ingwer deutlich schlechter ab.  

Jedoch waren Nebenwirkungen wie Verstopfung, Sedierung, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen so häufig, dass manche Medikamente von bis zu 31 Prozent ihrer Nutzerinnen abgesetzt wurden.  

Gut zu wissen: Schwächen der Studie zur Hyperemesis gravidarum

  • Die Studie ist mit 289 Teilnehmerinnen klein.
  • Selbstauskünfte sind für Umfragen unabdingbar, können aber das Ergebnis verzerren.

Hyperemesis gravidarum als ernste Erkrankung oft unterschätzt

„Hyperemesis gravidarum ist nicht nur Morgenübelkeit – es ist eine schwerwiegende Erkrankung mit verheerenden Folgen für die psychische Gesundheit, Beziehungen und Entscheidungen über künftige Schwangerschaften“, betont Studienleiter Luke Grzeskowiak. 

Caitlin Kay-Smith, Mitautorin und Gründerin der Betroffenenorganisation Hyperemesis Australia, ergänzt: „Zu oft werden die Symptome als normale Schwangerschaftsbeschwerden abgetan. In Wirklichkeit handelt es sich um eine potenziell lebensverändernde Erkrankung. Wir müssen weg von einer Einheitslösung hin zu einer individualisierten, mitfühlenden Versorgung.“  

Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass viele Frauen nicht die richtige Hilfe gegen Hyperemesis gravidarum erhielten. Es brauche eine bessere Evidenz, damit Frauen bei Therapieentscheidungen eine informierte Wahl treffen könnten. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/hyperemesis-gravidarum-viele-frauen-ziehen-schwangerschaftsabbruch-in-betracht-98a88064-fb39-4dd7-81fd-693c57382598
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0329687
https://flexikon.doccheck.com/de/Emesis_gravidarum