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Psoriasis: Ursache, Behandlung und Trigger

Mit einer Häufigkeit von 2 bis 2,5 % in Deutschland und etwa 125 Millionen Betroffenen weltweit zählt die Psoriasis zu den häufigsten Hauterkrankungen. Der Begriff leitet sich vom griechischen „psora“ ab, was Juckreiz bedeutet – ein typisches Symptom, das viele der Patienten betrifft.
Der deutsche Begriff Schuppenflechte beschreibt das charakteristische Erscheinungsbild: scharf begrenzte, entzündliche Hautareale, die von silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind. Aber nicht nur die Haut, auch Gelenke und Gefäße können betroffen sein.
Psoriasis ist eine chronische, nicht ansteckende und schubweise verlaufende Autoimmunkrankheit und damit weit mehr als nur ein kosmetisches Problem. Häufig leiden die Erkrankten auch psychisch unter dem sichtbaren Hautbild. In der Apotheke kann man Betroffene gut beraten und aufklären.
Was passiert bei einer Psoriasis?
Bei der Psoriasis ist das Immunsystem überaktiv. Entzündungsbotenstoffe regen die Hautzellen zu einer stark beschleunigten Zellteilung an: Während sich gesunde Hautzellen in etwa 28 Tagen erneuern, geschieht dies bei Psoriasis bereits nach fünf bis acht Tagen. Die unreifen Zellen wandern zu schnell an die Oberfläche, lagern sich in der Epidermis an, trocknen aus und bilden dort die typischen, silbrig schuppenden Plaques.
Die häufigste Form ist die Plaque-Psoriasis (Psoriasis vulgaris), von der rund 95 % der Patienten betroffen sind. Sie kann nahezu an allen Körperstellen auftreten, bevorzugt jedoch an den Streckseiten des Körpers, den Ellbogen und Knien oder an der Kopfhaut.
Gut zu wissen: Seltene Formen der Psoriasis
Psoriasis-Arthritis: Neben der Haut sind auch die Gelenke entzündet. Meist treten die Gelenkbeschwerden erst nach den Hautveränderungen auf. Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, daher sollten Betroffene Gelenkschmerzen stets beim Dermatologen ansprechen.
Psoriasis guttata: punktförmige, rote Herde, die häufig nach einer Streptokokken-Infektion auftreten und sich oft nach Abklingen der Infektion wieder zurückbilden
Psoriasis pustulosa: seltene Form mit eitrigen Bläschen (Pusteln) auf entzündeten Hautarealen
Nagel-Psoriasis: Veränderungen an Finger- oder Fußnägeln, wie Dellen, Verfärbungen oder bröckelnde Strukturen, die etwa zwei Drittel der Patienten betreffen
Schuppenflechte: Verlauf individuell sehr unterschiedlich
Die Psoriasis kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten, ist im Kindesalter jedoch selten. Häufig zeigt sich der erste Schub während der Pubertät, eine zweite Häufung tritt meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Als Ursache geht man heute von einer genetischen Prädisposition aus.
Die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich. Typisch sind Phasen mit deutlich sichtbaren Hautveränderungen, die sich mit Zeiten fast vollständiger Beschwerdefreiheit abwechseln. Manche Betroffene erleben nur einen einzigen Schub, bei anderen verläuft die Erkrankung chronisch über Jahre. Viele berichten über eine Verschlechterung im Frühjahr und Herbst.
Nach aktuellem Kenntnisstand ist die Schuppenflechte nicht heilbar. Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, das Hautbild in den Schüben zu verbessern, das Zeitintervall zwischen den Schüben zu verlängern sowie Juckreiz, Hautveränderungen und Gelenkbeschwerden möglichst lange zu unterdrücken und die Lebensqualität zu verbessern.
Trigger-Faktoren der Psoriasis
Die genaue Ursache für die Psoriasis oder was die einzelnen Schübe auslöst, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass verschiedene Trigger-Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Es sind oft Situationen, in denen das Immunsystem besonders gefordert ist. Die Auslöser können individuell sehr unterschiedlich sein.
Zu den häufigsten Trigger-Faktoren zählen:
- Stress: einer der wichtigsten Faktoren, da psychische Belastung Entzündungsprozesse im Körper verstärken kann
- hormonelle Veränderungen: etwa in der Pubertät, während der Schwangerschaft, der Menstruation oder in den Wechseljahren
- Hautverletzungen: z. B. durch Sonnenbrand, Kratzen oder Reibung
- Infektionen: insbesondere Streptokokken- oder Staphylokokken-Infektionen, aber auch Atemwegs- oder Mandelentzündungen
- Klimaeinflüsse: kaltes, trockenes Wetter und trockene Heizungsluft reizen die Haut zusätzlich
Weitere begünstigende Faktoren sind Alkoholkonsum, Nikotin und eine geschwächte Immunabwehr. Adipositas gilt als wichtiger Risikofaktor, da das Fettgewebe Entzündungsbotenstoffe freisetzt, die die systemische Entzündung im Körper verstärken können.
Da Psoriasis für das Umfeld sichtbar ist, fühlen sich viele Betroffene stigmatisiert und ausgegrenzt. Wie andere entzündliche Hauterkrankungen kann sie die Psyche stark belasten und zu Scham, sozialem Rückzug oder Benachteiligung im Berufsleben führen. Eine verständnisvolle Begleitung und Aufklärung durch Ärzte und das Apothekenteam ist daher besonders wichtig.
Gut zu wissen: Hautpflege bei Schuppenflechte
Eine konsequente Basis- und Rückfettungspflege ist entscheidend, um die Hautbarriere zu stabilisieren. Besonders empfehlenswert sind rückfettende Cremes, Lotionen oder Duschöle mit Urea, Glycerin oder pflanzlichen Ölen.
Diese sollten regelmäßig, auch in beschwerdefreien Phasen, angewendet werden. Pflegeprodukte am besten nach dem Duschen auf die noch leicht feuchte Haut auftragen, das erhöht die Rückfettung.
Auf Produkte mit Duftstoffen, Alkohol oder Konservierungsstoffen möglichst verzichten, da sie die Haut reizen können. Geeignete Pflegeprodukte finden sich z. B. in den Kosmetiklinien ISO-Urea von La Roche-Posay, Xeracalm von Avène und Kertyol von Ducray.
Behandlung der Psoriasis mit leichtem Verlauf
Obwohl die Schuppenflechte nicht heilbar ist, lässt sie sich heute gut behandeln. Je nach Schweregrad kommen topische oder systemische Therapieformen zum Einsatz.
Bei leichten Verlaufsformen stehen Pflegeprodukte und lokal anzuwendende Arzneistoffe im Vordergrund. Salben mit Harnstoff (Urea) oder Salicylsäure helfen Hautschuppen abzulösen. Zur Entzündungshemmung und Juckreizlinderung kommen Präparate mit Glucocorticoiden (z. B. Betamethason in Betneval®, Clobetasol in Dermovate®), Vitamin-D3-Analoga (z. B. Calcipotriol in Daivonex®, Tacalcitol in Curatoderm®) oder Calcineurin-Inhibitoren (z. B. Tacrolimus in Protopic®, Pimecrolimus in Elidel®) zum Einsatz.
Eine konsequente Pflege mit milden, rückfettenden Produkten stabilisiert die Hautbarriere und beugt Rückfällen vor. Juckreizstillende Gele sollten nicht verwendet werden, da sie die Haut zusätzlich austrocknen. Topische Therapien können gut mit Phototherapie oder systemischen Behandlungen kombiniert werden.
Therapie einer mittelschweren bis schweren Schuppenflechte
Bei mittelschweren bis schweren Verlaufsformen reicht die topische Behandlung in der Regel nicht mehr aus. Zum Einsatz kommen dann Licht- und Phototherapien sowie systemische Arzneimittel, die gezielt in die Entzündungsprozesse eingreifen.
Bewährte Verfahren sind die selektive Ultraviolett-Phototherapie (SUP), die Balneophototherapie (UV-Bestrahlung in Kombination mit Solebädern) und die Photochemotherapie (PUVA), bei der zusätzlich ein lichtsensibilisierender Wirkstoff eingesetzt wird. Die UV-Therapie kann außerdem die Wirkung topischer Wirkstoffe verbessern.
Gut zu wissen: Wie wirkt UV-Strahlung bei Psoriasis?
Die therapeutische UV-Strahlung, meist im UV-B-Bereich (311 nm) oder kombiniert mit UV-A, wirkt entzündungshemmend und wachstumsregulierend auf die Hautzellen.
Sie bremst die überaktive Zellteilung in der Epidermis, reduziert die Zahl der entzündungsfördernden T-Lymphozyten und beeinflusst die Freisetzung von Zytokinen. Dadurch klingen Rötungen, Schuppungen und Juckreiz ab.
Zu den klassischen Wirkstoffen einer systemischen Therapie zählen:
- Retinoide (z. B. Acitretin, Neotigason®): regulieren die Zellreifung
- Methotrexat (MTX): Standardtherapie bei schweren Verlaufsformen; hemmt die Zellteilung und Entzündung
- Ciclosporin A: unterdrückt gezielt T-Zellen und damit Immunreaktionen
- Fumarsäureester (z. B. Dimethylfumarat, Skilarence®): wirken immunmodulierend und entzündungshemmend
- Glucocorticoide: nur kurzfristig systemisch eingesetzt, zur Entzündungshemmung in akuten Schüben
- Apremilast: ein PDE-4-Inhibitor, der die Freisetzung entzündlicher Botenstoffe hemmt
Zu den modernen Therapieoptionen gehören unter anderem monoklonale Antikörper wie Adalimumab (Humira®), Ustekinumab (Stelara®) und Secukinumab (Cosentyx®) sowie Fusionsproteine wie Etanercept.
Sie blockieren gezielt bestimmte Entzündungsmediatoren im Immunsystem. Bei Gelenkbeteiligung können zusätzlich zum Beispiel NSAR, Methotrexat (hier in höherer Dosierung als bei rheumatoider Arthritis), Ciclosporin A und physikalische Therapien eingesetzt werden.
Die systemische Therapie erfordert regelmäßige ärztliche Kontrollen, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Je nach Wirkstoff werden Blutbild, Leber- und Nierenwerte sowie Blutfette überprüft. Bei Biologika ist vor Therapiebeginn ein Screening auf Tuberkulose und Hepatitis erforderlich.
Wichtige Beratungshinweise zur systemischen Therapie
Viele systemisch wirksame Psoriasis-Medikamente erfordern eine besonders sorgfältige pharmazeutische Begleitung. PTA können hier durch gezielte Rückfragen und Hinweise wesentlich zur Therapiesicherheit beitragen.
Methotrexat (MTX):
- Nur 1x pro Woche einnehmen
- Wechselwirkungen: Cotrimoxazol → Blutbildschäden, NSAR → MTX-Ausscheidung vermindert, Alkohol meiden (Leberrisiko)
- Monitoring: Leberwerte, Blutbild, Nierenfunktion regelmäßig kontrollieren
Ciclosporin:
- Grapefruit-haltige Produkte, Johanniskraut, Makrolid-Antibiotika vermeiden → Spiegelveränderungen!
- Blutdruck und Nierenwerte regelmäßig prüfen lassen
- Patienten sollen neue Medikamente immer rückmelden
Fumarsäureester:
- häufig zu Beginn Magen-Darm-Beschwerden, Flush: Einnahme zu den Mahlzeiten verbessert Verträglichkeit
- regelmäßige Blutbildkontrolle (v. a. Lymphozyten)
- bei anhaltenden Beschwerden oder Fieber Arzt aufsuchen
Retinoide (Acitretin):
- strenge Kontrazeption während der Therapie und bis zu 3 Jahre nach Absetzen nötig
- Alkohol meiden, da sonst Etretinat entsteht (verlängerte Teratogenität)
- Leberwerte und Lipide regelmäßig kontrollieren
Ganzheitliche Beratung und Stärkung des Immunsystems bei Psoriasis
Da die Psoriasis eng mit einer Fehlregulation des Immunsystems verbunden ist, spielt ein starkes und ausgeglichenes Abwehrsystem eine zentrale Rolle für den Verlauf der Erkrankung. Ein gesunder Lebensstil kann maßgeblich dazu beitragen, Entzündungen zu reduzieren, Krankheitsschübe zu verringern und das allgemeine Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern.
Die Apotheke ist für viele Menschen mit Psoriasis eine wichtige und niedrigschwellige Anlaufstelle. Das Apothekenteam kann durch fachkundige Beratung und Einfühlungsvermögen einen wesentlichen Beitrag zur Therapietreue und zur Steigerung der Lebensqualität leisten.
Wichtig sind dabei unter anderem
- gezielte Hinweise zur richtigen Anwendung von topischen Präparaten,
- Empfehlungen zur konsequenten Hautpflege sowie
- Hilfestellungen im Umgang mit möglichen Nebenwirkungen systemischer Therapien.
Ebenso zählt das Erinnern an regelmäßige Kontrolltermine und das motivierende Begleiten zur kontinuierlichen Basistherapie zur pharmazeutischen Betreuung. Quellen:
https://www.psoriasis-bund.de//
https://flexikon.doccheck.com/de/Psoriasis
Beratungstipp bei Schuppenflechte
Viele Betroffene schämen sich wegen sichtbarer Plaques. Ein respektvoller, offener Umgang und das aktive Anbieten von Hilfestellung („Womit pflegen Sie Ihre Haut im Moment?“) kann viel bewirken und das Vertrauen stärken.