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Antidepressiva: Diese Körperwerte können sich verändern

junger Mann mit dunklen Haaren blickt deprimiert zur Seite
Manche Antidepressiva können zu einer Gewichtzunahme oder erhöhtem Blutdruck führen. | Bild: Drobot Dean / AdobeStock

Antidepressiva können nicht nur die Stimmung beeinflussen, sondern auch verschiedene körperliche Werte verändern. Ein großer Review aus „The Lancet“ mit mehr als 58.000 Studienteilnehmern zeigt, dass besonders Blutdruck, Herzfrequenz, Gewicht, Blutzucker und Cholesterin betroffen sein können. 

Diese Veränderungen stehen nicht in Zusammenhang mit der stimmungsaufhellenden Wirkung – sie sind eigenständige körperliche Nebenwirkungen. Für die Beratung in der Apotheke bedeutet das: Diese Effekte sollten mitgedacht werden, besonders bei Patienten mit Vorerkrankungen.

Welchen Einfluss haben Antidepressiva auf das Gewicht?

Die Unterschiede beim Körpergewicht waren besonders auffällig. Während unter Agomelatin im Schnitt rund 2,5 kg verloren wurden, nahmen Patienten unter anderen Antidepressiva eher zu. 

Die stärksten Zunahmen traten unter Maprotilin und Amitriptylin auf, jeweils im Bereich von etwa 1,5 bis knapp 2 kg. Auch Milnacipran und Fluvoxamin führten zu moderaten Gewichtszunahmen. 

Moderne Antidepressiva wie Escitalopram oder Vortioxetin zeigten dagegen kaum Veränderungen. Da viele Patienten Gewichtsschwankungen als belastend empfinden, kann ein Hinweis auf Selbstkontrolle des Gewichts oder eine Rücksprache mit dem Arzt sinnvoll sein.

Diese Antidepressiva erhöhen das Gesamtcholesterin

Auch das Cholesterin reagierte in den Studien je nach Wirkstoff unterschiedlich. Besonders Venlafaxin, Desvenlafaxin und Duloxetin führten zu einem leichten Anstieg des Gesamtcholesterins – teilweise unabhängig von einer Gewichtszunahme. 

Für Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Risiken oder erhöhten Fettwerten kann diese Information in der Apotheke wichtig sein, da auch kleine Veränderungen langfristig eine Rolle spielen können.

Blutzucker und Antidepressiva – was in der Beratung zählt

Einige Antidepressiva beeinflussten auch den Blutzucker. Duloxetin führte im Durchschnitt zu einem moderaten Anstieg um etwa 0,3 mmol/l, während viele andere Wirkstoffe, darunter Sertralin, Bupropion oder Citalopram, keine erkennbaren Veränderungen zeigten. 

Für Patienten mit Diabetes oder erhöhtem Risiko kann dies ein relevanter Hinweis sein.

Antidepressiva: Auswirkungen auf das Herz

Auch Herz und Kreislauf reagierten unterschiedlich. Unter Amitriptylin kam es zu einem systolischen Blutdruckanstieg von fast 5 mmHg, unter Fluoxetin und Venlafaxin lagen die Werte im Bereich von rund 3 mmHg. 

Duloxetin zeigte einen etwas geringeren Effekt. Nortriptylin wirkte dagegen eher blutdrucksenkend. 

Bei der Herzfrequenz waren die Unterschiede noch deutlicher: Nortriptylin erhöhte den Puls im Schnitt um mehr als 13 Schläge pro Minute, während Fluvoxamin ihn spürbar senkte. 

Solche Veränderungen können für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Bedeutung sein. Ein Hinweis auf regelmäßige Blutdruck- oder Pulskontrollen kann daher hilfreich sein.

Welche Patienten reagieren besonders empfindlich auf Antidepressiva?

Die Auswertung zeigt, dass bestimmte Patientengruppen stärker betroffen sind. Übergewichtige reagierten häufiger mit Blutdruck- und Leberwertanstiegen. Ältere Patienten zeigten eher Veränderungen beim Blutzucker. 

Diese körperlichen Effekte sind unabhängig von der Wirkung auf die Depression. Daher kann es sinnvoll sein, im Beratungsgespräch mögliche Vorerkrankungen zu berücksichtigen und bei auffälligen Veränderungen an den Arzt zu verweisen.

Beratung in der Apotheke: Auf Nebenwirkungen gezielt hinweisen

Der große Review zeigt deutlich, dass Antidepressiva sich stark darin unterscheiden, wie sie auf den Körper wirken. Für die Beratung bedeutet das: Ein Hinweis auf mögliche Veränderungen wie Gewichtszunahme, Blutdruckschwankungen oder steigende Zuckerwerte kann Patienten helfen, Nebenwirkungen schneller zu erkennen. 

Wichtig ist, dass die Medikamente nicht selbstständig abgesetzt werden, sondern bei Auffälligkeiten der Arzt hinzugezogen wird. So kann die Therapie möglichst gut an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden – und die Verträglichkeit verbessert sich. Quelle:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2025/10/22/wie-antidepressiva-blutdruck-cholesterin-und-gewicht-aendern
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673625012930?via%3Dihub