In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Zahngesundheit: große Unterschiede bei Männern und Frauen

Die Gendermedizin, die Unterschiede zwischen Mann und Frau zugunsten einer gezielteren Behandlung in Betracht zieht, gewinnt langsam, aber sicher an Bedeutung.
Was viele nicht wissen: Auch bei der Zahn- und Mundgesundheit gibt es zahlreiche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nicht nur, was die Entwicklung und den Verlauf von Erkrankungen angeht, sondern auch in Bezug auf das Verhalten.
Die Initiative proDente weist in einer Veröffentlichung auf diverse Unterschiede hin, die einen geschlechterspezifischen Umgang des Zahnarztes mit seinen Patientinnen und Patienten – die sogenannte Gender Dentistry – sinnvoll und nötig erscheinen lassen.
Zur Erinnerung: Die Initiative proDente
Seit 1998 informieren Zahnärzte, Zahntechniker und die Dental-Industrie im Rahmen der Initiative proDente e.V. über Zahngesundheit und -ästhetik.
Finanziert wird proDente von der Bundeszahnärztekammer, dem Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen und dem Verband der Deutschen Dental-Industrie.
Biologische Geschlechterunterschiede bei den Zähnen
Frauen haben laut proDente häufiger Karies als Männer, was verschiedene Ursachen haben könnte:
- Mädchen haben hormonell bedingt einen früheren Zahndurchbruch, sodass schädliche Mikroorganismen länger Zeit haben, die bleibenden Zähne anzugreifen.
- Frauen produzieren weniger Speichel als Männer, und dieser enthält weniger vor Karies schützende Bestandteile. Im Alter nimmt die ohnehin schon geringere Speichelproduktion auch noch in stärkerem Maße ab als bei Männern.
Bedingt durch die bei Frauen häufiger auftretende Osteoporose baut sich die Knochensubstanz des Kiefers schneller ab, was zu einem höheren Risiko für Zahnverlust führt.
Dass dennoch mehr Männer als Frauen im Alter völlig zahnlos sind, liegt vor allem am unterschiedlichen Verhalten in Sachen Zahnpflege.
Männer kümmern sich schlechter um Mundhygiene
So pflegen Männer laut proDente eine schlechtere Mundhygiene als Frauen, was zu mehr Zahnbelag (Plaque) führt.
Auch eine Parodontitis, also die Entzündung des zahntragenden Gewebes, ist bei Männern oft schwer ausgeprägt, während bei Frauen eher leichte oder mittelschwere Formen auftreten.
Außerdem gehen Männer deutlich seltener zur Vorsorge als Frauen und suchen den Zahnarzt oftmals nur bei Schmerzen auf, was im Vergleich zu größeren Zahnschäden und zu den erwähnten stärkeren Verlaufsformen der Parodontitis führt.
Weiterhin stellt proDente fest: Männer haben oftmals einen ungesünderen Lebensstil (Alkohol, Tabak und E-Zigaretten), der doppelt so oft wie bei Frauen zu Mundhöhlenkrebs führt. Und Männer gelten als risikobereiter als Frauen und erleiden dadurch häufiger Zahnunfälle.
Gender Dentistry ermöglicht gezielte Prävention und Behandlung
Würden Männer sich in Sachen Mund- und Zahngesundheit ähnlich wie Frauen verhalten, könnten sie laut proDente auf verschiedene Weise profitieren:
Durch regelmäßige Vorsorge ließe sich eine – oft jahrelang schmerzfreie – Parodontitis frühzeitig erkennen und behandeln.
Männer könnten eine komplette Zahnlosigkeit im Alter in vielen Fällen durch verbesserte Mundhygiene und regelmäßige Vorsorge vermeiden. Momentan haben laut proDente 6,4 Prozent der Männer zwischen 65 und 74 bereits alle Zähne verloren. Bei Frauen sind es nur 3,8 Prozent, obwohl diese durch häufigere Osteoporose ein höheres Risiko haben.
Ein gesünderer Lebensstil und weniger Risikobereitschaft würden die Wahrscheinlichkeit von Mundhöhlenkrebs und Zahnunfällen reduzieren.
Ein Zahnarzt, der sich der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Zahngesundheit und Mundhygiene bewusst ist, hält männliche Patienten unter Umständen intensiver dazu an, die Zahnpflege ernst zu nehmen und keine Vorsorgetermine zu versäumen.
Frauen können dagegen im Rahmen der Gender Dentistry vor allem von einer gezielten Beratung zu den Themen Karies und Osteoporose profitieren. Letztere wird laut proDente häufig erst beim Zahnarzt erkannt, was eine frühzeitige Behandlung ermöglicht.
„Ein besseres Verständnis der Unterschiede kann dazu beitragen, gezielte Ansätze bei der Prävention und der Behandlung von Erkrankungen zu entwickeln, die auf die jeweils spezifischen Bedürfnisse eingehen“, fasst Prof. Dr. Margrit-Ann Geibel, Leiterin der Abteilung Genderspecific Dentistry der Danube Private University in Niederösterreich, das Thema aus Sicht der Zahnmedizin zusammen. Quellen:
https://www.prodente.de/presse/schwerpunkt/gender-beim-zahnarzt-was-unterscheidet-frauen-und-maenner.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Parodontitis
https://www.doccheck.com/search?q=parodontium&language=de&start=0&facetq=content_type:flexikon