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Was ist eigentlich das Buddenbrook-Syndrom?

Eine Angina pectoris, also Brustschmerzen als Leitsymptom einer koronaren Herzerkrankung, kann in den Kiefer ausstrahlen. Besonders gefährlich wird es, wenn die Schmerzen vor allem im Mundbereich auftreten und sich in der Brust kaum oder gar nicht bemerkbar machen.
Im ungünstigsten Fall geht der Patient zum Zahnarzt und dieser findet an der betreffenden Stelle – meist im linken Unterkiefer – tatsächlich eine Zahn- oder Kiefererkrankung wie Entzündungen oder Vereiterungen.
Dann kann es zu einer fatalen Fehlinterpretation, dem Buddenbrook-Syndrom, kommen: Der Zahnarzt übersieht die koronare Herzerkrankung als echten Auslöser der Schmerzen und stellt eine rein zahnmedizinische Diagnose, wodurch die akute Gefahr eines Herzinfarkts unerkannt bleibt.
Gut zu wissen: 125 Jahre „Buddenbrooks“
Der Roman „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“ von 1901, oft mit dem Kurztitel „Buddenbrooks“ herausgegeben, ist das früheste unter den großen Werken Thomas Manns (1875–1955) und wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.
Der Roman erzählt vom vier Generationen andauernden Niedergang einer wohlhabenden Lübecker Kaufmannsfamilie im 19. Jahrhundert. Einer der Protagonisten, Thomas Buddenbrook, stirbt nach misslungener Extraktion eines entzündeten Zahnes an einem Herzinfarkt.
Der Begriff „Buddenbrook-Syndrom“ zählt somit zu den sogenannten literarischen Syndromen. Er wird vor allem im deutschsprachigen Raum verwendet.
Wie kommt es zum Buddenbrook-Syndrom?
Wenn die verminderte Durchblutung des Herzens eine Angina pectoris auslöst, spüren manche Patienten neben den klassischen Symptomen wie Enge in der Brust oder Schmerzen hinter dem Brustbein auch orofaziale, also den Mund oder das Gesicht betreffende Schmerzen.
Diese entstehen, indem Körpersignale über verschiedene Nerven an den Schädel- und Gesichtsbereich weitergeleitet werden.
In seltenen Fällen treten ausschließlich Zahn- oder Kieferschmerzen auf und sind damit der einzige Hinweis auf einen drohenden Herzinfarkt. Dann ist eine Fehldiagnose durch den Zahnarzt am wahrscheinlichsten.
Frauen sind vom Buddenbrook-Syndrom häufiger betroffen als Männer. Bei beiden Geschlechtern führt die verzögerte oder nicht stattfindende Diagnose der ursächlichen Herzkrankheit jedoch gleichermaßen zu einer erhöhten Sterblichkeit. Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Buddenbrook-Syndrom
https://de.wikipedia.org/wiki/Buddenbrook-Syndrom
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2025/06/16/buddenbrook-syndrom-mann-geht-zum-zahnarzt-und-stirbt-an-angina-pectoris
Das Buddenbrook-Syndrom in Kürze
Das Syndrom liegt vor, wenn eine koronare Herzkrankheit Zahn- oder Kieferschmerzen auslöst und diese vom Zahnarzt falsch interpretiert werden.
Ursache ist eine Weiterleitung von Körpersignalen aus der Brustgegend in den Gesichtsbereich, wo sie als starker Schmerz wahrgenommen werden.
Das Phänomen ist selten, aber gefährlich: Die verzögerte Diagnose der Herzkrankheit erhöht die Sterblichkeit.