In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Brustkrebs: Screening an individuelles Risiko anpassen

Frauen haben genetisch bedingt ein unterschiedliches Brustkrebsrisiko, und die verschiedenen Formen des Mammakarzinoms nehmen einen individuellen Verlauf. Deshalb befasst sich die Forschung immer wieder mit der Frage, ob man die Häufigkeit von Mammografien an das individuelle Risiko der jeweiligen Patientin anpassen sollte oder ob eine solche Praxis die Früherkennung negativ beeinflusst.
Eine amerikanische Forschungsgruppe hat nun die Ergebnisse der Wisdom-Studie („Women Informed to Screen Depending on Measures of Risk“) veröffentlicht, in der sie die Effektivität eines risikoangepassten Screenings untersuchte.
Gut zu wissen: Mögliche Nachteile einer jährlichen Mammografie
Die Röntgenmammografie ist aktuell das gängigste Verfahren zur Früherkennung von Brustkrebs, doch es werden immer wieder Gegenargumente laut:
So besteht die – wenn auch sehr geringe – Wahrscheinlichkeit, dass die Patientin durch die Röntgenstrahlung ein Karzinom entwickelt.
Außerdem sind einige Kritiker der Meinung, dass durch regelmäßige Mammografien auch gutartige Tumoren entdeckt und zu oft operiert würden, was mitunter zur unnötigen Verunstaltung der Brust führe.
Ein wichtiger Faktor sind auch die hohen Kosten jährlicher Mammografien, die die Krankenkassen stark belasten.
Methodik der Wisdom-Brustkrebs-Studie
Im Rahmen der WISDOM-Studie wurde seit 2016 in 11 US-Gesundheitseinrichtungen bei 46.403 Frauen im Alter von 40 bis 74 Jahren das individuelle Risiko mit dem „Breast Cancer Surveillance Consortium“-Kalkulator bestimmt. Dabei wurden persönliche Risikofaktoren wie Alter, BMI, Menopausenstatus, Eigen- und Familienanamnese sowie Röntgendichte erfasst.
Die Forschenden kombinierten die Ergebnisse des Kalkulators mit einem genetischen Risiko-Score. Dieser zieht die wichtigsten Genvarianten in Betracht, die Assoziationsstudien während der letzten Jahre mit dem Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht haben.
Die Teilnehmerinnen der Wisdom-Studie, die der Gruppe mit risikobasiertem statt jährlichem Screening angehörten, wurden wie folgt auf Brustkrebs untersucht:
Die am stärksten gefährdeten Frauen (zwei Prozent) mit einem Fünf-Jahres-Brustkrebsrisiko von mindestens sechs Prozent oder nachgewiesenen Hochrisiko-Genvarianten erhielten alle sechs Monate abwechselnd eine Röntgenmammografie und eine Magnetresonanztomografie (MRT) sowie zusätzlich eine Beratung zur Risikominderung.
Die Frauen mit einem erhöhten Risiko (acht Prozent) gingen jährlich zur Mammografie plus Beratung. Für die dritte Gruppe mit durchschnittlichem Risiko (63 Prozent) setzten die Wissenschaftler ein Mammografie-Intervall von zwei Jahren an.
In der vierten Gruppe mit einem niedrigen Risiko (Alter 40 bis 49 Jahre, 27 Prozent) verzichtete man so lange auf die Mammografie, bis das Fünf-Jahres-Brustkrebsrisiko laut den oben genannten Analyse-Tools auf 1,3 Prozent gestiegen war oder sie ein Alter von 50 Jahren erreicht hatten.
Brustkrebs: Risikobasiertes Screening so effektiv wie jährliche Mammografie
Die Wisdom-Studie brachte ein positives Ergebnis im Hinblick auf die Effektivität des risikobasierten Screenings, das die Wissenschaftler jedoch relativierten:
Das risikobasierte Screening senkte die Rate der Mammakarzinome in den Stadien IIB oder höher, die mit einem erhöhten Sterberisiko an Brustkrebs verbunden sind, auf 30 pro 100.000 Personenjahre gegenüber 48 pro 100.000 Personenjahren bei jährlicher Mammografie.
Die Verbesserung von 48 Prozent klingt bemerkenswert, verfehlte aber laut Studienautoren aufgrund großer statistischer Streuwerte die Signifikanzgrenze. Das Nicht-Unterlegenheits-Kriterium gegenüber der jährlichen Mammografie war jedoch erfüllt, weshalb die Forschenden das risikobasierte Screening als sicher ansehen.
Das Gleiche gilt in Bezug auf die Zahl der Biopsien: In dieser zweiten wichtigen Analysekategorie verzeichneten die Wissenschaftler zwar entgegen ihren Erwartungen einen Anstieg von 1.272 auf 1.371 pro 100.000 Personenjahre. Dieser Anstieg war mit acht Prozent jedoch nicht signifikant, weshalb auch hier keine Unterlegenheit der neuen Methode vorliege.
Zur Erinnerung: Was ist eine Biopsie?
Als Biopsie wird die Entnahme und anschließende histologische bzw. zytologische oder laborchemische Untersuchung einer Gewebeprobe bezeichnet. /vs
Weitere Studien zum risikobasierten Brustkrebs-Screening
Die Autoren der US-Studie sind von den Vorteilen des risikobasierten Screenings überzeugt und haben deshalb bereits mit der Anschlussstudie Wisdom 2.0 begonnen.
Auch in Europa werden die potenziellen Vorteile eines risikobasierten Brustkrebs-Screenings untersucht: Im Rahmen der groß angelegten MyPeBS-Studie (My Personal Breast Screening) werden mehr als 53.000 Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren in zwei Gruppen mit Standard- beziehungsweise risikobasiertem Screening aufgeteilt und beobachtet. Erste Ergebnisse sollen 2027 vorliegen. Quellen:
- https://www.aerzteblatt.de/news/brustkrebs-risikobasiertes-screening-kann-mammografien-reduzieren-65ab01de-64f7-4918-b902-bb6da3b599e2?utm_medium=email&utm_source=CR&utm_campaign=NL-DAE_Tagesaktuelle-Nachrichten&utm_content=Mailing_20260112
- https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2842903
- https://de.wikipedia.org/wiki/Mammographie