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Schlagabtausch beim BVDAK-Kooperationsgipfel: Wer hat die Nase vorn: Vor-Ort-Apotheke oder Shop-Apotheke?

Beim 18. BVDAK-Kooperationsgipfel am 4. und 5. Februar 2026 kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Apothekenkooperationen, Industrie und Großhandel zusammen, um über die Zukunft der Arzneimittelversorgung in Deutschland zu sprechen. Die Veranstaltung gilt als wichtiger Treffpunkt der Branche, bei dem „die richtigen Weichen für die kommenden Jahre gestellt werden“ sollen.
In einer Talkrunde zum Thema „Die Apotheken im Spannungsfeld der Plattformen“ prallten zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen aufeinander: Dr. Ina Lucas, Vizepräsidentin der ABDA, sprach für die Apotheken vor Ort, während Olaf Heinrich, CEO von Redcare (Shop Apotheke), die Perspektive einer Versandapotheke vertrat. Moderiert wurde die Runde von Alexander Müller, Chefredakteur der Pharmazeutischen Zeitung.
Apotheke vor Ort braucht mehr Honorar
Lucas stellte gleich zu Beginn klar, dass die Apotheken vor Ort nur dann gut versorgen können, wenn ihre Arbeit angemessen bezahlt wird. Sie kritisierte, dass die Branche zwar viel leiste, aber zu selten deutlichen Druck auf die Politik ausübe. Die seit Langem ausstehende Honorarerhöhung – häufig mit „9,50 Euro“ symbolisch benannt – sei nicht nur eine finanzielle Frage. Sie sei notwendig, um Apotheken so auszustatten, dass sie mehr tun können, als nur Arzneimittel abzugeben.
Können Präsenz- und Versandapotheken sich ergänzen?
Heinrich betonte, dass Patientinnen und Patienten unterschiedliche Bedürfnisse haben. Manche möchten persönliche Beratung vor Ort, andere wünschen eine schnelle und unkomplizierte Lieferung. Digitale Lösungen könnten viele Abläufe erleichtern – auch für ältere oder weniger mobile Menschen, besonders wenn Künstliche Intelligenz unterstütze. Betreuung aus der Ferne könne funktionieren, ohne dass immer ein direkter Kontakt in der Apotheke notwendig sei. Ihm sei jedoch wichtig zu betonen, dass es nicht darum gehe, Vor-Ort-Apotheken zu ersetzen, sondern die Stärken beider Bereiche sinnvoll zu nutzen.
Therapiekompetenz im Fokus der Apotheke vor Ort
Lucas widersprach der Vorstellung, digitale Angebote könnten Vor-Ort-Apotheken ersetzen. Die Apotheke sei kein reiner Abgabeort, sondern solle umfassende Unterstützung rund um das Arzneimittel bieten. Ohne eine angemessene Honorierung seien echte Begleitung und Innovation jedoch kaum möglich. Sie betonte: „Wir tragen Verantwortung für eine gute Gesundheitsversorgung.“
Die Diskussion machte deutlich, dass die Vorstellungen über die zukünftige Rolle der Apotheken weit auseinandergehen. Während Lucas die Apotheke vor Ort als unverzichtbaren Anlaufpunkt im Gesundheitssystem sieht, plädiert Heinrich für ein Zusammenspiel von persönlicher Betreuung und digitalen Angeboten.
Qualität und Kontrolle von Versandplattformen
Ein weiteres Thema war die Arzneimittelzustellung. Heinrich erklärte, die technischen Herausforderungen wie Temperaturkontrollen seien seit Jahren gut gelöst. Man habe zuverlässige Systeme für Kühlung, saisonale Anpassungen und hohe Zustellqualität etabliert. Lucas betonte dagegen, dass nicht nur die technische Machbarkeit wichtig sei. Entscheidend sei, dass Standards überall eingehalten und kontrolliert würden und Prozesse transparent und nachvollziehbar seien.
Was die Politik jetzt liefern muss
Zum Abschluss formulierten beide ihre Erwartungen an kommende Reformen. Lucas wünscht sich klar definierte pharmazeutische Dienstleistungen, etwa ein strukturiertes Follow-up zu Beginn einer Therapie, damit die Versorgung sicherer wird und die Therapietreue steigt. Heinrich kritisierte, dass viele Reformen zu kleinteilig seien, und sprach sich für mehr Mut bei Digitalisierung und Telepharmazie aus.