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Was ist eigentlich das Piriformis-Syndrom?

Der Ischiasnerv verlässt in Höhe des Gesäßes das Becken, läuft auf die Rückseite des Oberschenkels, gibt verschiedene Äste ab und zweigt sich schließlich bis in die Fußspitzen auf.
Beim Verlassen des Beckens zieht der Nerv gemeinsam mit dem Musculus piriformis unmittelbar unter diesem durch eine knöcherne Öffnung des Beckenrings. An dieser Stelle kann es zu einer Kompression des Nervs kommen – auch Piriformis-Syndrom genannt.
Symptome des Piriformis-Syndroms
Der Piriformis-Muskel verbindet das Kreuzbein mit dem Oberschenkelknochen und spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung des Hüftgelenks und der Bewegung des Oberschenkels.
Normalerweise ist die Gesäßmuskulatur flexibel, kann sich jedoch durch Verletzungen, Fehlhaltungen oder Überlastungen verhärten und so Druck auf den Ischiasnerv ausüben. Dies führt zu chronischen Schmerzen im Hüft-, Gesäß- und Leistenbereich, die bis in die Beine ausstrahlen können, oft einhergehend mit Taubheitsgefühlen und Kribbeln.
Vor allem Drehbewegungen, zum Beispiel das Übereinanderschlagen der Beine, sind für Betroffene oft schmerzhaft. Sensibilitätsstörungen in den Beinen oder Schmerzen in der Lendenregion können hinzukommen.
Die Symptome sind in der Regel einseitig, können aber auch auf beiden Seiten auftreten.
Piriformis-Syndrom: Wie oft kommt es vor und wer ist betroffen?
Obwohl zur Epidemiologie des Piriformis-Syndroms wenig bekannt ist, wird dieses für 0,3 bis 0,6 Prozent aller Fälle von Schmerzen im unteren Rücken verantwortlich gemacht. Die meisten Betroffenen sind Frauen im mittleren Alter.
Die Diagnose wird in der Regel durch die Beschreibung der Symptome und eine körperliche Untersuchung gestellt. Auch Ultraschall kann sich eignen: Bei betroffenen Personen ist oftmals eine Verdickung des Muskels zu erkennen.
Gut zu wissen: Das „Piriformis-Syndrom“ ist umstritten
Der Begriff „Piriformis-Syndrom“ wurde 1947 erstmals beschrieben. Ob jedoch der Piriformis und die Kompression des Ischiasnervs so oft wie gemeinhin vermutet für die Beschwerden verantwortlich ist, stellen Mediziner immer wieder in Frage.
Denn ein Teil der Patienten hat zwar einen tiefen Gesäßschmerz, aber keine Ausstrahlung ins Bein, Kribbeln oder Taubheitsgefühl, wie es bei Beteiligung eines Nervs zu erwarten wäre.
Zudem weiß man, dass auch andere im Beckenbereich beheimatete Strukturen eine solche Symptomatik hervorrufen können, beispielsweise andere Nerven und Gesäßmuskeln, Kniesehnenmuskeln sowie Faserbänder und Sehnen.
Aus diesem Grund verwenden Mediziner heute oft die Bezeichnung „tiefes gluteales Schmerzsyndrom“ als übergeordneten Begriff, der das enger gefasste Piriformis-Syndrom einschließt und etwaige andere Ursachen mit einbezieht.
Ursachen des Piriformis-Syndroms
Ein Piriformis-Syndrom entsteht in erster Linie durch diese Einflüsse:
- Verletzungen der Gesäßmuskulatur, zum Beispiel durch Stürze oder Schläge
- chronische Überlastung durch wiederholte heftige Bewegungen
- starke Beanspruchung der Gesäßmuskulatur bei Sportarten wie Joggen oder Radfahren
- Fehlstellungen der Wirbelsäule oder des Beckens
- falsche Körperhaltung
- langes Sitzen
- allgemeiner Bewegungsmangel
Außerdem kommen ungünstige anatomische Gegebenheiten wie eine anormale Lage des Ischiasnervs oder eine angeborene Verdickung des Piriformis-Muskels in Frage.
Therapie und Vorbeugung des Piriformis-Syndroms
Wenn ein Piriformis-Syndrom diagnostiziert wird, versprechen vor allem manuelle und übungsbasierte Therapieansätze Erfolg:
- Massagen
- Triggerpunktbehandlungen (gezielte Normalisierung der kontrahierten oder verhärteten Muskelfasern)
- Bewegungstherapie
- Dehnübungen
Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten regelmäßige Bewegung, Krafttraining und Dehnübungen in den Alltag integriert werden. Wer viel im Sitzen arbeitet, kann zudem durch eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung Fehlhaltungen vermeiden und die Gesäßmuskulatur entlasten. Quellen:
https://www.zeitschrift-sportmedizin.de/gesaessschmerzen-piriformis-und-tiefes-gluteales-schmerzsyndrom-ursachen-therapie/
https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/ursachen-des-piriformis-syndroms_f6bce963-70f6-4495-83dd-0830f9660284.html
https://flexikon.doccheck.com/de/Piriformis-Syndrom
https://de.wikipedia.org/wiki/Piriformis-Syndrom
Das Piriformis-Syndrom in Kürze
Krankheitstyp: neuromuskuläre Erkrankung
Krankheitsbild: Komprimierung des Ischiasnervs durch die Gesäßmuskulatur
Symptome: Schmerzen im Gesäß, die in die Beine ausstrahlen können; eventuell Sensibilitätsstörungen und Kribbeln
Ursachen: Verletzungen, langes Sitzen, Bewegungsmangel, Fehlhaltungen, bestimmte (sportliche) Belastungen, Entzündungen; ungünstige anatomische Voraussetzungen
Betroffene: überwiegend Frauen im mittleren Alter
Vorbeugung: regelmäßige Bewegung, Krafttraining, Dehnen; ergonomischer Arbeitsplatz
Therapien: Massage, Triggerpunktbehandlung, Bewegungstherapie, Dehnübungen