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Schilddrüse: Welche Werte gibt es und was bedeuten sie?

Ärztin untersucht eine Frau und tastet ihren Hals ab
Die Schilddrüsenwerte werden durch eine Blutabnahme bestimmt. | Bild: mixetto / AdobeStock

Erkrankungen der Schilddrüse kommen häufig vor und können in jedem Lebensalter auftreten. Bei etwa jedem dritten Erwachsenen in Deutschland bildet sich im Laufe des Lebens mindestens eine krankhafte Schilddrüsenveränderung.  

Wir haben uns die Schilddrüsenhormone einmal genauer angesehen, welche Funktionen sie ausüben, wann eine Überprüfung der Werte erfolgen sollte und wie sich eine Über- bzw. Unterfunktion der Schilddrüse äußert. Darüber haben wir im Interview mit Dr. Hatun Karakaş, Fachärztin für Innere Medizin, gesprochen.

Liebe Frau Dr. Hatun Karakaş, welche Werte werden bei der Bestimmung der Schilddrüsenhormone berücksichtigt und was sagen sie aus?

Dr. Hatun Karakaş:

Die Schilddrüsenhormone sind umfassend: TRH, TSH, fT3, fT4. Alle Werte stehen in Zusammenhang miteinander und arbeiten wie eine Firma: Der Chef gibt die Anweisungen, die Mitarbeiter setzen das um und geben Rückmeldung an den Chef. Je nachdem gibt er noch weitere Anweisungen oder zieht sich zurück.  

Der Chef dieser Firma ist hier der Hypothalamus, eine Region im Gehirn. Er ist Taktgeber und steuert alle Prozesse. Im Falle der Schilddrüse produziert dieser TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon).  

Die Hypophyse, die Hirnanhangdrüse, nimmt als Manager das Signal des Chefs auf und produziert TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Das ist ein Botenstoffe, der der Schilddrüse als „Fabrik“ nun die Anweisung gibt, die Hormone fT3 (freies Trijodthyronin) und fT4 (freies Thyroxin) zu produzieren.  

Dabei wird vermehrt fT4 produziert. fT4 ist der Vorrat der Schilddrüsenhormone und eine Vorstufe, die daher kaum aktiv wird auf Körperebene. fT3 hingegen ist für die aktive Wirkung im Körper zuständig, u. a. für Energie, Temperatur, Stoffwechsel sowie körperliche und mentale Leistungsfähigkeit.  

Wenn die Schilddrüsen-Fabrik ausreichend Hormone produziert, wird das an den Chef übermittelt, der je nach Ergebnis nochmal Handlungsanweisungen gibt. Das wird auch als Regelkreis bezeichnet.

Und wann ist eine Überprüfung der Schilddrüsenhormone zu empfehlen?

Dr. Hatun Karakaş:

Zu erwähnen ist, dass die o. g. Werte erst beim Arzt bestimmt werden, wenn gewisse Beschwerden – z. B. Gewichtszunahme, Energielosigkeit, Herzrasen, Frieren – oder beispielsweise eine Schwangerschaft oder ein Neugeborenenscreening vorliegen.  

Die Überprüfung der Schilddrüsenhormone erfolgt auch vor der Applikation bestimmter Arzneistoffe (z. B. Amiodaron oder Kontrastmittel vor Computertomografie).

Zu erwähnen ist jedoch, dass in der Regel nur der TSH-Wert bestimmt wird. Ist dieser auffällig, werden weitere Werte bestimmt. Auch wenn ich das persönlich nicht für sinnvoll erachte, erfolgt dies aufgrund von Vorgaben, an die sich die Ärzte halten müssen.

Was passiert bei einer Unter- bzw. Überfunktion der Schilddrüse und wie macht sich dies jeweils bemerkbar? 

Dr. Hatun Karakaş:

Es gibt verschiedene Erkrankungen der Schilddrüse. Am häufigsten sind jedoch die autoimmunbedingten Formen, die eine Unterfunktion (v. a. Hashimoto-Thyreoiditis) oder eine Überfunktion (v. a. Morbus Basedow) der Schilddrüse zur Folge haben. Dabei wird die Schilddrüse vom körpereigenen Immunsystem angegriffen.

Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) ist klassischerweise TSH erhöht. TRH als Chef „peitscht“ das TSH, sodass die Schilddrüsen-Fabrik mehr fT3 und fT4 produzieren muss. Da die Hormone zu wenig aktiv sind, kommt es zu typischen Beschwerden wie Energielosigkeit, Frieren und Gewichtszunahme.

Insgesamt ist der Stoffwechsel verlangsamt. Um ein Gleichgewicht der Hormone wieder herzustellen und die Beschwerden des Patienten zu reduzieren, müssen Schilddrüsenhormone zugeführt werden.  

Übrigens: Das klassisch verschriebene Arzneimittel L-Thyroxin beinhaltet nur fT4 als Hormon. Es gibt noch ein Medikament mit fT3 (Thybon), das wird allerdings nur in seltenen und schweren Fällen verordnet.  

Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) gilt die gegenteilige Konstellation: Die Fabrik produziert zu viele Hormone, folglich sind fT3 und fT4 erhöht, obwohl der Chef (TRH) und der Manager (TSH) ihre Anweisungen zurückziehen. Daher ist TSH erniedrigt.  

Da der Stoffwechsel erhöht ist, treten typische Beschwerden wie Herzrasen, Gewichtsabnahme, erhöhte Temperatur und Unruhe auf.

Um die Überproduktion der Schilddrüsenhormone zu bremsen, werden Thyreostatika verabreicht, z. B. Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil.

Häufig werden als unterstützende Maßnahme zusätzlich B-Blocker verordnet, die die Umwandlung von fT4 zu fT3 bremsen und somit Herzrasen entgegenwirken.  

Da die Hauptursache für eine Hypo- und Hyperthyreose eine Autoimmunerkrankung ist, werden zusätzlich Antikörper bestimmt: Bei Hashimoto-Thyreoiditis TPO-AK, Anti-Tg-AK und bei Morbus Basedow TAK, TRAK, TPO-AK.

Der Weltschilddrüsentag am 25. Mai

Jährlich findet am 25. Mai der Weltschilddrüsentag statt. Mit diesem Aktionstag wird auf die Erkrankungen der Schilddrüse aufmerksam gemacht, wie man diese erkennen und entsprechend behandeln kann. 

Auf PTAheute.de begleiten wir den Weltschilddrüsentag mit ausgewählten Beiträgen. Wir geben einen Überblick über das Schmetterlingsorgan, beleuchten eine Studie zum Einnahmezeitpunkt von L-Thyroxin und berichten über das Thema Schilddrüse und Kinderwunsch. Außerdem erklären wir, was Hashimoto-Thyreoiditis ist und welche Mikronährstoffe wichtig für die Schilddrüse sind. Wir werfen ebenso einen Blick auf eine Studie zur Überversorgung mit L-Thyroxin und haben in einem Interview mit einer Fachärztin über die Schilddrüsenwerte gesprochen. 

Nun haben wir bereits viel über die Schilddrüsenhormone erfahren. Wann ist der beste Zeitpunkt, um die Werte bestimmen zu lassen? 

Dr. Hatun Karakaş:

Die Schilddrüsenwerte werden klassischerweise morgens bestimmt, da zu dieser Zeit der TSH-Spiegel am höchsten ist und im Tagesverlauf bis zu 40 % variieren kann. Spätestens bis 10:00 Uhr sollte die Blutentnahme erfolgen.  

Wichtig ist, dass man zur Blutabnahme nüchtern erscheint. Werden Schilddrüsenhormone bereits eingenommen, darf das Arzneimittel erst nach der Blutentnahme verabreicht werden, um die Werte nicht zu verfälschen.  

Wird das Arzneimittel neu eingestellt, erfolgen die Messungen alle 6 bis 8 Wochen. Danach meist einmal im halben Jahr.

Frau Dr. Hatun Karakaş, haben Sie noch weitere Tipps für Patienten, die bereits Schilddrüsenhormone einnehmen?

Dr. Hatun Karakaş:

Ja. 

Leider ist es immer noch sehr verbreitet, dass man bei Hashimoto-Thyreoiditis auf jodarme Kost achten soll. Das ist eine alte Meinung, die heute nicht mehr vertreten wird. Inzwischen wurde festgestellt, dass die meisten Betroffenen Jod brauchen.  

In Deutschland herrscht ein Mangel an Selen und Jod. Das ist auch eine Annahme dafür, dass es so viele Schilddrüsenerkrankungen gibt, da die Schilddrüse Jod für die Hormonproduktion benötigt.

Auf jodarme Kost sollten vor allem Patienten mit einer Überfunktion der Schilddrüse achten.  

Da ich mich mit Nährstofftherapien intensiv beschäftige und in meinen medizinischen Alltag integriere, stelle ich fest, dass insbesondere Patienten mit einer Unterfunktion Jod 100 µg, Selen 200 µg (als Natriumselenit), Vitamin D3/K2 und Eisen brauchen. Häufig verbessern sich die Werte und folglich kann das Arzneimittel reduziert werden und es kommt zu einer Linderung der Beschwerden.  

Vitamin D, Selen und Eisen wirken auch gut gegen autoimmune Reaktionen, so dass weniger Antikörper produziert werden. Folglich arbeitet auch die Schilddrüse besser. Daher können auch Personen mit einer Überfunktion Letzteres einnehmen, um ihre Werte zu verbessern.  

Ebenso ist Schwarzkümmelöl hilfreich. Durch die antioxidative und antientzündliche Wirkung zeigt es in Studien eine Verbesserung der Schilddrüsenwerte und einen Rückgang der Antikörper.

Über Frau Dr. Hatun Karakaş:

Frau Dr. Hatun Karakaş ist Fachärztin für Innere Medizin. Sie arbeitet in einer Praxis und ist Gründerin von Dr. Hatun Shop. Seit 2017 ist sie auf Instagram als „Dr. Hatun“ aktiv und vermittelt medizinisches Wissen mit Tipps und Tricks. 

Wir bedanken uns recht herzlich bei Dr. Hatun Karakaş für das spannende und ausführliche Interview!