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Screening auf Typ-1-Diabetes bei Kindern sinnvoll

Blutzuckermessung mittels CGM-System am Arm eines Kindes
Die neue Studie liefert zwei wesentliche Erkenntnisse, die direkte Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung haben könnten. | Bild: habrovich / AdobeStock

Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung mit absolutem Insulinmangel. Dabei zerstört das körpereigene Immunsystem im Rahmen einer als Insulitis bezeichneten Entzündungsreaktion die insulinproduzierenden β-Zellen der Bauchspeicheldrüse.  

Dieser Verlust der β-Zellen führt zu einem zunehmenden Insulinmangel. Erst wenn etwa 80 bis 90 % der β-Zellen zerstört sind, manifestiert sich der Typ-1-Diabetes in seiner klinischen Form (Stadium 3).  

Deutsche Forscher um Dr. rer. biol. hum. Christiane Winkler vom Helmholtz-Zentrum München untersuchten, wie effektiv sich ein klinischer Typ-1-Diabetes mit einem Screening von Kindern vorhersagen lässt.  

Schließlich sei die Erkennung der präsymptomatischen Stadien (1 und 2) von entscheidender Bedeutung für Therapien, die den Ausbruch der eigentlichen Krankheit hinauszögern sollen.

Neue Studie zum Typ-1-Diabetes-Screening

In einer bevölkerungsbasierten Screening-Studie wurden 220.476 Kinder in Bayern auf Inselzell-Antikörper (gegen Insulin, Glutaminsäure-Decarboxylase, Inselantigen-2 oder Zinktransporter 8) untersucht.  

Das Screening wurde von 716 Kinderärzten zwischen Februar 2015 und März 2019 bei Kindern von 1,75 bis unter sechs Jahren (Durchschnittsalter 3,1 Jahre) durchgeführt. Anschließend fanden bis Juli 2025 bis zu zwei Nachuntersuchungen im Alter bis unter elf Jahren statt.  

Das Ergebnis: Bei 590 Kindern wurde im Screening ein Typ-1-Diabetes im Frühstadium (Stadium 1 oder 2) diagnostiziert, woraus sich eine bereinigte Häufigkeit in der Bevölkerung von 0,3 % ergab.  

Durch das Screening wurden 81 % (212 von 260) der Kinder identifiziert, die während der Nachbeobachtungszeit einen klinischen Typ-1-Diabetes (Stadium 3) entwickelten.

Die Fünf-Jahres-Progression vom frühen Stadium zum klinischen Diabetes betrug 36,2 % und unterschied sich nicht signifikant zwischen Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung ersten Grades (also mit Fällen bei Vater, Mutter oder Geschwistern).

Gut zu wissen: Was sind Inselzell-Antikörper?

Unter bestimmten Umständen bildet das Immunsystem Autoantikörper gegen körpereigene Zellen. 

Inselzellantikörper (ICA) richten sich dabei gegen Bestandteile der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse und spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Typ-1-Diabetes. /am Quelle: flexikon.doccheck.com 

Bedeutung der Diabetes-Screening-Studie

Die neue Studie liefert zwei wichtige Erkenntnisse, die direkte Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung haben könnten:

Erstens zeigt die 81-prozentige „Trefferquote“, dass ein Screening auf Inselzellen-Antikörper von Kindern eine effektive Erkennung von Typ-1-Diabetes im Frühstadium ermöglicht. In der Folge können gezielte Therapien den Übergang zum klinischen Stadium der Krankheit hinauszuzögern.

Zweitens belegen die ähnlichen Progressionsraten vom Frühstadium zum klinischen Typ-1-Diabetes bei Kindern mit und ohne familiäre Vorbelastung, dass ein Screening nicht nur bei genetisch ausgewählten Bevölkerungsgruppen, sondern auch für die Allgemeinbevölkerung sinnvoll ist. Quellen:
- Studie: https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2849402
- https://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus#Diabetes_Typ_1
- https://www.diabetes-deutschland.de/typ1diabetes_erkennen.html
 

Gut zu wissen: Frühe Anzeichen für Typ-1-Diabetes

Typ-1-Diabetes manifestiert sich meist relativ plötzlich im Kindes-, Jugend- oder frühen Erwachsenenalter.  

Typische Symptome sind vermehrter Harndrang und quälender Durst, zudem verlieren die Betroffenen innerhalb weniger Wochen mehrere Kilogramm an Körpergewicht.  

Sie fühlen sich müde, abgeschlagen, klagen über allgemeine Leistungsminderung und bemerken eine erhöhte Neigung zu Infektionen sowie eine Verschlechterung der Wundheilung.  

Flüssigkeits- und Mineralstoffverluste führen zu nächtlichen Wadenkrämpfen, und durch Flüssigkeitsverlust im Augapfel und der Linse kann es zu Sehstörungen kommen.  

Anzeichen einer drohenden Austrocknung sind eine faltige, warme, trockene Haut, und eine raue, trockene Zunge, eventuell auch Benommenheit bis zur Bewusstseinstrübung.

Eine bei Jugendlichen relativ häufige Komplikation ist das diabetische Koma, das oft mit Fieber und Bauchschmerzen sowie einem obstartigen Geruch der Ausatemluft (Azetongeruch) einhergeht.  

Bei jedem vierten Patienten wird der Typ-1-Diabetes erst durch diese Form der Bewusstlosigkeit festgestellt.