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Kinder essen global zu wenig Obst und Gemüse

dunkelhaariges Mädchen beißt in eine große Scheibe Wassermelone
Wenn Kinder älter werden, essen sie seltener pflanzliche Lebensmittel. | Bild: pingpao / AdobeStock

Ein US-Forscherteam um Sydney Yearley von der Tufts University Friedman School of Nutrition Science and Policy in Boston, Massachusetts, hat die „Global Dietary Database“ ausgewertet, um den Konsum pflanzlicher Kost durch Kinder und Jugendliche zu analysieren.  

Diese internationale Datenbank stellt standardisierte Schätzungen der Nahrungsaufnahme auf der Grundlage von 1.248 Ernährungsbefragungen aus 185 Ländern bereit, die schätzungsweise 99 Prozent der Weltbevölkerung abdecken.  

Die Daten umfassen 54 Ernährungsfaktoren, darunter Lebensmittelgruppen, Getränke, Makro- und Mikronährstoffe.  

Neue Studie untersucht Konsum pflanzlicher Kost

Für die aktuelle Analyse, die im Juli 2026 auf dem Wissenschaftsportal „BMJ Global Health“ veröffentlicht wurde, zogen die Forscher Daten aus 806 Erhebungen zu Obst (mit insgesamt 5.209.894 Teilnehmern), 792 zu nicht stärkehaltigem Gemüse (5.135.389 Teilnehmer), 239 zu stärkehaltigem Gemüse (1.677.068 Teilnehmer), 380 zu Hülsenfrüchten (3.189.559 Teilnehmer) und 267 zu Nüssen und Samen (2.209.704 Teilnehmer) heran.

Sie wollten herausfinden, wie viel gesunde pflanzliche Kost Kinder und Jugendliche zwischen null und 19 Jahren rund um die Welt im Jahr 2018 in diesen fünf Kategorien zu sich nahmen.  

Kartoffeln wurden ausgeschlossen, da die Autoren die Belege für ihren Nutzen bei der Vorbeugung von Unterernährung und chronischen Erkrankungen für eher begrenzt halten. 

Die Ergebnisse wurden an die Alterskategorien der Global Dietary Database (0, 1–2, 3–4, 5–9, 10–14 und 15–19 Jahre) sowie zusätzlich an die Altersgruppen null bis unter zwei Jahre und zwei bis 19 Jahre angepasst und in einem hierarchischen Modell um die Erhebungsheterogenität der verschiedenen Umfragen, zeitliche Trends und Datenunsicherheiten bereinigt.

Laut Autoren handelt es sich um die erste globale Analyse, die die Aufnahme verschiedener gesunder pflanzlicher Lebensmittel im Alter von 0 bis 19 Jahren untersucht. 

Kinder und Jugendliche essen zu wenig Pflanzliches

Über die gesamte Studienpopulation hinweg ergab die Studie einen niedrigen Konsum pflanzlicher Lebensmittel. Er betrug im Schnitt 1,43 Portionen täglich bei Kindern unter zwei Jahren und 2,8 Portionen bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwei und 19 Jahren.  

Noch deutlicher wird der Anstieg, wenn man die Altersklassen der Global Dietary Database betrachtet: In der jüngsten Kategorie bis unter einem Jahr sind es 1,19 Portionen und in der Altersklasse von 15 bis 19 Jahren 3,55 Portionen pro Tag.  

Unter Berücksichtigung des altersspezifischen Kalorienbedarfs stieg die Gesamtzufuhr also auf das Dreifache, wobei in jeder Kategorie pflanzlicher Lebensmittel ähnliche altersbedingte Steigerungen zu verzeichnen waren.

Gut zu wissen: Wie viele Portionen Obst und Gemüse pro Tag sollten es sein?

Die US-Studie nimmt keinen Bezug darauf, wie viele Portionen eines Lebensmittels pro Tag sinnvoll sind.  

Zur Einordnung: In Deutschland empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Mit einer Portion ist entweder eine Hand voll am Stück (zum Beispiel einen Apfel oder eine Paprika) oder zwei Hände voll kleinstückig oder zerkleinert (zum Beispiel Beeren oder Salat) gemeint.

Hinzu kommt eine Portion – entsprechend einer kleinen Hand voll – Nüsse und Saaten. Eine sinnvolle Menge pflanzlicher Lebensmittel sind somit laut BZfE sechs Portionen.  

Gegenteilige Altersentwicklung in reichen Ländern

In den Ländern mit hohem Einkommen zeigte sich eine gegenteilige Altersentwicklung: Hier verzehrten Kinder unter einem Jahr mit 3,77 Portionen täglich am meisten pflanzliche Kost – und so viel wie in keiner höheren Altersgruppe mehr –, vor allem in Form von Obst (2,43 Portionen/Tag).

Dieser Trend bestätigte sich auch in Deutschland. Hier kamen Kinder unter zwei Jahren noch auf 3,88 Portionen pflanzlicher Lebensmittel täglich, darunter überwiegend Obst (2,13 Portionen) und Gemüse (1,25 Portionen).  

Bei den Zwei- bis 19-Jährigen lag der Verzehr im Durchschnitt nur noch bei 2,15 Portionen pro Tag, wovon 1,01 Portionen auf Gemüse und 0,91 Portionen auf Obst fielen.

Demografische Unterschiede im Obst- und Gemüsekonsum

Regional fiel der Verzehr in Südasien über alle Altersgruppen hinweg am niedrigsten aus. Die höchsten Aufnahmen fanden sich in den benachbarten Regionen Ost- und Südostasien, was vor allem auf nicht stärkehaltiges Gemüse zurückzuführen war.

Unter den 25 bevölkerungsreichsten Ländern wiesen Spanien (1,35 Portionen), Pakistan (1,43 Portionen) und das Vereinigte Königreich (1,71 Portionen) die niedrigsten Aufnahmen pflanzlicher Lebensmittel auf.  

Die höchsten Werte fanden sich in Vietnam (4,28 Portionen), der Republik Kongo (4,38 Portionen) und Mexiko (5,18 Portionen).

Die Demografie wirkte sich auch in Bezug auf Geschlecht, Urbanisierungsgrad und Bildung aus:

  • In den meisten Regionen verzehrten Mädchen mehr Obst und stärkearmes Gemüse als Jungen.  
  • In städtischen Regionen wurden mehr Obst sowie Nüsse und Samen konsumiert als in ländlichen Gebieten.  
  • Eine höhere Bildung im Haushalt war mit einem stärkeren Verzehr pflanzlicher Lebensmittel (außer Bohnen und Hülsenfrüchten) assoziiert.

Konsum pflanzlicher Lebensmittel gestiegen, aber noch zu niedrig

Insgesamt ist die Aufnahme pflanzlicher Lebensmittel zwischen 1990 und 2018 deutlich gestiegen. Vor allem in den Kategorien stärkearmes Gemüse sowie Nüsse und Samen legte die Weltgemeinschaft zu, während erkennbar weniger stärkehaltiges Gemüse verzehrt wurde.

Die Studienautoren stufen den Konsum pflanzlicher Lebensmittel trotz der positiven Entwicklung als unzureichend ein und sprechen sich für eine gezielte Überwachung sowie politische Maßnahmen und Strategien aus, um die Ernährung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.

Die Ergebnisse liefern nach Meinung der Forscher die wissenschaftliche Basis für alters-, kultur- und länderspezifische Ernährungsempfehlungen. Schließlich verursache eine ungesunde oder unzureichende Ernährung im Kindesalter weltweit eine erhebliche Gesundheitslast. Quellen:
https://www.aerzteblatt.de/news/kinder-und-jugendliche-essen-weltweit-zu-wenig-obst-und-gemuse-e93afe2b-8776-4776-aa51-632db32f97f8
https://gh.bmj.com/content/11/7/e021543