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Spiegeltherapie – die heilende Kraft der Täuschung

Phantomschmerzen werden in einem Körperteil empfunden, das nicht mehr vorhanden ist – häufig nach Amputationen von Gliedmaßen. Eine mögliche Rolle spielen dabei veränderte Nervenreize und die Verarbeitung von Wahrnehmung in den entsprechenden Hirnregionen.
Bei der Spiegeltherapie wird üblicherweise in einem reizarmen Raum ein Spiegel so vor der Körpermitte des Patienten platziert, dass dieser Bewegungen der nicht betroffenen Seite im Spiegel als Bewegung der betroffenen Seite wahrnimmt.
So erhält das Gehirn einen visuellen Reiz, der therapeutisch genutzt werden kann. Das visuelle Feedback von zwei intakten Armen oder Beinen wird therapeutisch eingesetzt, um die Schmerzen zu reduzieren.
Beispielsweise kann der Phantomkörperteil aus einer (imaginären) schmerzhaften Position in eine angenehmere Position bewegt und somit der Phantomschmerz gelindert werden.
Gut zu wissen: 30 Jahre Spiegeltherapie
Die Spiegeltherapie wurde 1996 von dem indischen, in den USA arbeitenden Neurowissenschaftler Vilayanur S. Ramachandran (geboren 1951) entwickelt.
Mechanismus hinter der Spiegeltherapie
Durch die optische Täuschung werden Gehirnregionen angesprochen, die unter anderem an Bewegung, Wahrnehmung und Schmerzempfinden beteiligt sind.
Es wird vermutet, dass Spiegelneuronen bei der Wirksamkeit der Spiegeltherapie eine entscheidende Rolle spielen. Das sind Nervenzellen, die im Gehirn beim bloßen Anschauen eines Vorgangs ein identisches Aktivitätsmuster zeigen wie bei der tatsächlichen Ausführung.
Die visuelle Stimulation kann zu einer Reorganisation sensomotorischer Hirnregionen führen. So sorgen diese Spiegelneuronen offenbar dafür, dass die nicht betroffene Hirnhälfte die Funktion der betroffenen Gliedmaße gleichsam mit übernehmen kann.
Spiegeltherapie hilft auch bei Schlaganfällen oder Nervenschäden
Neben der Behandlung von Phantomschmerzen kann die Spiegeltherapie auch bei den folgenden Indikationen unterstützend eingesetzt werden:
- nach Schlaganfällen
- bei peripheren Nervenläsionen einer Extremität
- beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (Complex regional-pain-syndrom, CRPS)
- bei chronischen Schmerzen
- bei Taubheitsgefühlen oder Halbseitenlähmung
- zur Nachbehandlung von beispielsweise Knochenbrüchen
Hierbei wird versucht, zusammen mit der gesunden Seite auch die vom Spiegel verdeckte betroffene Seite zu bewegen, auch wenn keine aktive Bewegung möglich ist.
Dabei können größere Bewegungen des Armes oder Beines ebenso trainiert werden wie kleine feinmotorische Bewegungen von Hand, Fingern, Fuß oder Zehen. Auch Materialien wie Bürsten lassen sich einbeziehen, um die Sensibilität zu fördern.
Durch regelmäßiges Training zeigen sich Verbesserungen der motorischen Fähigkeiten und der Wahrnehmung sowie ein Rückgang der Schmerzen.
Digitale Weiterentwicklung der Spiegeltherapie
Die Spiegeltherapie wird von Physio-, Ergo- oder Schmerztherapeuten sowohl in Kliniken als auch in Praxen durchgeführt. Manche von ihnen nutzen auch videogestützte Spiegelgeräte, die die klassische Spiegeltherapie digitalisieren und ergänzen.
Statt eine Bewegung im Spiegel zu beobachten, werden Patienten beim Bewegen des gesunden Armes oder Beines gefilmt und die Aufnahme anschließend automatisch gespiegelt.
Im Video sehen sie dann den eingeschränkten oder fehlenden Körperteil, der sich scheinbar ohne Einschränkungen bewegt. Quellen:
https://news.cision.com/de/mediclin/r/spieglein--spieglein-an-der-wand--mit-spiegeltherapie-zuruck-in-den-alltag,c4399153
https://flexikon.doccheck.com/de/Spiegeltherapie
https://de.wikipedia.org/wiki/Spiegeltherapie