In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.
Palliativversorgung: Lebensqualität als wichtigste Medizin

Ein Mantel, der sich schützend um die Schultern legt – dieses Bild steckt im lateinischen Wort „pallium“. In der Palliativversorgung bedeutet es, schwerkranke Menschen, etwa mit Krebs, fortgeschrittener Demenz oder chronischer Herzinsuffizienz, zu begleiten.
Im Verlauf einer unheilbaren, lebensbedrohlichen Erkrankung verschiebt sich die zentrale Frage der Medizin: Statt „Wie können wir heilen?“ rückt in den Mittelpunkt, wie Betroffene heute, morgen und auf längere Sicht so gut wie möglich leben können.
Es geht weder darum, das Leben um jeden Preis zu verlängern, noch darum, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil: Beschwerden werden konsequent gelindert und Ängste ernst genommen. Das Ziel ist, die Lebensqualität zu erhalten.
Wann beginnt eine Palliativversorgung?
Noch immer hält sich der Mythos, Palliativmedizin sei reine Sterbebegleitung. Doch das greift viel zu kurz. Die palliative Begleitung kann schon viel früher beginnen, unter Umständen sogar parallel zu einer die Krankheit behandelnden Therapie.
Beides schließt sich nicht aus, sondern ergänzt sich: So kann ein Mensch beispielsweise gleichzeitig eine Chemotherapie erhalten und palliativ betreut werden, etwa bei Schmerzen oder Angst.
Während die palliative Therapie die Symptome der Erkrankung bekämpft, lindert die Supportivtherapie (unterstützende Therapie) gezielt die Nebenwirkungen der Behandlung.
Eine palliative Therapie behandelt unter anderem folgende körperliche Beschwerden:
- Schmerzen
- Atemnot
- Übelkeit und Erbrechen
- Starke Erschöpfung und Schwäche
- Angst und depressive Verstimmungen
- Verstopfung (bei Opioiden vorbeugend)
Palliativversorgung steht für eine Vielzahl palliativer Aktivitäten. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und bezieht auch psychische, soziale und spirituelle Aspekte ein, beispielsweise in Form von Angstbewältigung, Vorsorgevollmachten oder Sinnfragen.
Ergänzend kommen nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Lagerung, Mundpflege oder Atemübungen zum Einsatz. Genau hier spielt auch die Apotheke eine wichtige Rolle.
Palliativversorgung: Interdisziplinäres Zusammenspiel
Kein Fachbereich leistet diese Begleitung allein – sie lebt von echter Teamarbeit. Medizinische und pflegerische Fachkräfte ziehen mit der Psychologie, Sozialarbeit und Seelsorge an einem Strang. Auch Physiotherapie und Ehrenamtliche aus Hospizdiensten sind fester Teil dieses Netzwerks.
Einen wichtigen Rückhalt bietet zudem die Apotheke: Sie berät bei neu auftretenden Beschwerden, stellt individuelle Rezepturen her und sorgt dafür, dass Medikamente zeitnah verfügbar sind und sicher angewendet werden können.
Deutsche Schmerz- und Palliativtage 2026
Jedes Jahr im März finden die Deutschen Schmerz- und Palliativtage statt. Initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. werden im Rahmen eines Kongresses aktuelle Therapien und Forschungen zum Thema Schmerz vorgestellt.
In diesem Jahr finden die Deutschen Schmerz- und Palliativtage vom 19. bis 21. März in Frankfurt statt. Das Motto lautet: „Stabilität in unsicheren Zeiten: Ambulant, teilstationär und stationär.“ Im Fokus stehen Rücken- und Gelenkschmerzen.
Auf PTAheute.de setzen wir an diesen Aktionstagen ebenfalls einen Schwerpunkt auf das Thema Schmerzen. So klären wir darüber auf, was Palliativtherapie eigentlich leistet, wie mit Schmerzmittelrückständen im Trinkwasser umzugehen ist, geben ein Forschungsupdate zur Schmerztherapie und machen auf die Red Flags in der Selbstmedikation aufmerksam. Außerdem frischen wir das Thema Dronabinol-Rezepturen auf und stellen die Fortbildung „PalliativCare“ vor.
Wo und wie ist die palliative Begleitung möglich?
Die meisten Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Dank dieses Netzwerks ist das häufig auch möglich. Bei komplexen Beschwerden übernimmt die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) die medizinische Betreuung rund um die Uhr. Reicht die Unterstützung im häuslichen Umfeld nicht mehr aus, bieten Palliativstationen oder Hospize einen geschützten und würdevollen Rahmen.
Wie lassen sich Palliativ-Kompetenz und Feingefühl in der Apotheke vereinen?
Ob Medikations-Check, individuelle Rezepturherstellungen oder einfach die sichere Versorgung – Apotheken unterstützen Betroffene und deren Angehörige in vielen Bereichen.
Wissen über Palliativversorgung wirkt dabei direkt im Apothekenalltag: Wer versteht, warum ein Opioid verordnet ist oder weshalb das Schlucken schwerfällt, berät anders: sicherer, einfühlsamer, gezielter.
Praxistipps für die pharmazeutische Begleitung in der Palliativversorgung
Beratung: Die Medikamente in Ruhe erklären und zeigen, wie Opioid-Pflaster korrekt geklebt oder Tropfen richtig dosiert werden. Das nimmt Betroffenen und Angehörigen die Angst vor Anwendungsfehlern.
Den Alltag erleichtern: Geeignete Mundpflege, passende Hilfsmittel oder Trinknahrung – passende Empfehlungen können das Wohlbefinden spürbar verbessern.
Brücken bauen: Vom verlässlichen Botendienst bis zum aufmerksamen, zugewandten Gespräch sind es oft schon kleine Gesten, die einen Unterschied machen.
Vorratsmanagement: Zentrale Arzneimittel für die Palliativversorgung der jeweiligen Kundinnen und Kunden kontinuierlich vorrätig halten.
Palliativversorgung: Wie gelingt die Balance zwischen Empathie und Selbstfürsorge?
Für das Wesentliche gibt es kein Zertifikat: ein ruhiges, geduldiges Auftreten und die Bereitschaft, auch in schwierigen Momenten präsent zu bleiben. Diese „Herzkompetenz“ lässt sich trainieren wie ein Muskel.
Gleichzeitig darf die eigene Belastung Raum bekommen. Menschen über Jahre zu begleiten und schließlich ihren Abschied mitzuerleben, gehört auch zum Apothekenalltag. Der offene Austausch im Team kann hierbei entlasten und stärken.
Palliativversorgung bedeutet keinen Rückzug aus der Medizin. Sie ist eine frühe, ganzheitliche Begleitung mit einem klaren Ziel: Würde und Lebensqualität zu erhalten. Die Apotheke ist für viele Menschen ein vertrauter, niedrigschwelliger Anlaufpunkt – nicht selten wird der HV-Tisch zur Schnittstelle zwischen Alltag und Therapie. Quellen:
https://www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/pdf/WHO_Definition_2002_Palliative_Care_englisch-deutsch-2.pdf
https://www.dgpalliativmedizin.de/images/DGP_GLOSSAR.pdf
https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/palliativmedizin/