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Brustkrebs-Screening: Nur jede Zweite Frau geht hin

Früherkennung kann bei Brustkrebs Leben retten - deshalb appellieren Mediziner auch in diesem Oktober, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Vor allem dank des Mammographie-Screenings könnten Tumore in frühen Stadien erkannt werden, sagt Uwe Wagner, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Das erhöhe die Heilungschancen und ermögliche schonendere Behandlungsmethoden.
Doch nur etwa die Hälfte der eingeladenen Frauen nimmt die regelmäßigen Untersuchungsangebote in Anspruch. Wie kann die Quote gesteigert werden?
Gut zu wissen: Brustkrebs bleibt häufige Erkrankung
Pro Jahr sterben mehr als 18.000 Menschen in Deutschland an Brustkrebs, und etwa 75.000 Frauen erhalten eine neue Brustkrebs-Diagnose. Das Hessische Krebsregister nennt für das Jahr 2024 die Zahl von 5.600 neu diagnostizierten Brustkrebsfällen.
Brustkrebs: Nur etwa die Hälfte der Frauen nutzt Vorsorgeprogramm
Das Referenzzentrum Mammographie Süd West am UKGM betreut als zentrale Einrichtung das Vorsorgeprogramm in Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Im vergangenen Jahr erhielten neben der Gruppe der 50- bis 69-Jährigen auch Frauen im Alter von 70 bis 75 Jahren die Einladungen. Bei ihnen lag die Teilnahmequote lediglich bei gut 38 Prozent, sagt Karin Bock, Leiterin des Referenzzentrums.
Weil in dieser Altersgruppe tendenziell häufiger Karzinome entdeckt würden, wären aus ihrer Sicht höhere Teilnahmequoten wünschenswert. Bock hebt aber auch positive Aspekte in der Statistik hervor: Frauen, die schon einmal an dem Screening-Programm teilgenommen haben, kämen zu mehr als 80 Prozent wieder.
Mammografie zur Brustkrebsfrüherkennung ab 45 Jahren
Künftig werden mehr Frauen Anspruch auf eine Mammografie zur Brustkrebsfrüherkennung haben. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 15. Oktober 2026 beschlossen, dass die Altersgrenze für das Screening von 50 auf 45 Jahre herabgesenkt wird.
Sofern das Bundesministerium für Gesundheit diesem Beschluss nicht widerspricht, bekommen Frauen 45 Jahren voraussichtlich ab August 2027 die Kosten für eine Mammografie von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.
Ab Juni nächsten Jahres soll eine aktualisierte Verbraucherinformation zum Brustkrebs-Screening online abrufbar sein bzw. beim G-BA als Druck für Arztpraxen und Versorgungszentren bestellbar sein.
Aufklärung mit Fingerspitzengefühl zu Brustkrebsvorsorge
Generell ist Informieren mit Fingerspitzengefühl statt plakativen Werbens bei dem Thema gefragt, wie Bock deutlich macht. „Wir wollen einfach entsprechend aufklären, damit die Frau ihre selbstbestimmte Entscheidung treffen kann“, sagt Bock.
Es gebe auch Frauen, die sicher seien, dass sie auch bei einer Brustkrebsdiagnose keine Konsequenz aus dem Ergebnis ziehen würden. „In solchen Fällen würde ich auch sagen: ‚Nehmen Sie dann bitte nicht teil, weil dann haben Sie nur eine Erkenntnis, die Sie möglicherweise psychisch belastet und gar keine Hilfe für Sie ist‘“, sagt Bock.
Wichtig sei aber, gut über Diagnostik und Behandlungsoptionen informiert zu sein, erklärt die Ärztin. So sei ein Großteil der im Screening entdeckten Karzinome maximal zwei Zentimeter groß – und entspreche damit noch dem niedrigsten Stadium 1 mit guten Heilungschancen. Wer Untersuchungen auslasse, riskiere, dass Tumore erst in späteren Stadien entdeckt werden und schwerer behandelbar sind.
Brustkrebs: Früherkennung senkt Sterblichkeit
Das erlebt auch Wagner im Klinikalltag: „Wir haben eine effektive Früherkennung, die wird aber von einem Teil der Bevölkerung nicht wahrgenommen, und deswegen verpufft die Wirkung der effektiven Medikamente eigentlich, weil die Sterblichkeit gleich bleibt.“
Bei der Nutzung des Screenings hingegen verbessern sich die Überlebenschancen deutlich. Bock verweist auf Daten, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) im Jahr 2025 veröffentlicht hatte: Demnach war die Brustkrebs-Sterblichkeit unter Teilnehmerinnen des Mammografie-Programms über eine Nachbeobachtungszeit von bis zu zehn Jahren um 20 bis 30 Prozent geringer als bei den Nichtteilnehmerinnen.
Bei der Veröffentlichung der Daten hatte BfS-Präsidentin Inge Paulini erklärt, dass es sich um eine konservative Schätzung handele – und der Nutzen des Programms eher noch unterschätzt werde. Quelle: dpa, Deutsches Ärzteblatt / mg