Tausendgüldenkraut – wertvolle Bitterstoffdroge

Das Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) galt einst als besonders wertvolle Arzneipflanze – so viel wert wie tausend Gulden! Allerdings hatte man bei der deutschen Übersetzung des lateinischen Namens doch etwas übertrieben: „Centaurium“ bedeutet eigentlich nur „hundert Goldstücke“. Heute wird das Enziangewächs zwar nicht mehr in Gold aufgewogen, liefert aber noch eine geschätzte Bitterstoffdroge.

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Verdauungsmittel seit Jahrhunderten

Vergiftungen, Wurmbefall, Hautleiden, Verstopfung und noch vieles mehr – das Tausengüldenkraut wurde früher bei den verschiedensten Leiden eingesetzt. Doch ein Einsatzgebiet hat sich über die Jahrhunderte hinweg bis heute gehalten: Verdauungsstörungen. Centaurii herba ist phytotherapeutisch indiziert bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Klassische Bitterstoffdroge

Die Droge enthält die äußerst bitter schmeckenden Secoiridoidglykoside. Diese Bitterstoffe regen die Sekretion von Verdauungssäften an. Das beginnt schon im Mund mit einer vermehrten Speichelbildung. Außerdem wird die Magensaftsekretion erhöht. Eine geeignete Anwendungsform ist die Teezubereitung (1 bis 4 g auf 200 ml Wasser, bis zu 4-mal täglich). Teepräparate gibt es z.B. von Aurica und Bombastus. Teerezepturen kombinieren das Tausendgüldenkraut gerne mit anderen Bitterstoffdrogen wie z.B. Enzianwurzel und Wermutkraut (als Fertigtee z.B. in H&S® Magentee Nr. 9).

Was die Wirksamkeit mindert

Tausendgüldenkraut-Tee sollte nicht längere Zeit kochen, da die Bitterstoffe hitzelabil sind. Den höchsten Bitterstoffgehalt weisen die Blüten auf. Enthält die Droge dagegen einen hohen Anteil der weniger wirkstoffhaltigen Stängel, kann das die Wirksamkeit mindern.

Traditionell auch bei Harnwegsentzündungen

In der traditionellen Medizin wird Tausendgüldenkraut außerdem unterstützend bei Harnwegsentzündungen angewendet (z.B. in Canephron® N).

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Typische botanische Merkmale

In unserer heimischen Flora steht das von Juli bis September blühende Echte Tausendgüldenkraut unter Naturschutz. Die meist etwa 30 Zentimeter hohe Pflanze erkennt man an ihren fünfzähligen rosaroten Blüten, die zusammen einen doldenartigen Blütenstand bilden. Charakteristisch ist ferner der vierkantige Stängel mit den gegenständigen Blättern. Das Enziangewächs (Gentianaceae) kommt bevorzugt auf sonnigen Waldlichtungen und Halbtrockenrasen vor.

Ulrike Weber-Fina
Diplom-Biologin, Fachjournalistin
onlineredaktion@ptaheute.de